HÜNENBERG: In 38 Tagen quer durch die Schweiz

Fotograf Peter Frommenwiler und seine Hündin Chia wanderten vom Engadin bis nach Genf. Die Bilder seiner Erlebnisse zeigt er nun im Kino Cinepol in Sins. Pläne für die nächste Reise gibt es bereits.

Wolf Meyer
Drucken
Teilen
Peter Frommenwiler und seine dreijährige Hündin Chia warten auf die nächsten Abenteuer. (Bild: Stefan Kaiser (Hünenberg, 28. Februar 2017))

Peter Frommenwiler und seine dreijährige Hündin Chia warten auf die nächsten Abenteuer. (Bild: Stefan Kaiser (Hünenberg, 28. Februar 2017))

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch

Startpunkt war die östlichste Ortschaft der Schweiz. Vergangenen Juni schnürte sich Peter Frommenwiler (62) die Wanderschuhe und schnallte seiner Mittelschnauzerin Chia ihren Hunderucksack um, füllte seine ­Wasserflasche am Brunnen des ­Engadiner 114-Seelen-Dörfchens Martina – und lief los. Einmal quer durch die Schweiz. Denn sein Ziel war Genf. «Einige Monate zuvor hatte ich mir diese Schnapsidee in den Kopf gesetzt, und nun war es endlich so weit», erzählt Frommenwiler acht Monate später in seiner gemütlichen Stube in Hünenberg. 38 Tage würde die Reise dauern. Immer gegen Westen. Der Sonne nach.

Frommenwiler hat sich im Voraus seine eigene Route zusammengestellt. Damit sein Rucksack möglichst leicht blieb, schickte er je ein Paket mit Hundefutter und Trecking-Nahrung nach Savognin, Airolo, Gampel und Vevey. Dort warteten diese postlagernd auf ihn. Diese vier Stationen waren Fixpunkte auf seinem Weg. Dazwischen aber musste er immer wieder umdisponieren oder Umwege in Kauf nehmen. Jede Entscheidung traf er allein. «Meine Frau wollte nicht mitkommen, aber das war mir schon klar, bevor ich ihr davon erzählte.» Die einzige Gesellschaft während der fünf Wochen waren nur vereinzelte Wanderer, Wirte und ein, zwei Bekannte, die er auf dem Weg besuchen wollte. Das war ihm bereits im Vornherein bewusst. Immer an seiner Seite aber war die dreijährige Hündin Chia. «Ich gehe jeden Tag mit ihr ein bis zwei Stunden spazieren. Wir sind ein gutes Team.» Es habe seine Vorteile, nur mit dem eigenen Hund unterwegs zu sein: «Ich kann ganz allein bestimmen, wann ich wohin gehe. Welches Tempo ich anschlage. Wann ich esse, wann ich das Zelt aufstelle oder wann ich in einem Hotel unterkommen will. Und trotzdem bin ich immer in guter Gesellschaft.»

Etwas für jedermann?

Das Erlebte hat Frommenwiler mit seiner Fotokamera und einer Gopro eingefangen. Letztere ist eine kleine Videokamera in der Grösse einer etwas zu dick geratenen Streichholzschachtel, die man oft an Helmen von Extremsportlern findet. So bringt der professionelle Fotograf nicht nur schöne Erinnerungen aus den Bergen mit, sondern auch bewegte und bewegende Bilder. Diese zeigt er heute Abend in Form einer multimedialen Diashow im Kino Cinepol in Sins (siehe Infobox). «Ich muss gestehen, ich bin schon ein wenig aufgeregt, wenn ich an die Vorstellung denke», sagt er. Chia hingegen liegt entspannt vor dem Sofa. Von Lampenfieber keine Spur.

Als Frommenwiler und seine Hündin vergangenen Juni die ersten Meter unter die Füsse beziehungsweise Pfoten nahmen, liessen sie es auch eher gemütlich angehen. «Die ersten paar Tage wollte ich nicht gleich die grossen Sprünge machen und blieb über weite Strecken in tieferen Regionen.» Danach ging es bergauf. «Ich habe dann versucht, auf dem grössten Teil der Route nicht unter zwölfhundert Meter über Meer zu kommen. Ansonsten wäre es vor allem für Chia zu heiss geworden, um lange Strecken zu bewältigen.» Wenn es sich einrichten liess, genoss er seine Malzeiten in Beizen am Weg. Er füllte seine Wasserflasche meist nur halb, da es in den Schweizer Bergen reichlich Flussläufe und Brunnen gibt, die Trinkwasser führen. So konnte Frommenwiler sein Packgewicht auf rund 11 Kilo­gramm reduzieren.

Für die gemeinsame Reise hatte der Fotograf sich noch einmal kräftig mit Outdoor-Equipment eingedeckt. Rund 4000 Franken hat er in seine Ausrüstung investiert. Ein leichtes Zelt, feste Schuhe, einen kleinen Gaskocher und gute Rucksäcke für ihn und seinen besten Freund. Doch die 16 Pässe und insgesamt 54 000 Höhenmeter hoch und runter waren ein richtiger Kraftakt. «Die Reise war hart und mühsam, aber gut. Einfach ein schönes Erlebnis. Es gibt andere, die so etwas machen. Viele sogar, die noch viel ambitioniertere Reisen unternehmen», sagt Frommenwiler anerkennend. Er sieht seine Durchquerung der Schweiz daher nicht als sportliche Sensation. Vielmehr betont er, dass so etwas jeder machen kann, der körperlich fit ist. «Die Reaktionen der Leute, denen ich von meiner Wanderung erzähle, gehen oft in Richtung: ‹Wow, das würde ich auch gerne mal machen›.»

Ab und an eine Übernachtung im Hotel

Frommenwiler ist kein Anhänger der Selbstkasteiung und suchte sich sein eigenes Mass an Natur, Strapazen und Komfort. Wenn es ihm zu nass oder zu hart wurde im Zelt, gönnte er sich auch ab und an ein Hotel zur Übernachtung. «Ich musste niemandem etwas beweisen und bin mir auch nicht zu schade, bei strömendem Regen einfach mal eine Nacht im Hotel zu verbringen.»

Ganz ohne unliebsame Zwischenfälle haben ihn die Alpen dann aber doch nicht ziehen lassen. Beim dritten Postlager in Gampel fing er sich in einem der Restaurants eine Magen-DarmVerstimmung ein. «In dieser Nacht bin ich etwa viermal aus dem Zelt gerannt», erinnert er sich grinsend. Während sich seine Darmflora langsam wieder eingependelt hatte, war der 62-Jährige schon wieder auf den Füssen und machte sich an die Herausforderungen der kommenden drei Etappen. Sie gehörten zu den anspruchsvollsten seiner Route. In drei Tagen stieg er abwechselnd insgesamt 3800 Höhenmeter hoch und 2800 wieder hinunter. Danach senkte sich der Weg in die Schlussphase der Reise, und es wurde wieder gemächlicher. Trotzdem sollten gerade die letzten vier Tage die härtesten werden. Doch diese Geschichte erzählt Frommenwiler am besten selbst. Schlussendlich lautet sein Fazit trotzdem: «Für mich war am Ende der Reise klar: So etwas mache ich wieder.» So plant er für nächstes Jahr bereits eine neue Route. 2018 will er einmal rund um die Schweiz. «Das schenke ich mir zur Pensionierung», sagt Frommenwiler und hofft, dass ihn Chia dann auch wieder begleiten wird.