HÜNENBERG: Illegale Glücksspiele machen Ermittlern zu schaffen

Bei einer Razzia in einem Club stellte die Polizei auch Wettcomputer sicher. Gerade das Online-Glücksspiel ist schwierig zu ahnden.

Susanne Holz
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Full House. Aber Vorsicht: Wer pokert, kann sich strafbar machen. (Bild: Getty)

Full House. Aber Vorsicht: Wer pokert, kann sich strafbar machen. (Bild: Getty)

Samstag vor einer Woche: Die Zuger Polizei unternimmt eine Razzia im Hünenberger Clublokal eines kosovarischen Vereins. Der Betreiber steht unter Verdacht, seit Monaten illegale Glücksspiele zu organisieren. Bei der Razzia stellt die Polizei nicht nur mehrere tausend Franken sicher, sondern beschlagnahmt zudem diverse Spielterminals und Wettcomputer.

Wie Marcel Schlatter, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, sagt, kann die Zuger Polizei noch keine Angaben zum Strafrahmen im Hünenberger Fall um mutmasslich illegales Glücksspiel machen. «Die sichergestellten Gerätschaften müssen zuerst analysiert werden», erklärt Marcel Schlatter. Es gehe darum, abzuklären, «ob sie unter das Lotteriegesetz oder das Spielbankengesetz fallen». Während bei Zuwiderhandlung gegen das Lotteriegesetz das Strafverfahren beim Kanton liegt, tritt bei Verstössen gegen das Spielbankengesetz die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) in Aktion.

Glück oder Geschicklichkeit

Dass Glücksspiel ein komplexes Thema ist, ist nicht neu. Allein die Frage, ab wann ein Pokerspiel, und sei es im Wohnzimmer, eine Straftat ist, kann Spieler ins Grübeln bringen. Die Antwort sei an dieser Stelle verraten: «Pokern um Geld im Wohnzimmer mit Freunden und Familie ist erlaubt», so Maria Chiara Saraceni, Juristin und Kommunikationsbeauftragte bei der ESBK. Allerdings: «Ob es sich um ein Pokerturnier im Familien- und Freundeskreis handelt, entscheidet sich im Einzelfall. Ein Indiz dagegen wäre eine öffentliche Ausschreibung», so die Expertin.

Anders sieht es beim Jassen aus: Bei öffentlichen Jassturnieren darf um Geld gespielt werden. Der Grund: Jassen gilt als Geschicklichkeitsspiel und nicht als Glücksspiel wie das Pokern. Und nur das Glücksspiel um Geld unterliegt strengen gesetzlichen Richtlinien. Laut Maria Saraceni liegt ein Glücksspiel vor, wenn um einen Einsatz gespielt wird, ein Geldgewinn oder ein geldwerter Vorteil winkt sowie der Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt.

Saraceni: «Nur die vom Bundesrat konzessionierten Spielbanken dürfen Glücksspiele organisieren und betreiben. Die ESBK verfolgt illegales Glücksspiel, sofern es nicht unter das Lotteriegesetz fällt.» Als Strafen seien Bussen bis zu 500 000 Franken oder Haft möglich. 21 konzessionierte Spielbanken gibt es in der Schweiz. Keine davon ist im Kanton Zug. Die ESBK konzessioniert jedoch nicht nur Casinos, sondern genehmigt auch die Inbetriebnahme von Glücksspielautomaten in den Spielbanken. Definiert sie einen Automaten als Geschicklichkeitsspielautomaten, so ist der Kanton zuständig und bestimmt, ob überhaupt und, falls ja, wo dieser aufgestellt werden darf.

Glück oder Geschicklichkeit, legales oder illegales Spiel. Allein diese Frage wäre kompliziert genug. Heutzutage gesellt sich ein weiterer Komplex hinzu, der schwierig zu greifen ist: das Online-Glücksspiel. Strafbar macht sich nämlich auch, wer Online-Glücksspiele anbietet, betreibt oder einen Direktzugang auf ein Online-Glücksspiel setzt.

Löwenanteil Online-Glücksspiel

Interessant ist: Die meisten Strafverfahren, welche die ESBK 2013 eröffnete, haben Online-Angebote betroffen. Man kann von einem Löwenanteil sprechen: Von 115 neuen Strafverfahren bezogen sich 90 Prozent auf den Online-Bereich. Im Jahresbericht 2013 der ESBK ist nachzulesen, dass bei diesen illegalen Glücksspielen zwei Arten zu unterscheiden sind: zum einen «das Angebot in öffentlichen Lokalen mittels speziell eingerichteter Terminals, die den Zugriff auf verschiedene Glücksspielplattformen erlauben und vertriebsmässig an den Betreiber des Lokals angebunden sind». Zum anderen «Internetangebote, die im Land, in welchem sie betrieben werden, legal sind, aber mangels Sperre auch den Spielern in der Schweiz zur Verfügung stehen». Eine Grauzone. 2018 soll jedoch eine neue Geldspielgesetzgebung in Kraft treten, welche die Online-Spiele regelt.

Susanne Holz