HÜNENBERG: Kennen ist nicht gleich kennen

Die Gemeinde lanciert ein während dreier Jahre finanziell unterstütztes Projekt für Nachbarschaftshilfe. Das sei nötig, erklärt ein Verantwortlicher – trotz der familiären Verhältnisse.

Raphael Biermayr
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Die Hünenberger (hier am Oktoberfest im Zollhaus) sollen sich auch abseits der grossen Anlässe treffen. (Bild: Stefan Kaiser (2. Oktober 2015))

Die Hünenberger (hier am Oktoberfest im Zollhaus) sollen sich auch abseits der grossen Anlässe treffen. (Bild: Stefan Kaiser (2. Oktober 2015))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

«Die Hünenbergerinnen und Hünenberger kennen sich.» Dieser Satz aus einer Medienmitteilung der Ennetsee-Gemeinde mag in diesen – nicht nur klimatisch – eisigen Zeiten etwas Wärmendes haben. Doch diese Erkenntnis reicht offenkundig nicht aus, wenn es um tatsächlich gelebte Solidarität geht.

Hünenberg lanciert deshalb unter dem Namen «Hallo Nachbar!n» eine Nachbarschaftshilfe. Das Ziel dieser organisierten Nächstenliebe ist es, Kontaktpersonen in den Quartieren zu finden, die deren Anwohner vernetzen und auch «nachfragen bei einer Erkrankung» oder «gute Wünsche zur Geburt» übermitteln, wie es in erwähnter Mitteilung heisst. Die explizite Erwähnung dieser Beispiele klingt nach zerrütteten Verhältnissen in der durch Familien geprägten Gemeinde. Christian Bollinger, der Leiter der gemeindlichen Sozialabteilung, widerspricht diesem Eindruck: «Das Zusammenleben in Hünenberg funktioniert gegenwärtig gut. Wir wollen aber nicht warten, bis das vielleicht einmal verloren gegangen ist, sondern jetzt schon dieses Netz unter den Bewohnern stärken.»

Den Anstoss dazu gibt zwar die Gemeinde, dafür sorgen sollen jedoch die Bewohner. «Hallo Nachbar!n» ist auf die in Hünenberg herrschende Kleinteiligkeit ausgelegt: Bollinger rechnet mit bis zu 50 Kontaktpersonen, die die Netzwerke ihrer Gebiete vertreten. Im Gegensatz zu Nachbarschaftshilfemodellen in anderen Gemeinden soll keine Geschäftsstelle unterhalten werden. Der Gemeinderat alimentiert «Hallo Nachbar!n» während dreier Jahre mit total 37 000 Franken, davon stammen 20 000 Franken aus dem Nachlass von Hedwig Bolliger. Die ehemalige Lehrerin im Mattenschulhaus und Buchautorin, die 1976 zur Ehrenbürgerin ernannt wurde und 2011 starb, hat der Gemeinde Geld für soziale Zwecke hinterlassen.

Aufruf zu Quartierfesten

Morgen Abend stellen der Gemeinderat und der Abteilungsleiter Bollinger das Projekt ab 19.30 Uhr im Zentrum Heinrich von Hünenberg vor. Dort wird er auch für die Mitarbeit im Projektteam werben. Jenes soll «Hallo Nachbar!n» zunächst auf den Weg bringen und anschliessend weiterentwickeln. Neben Bollinger ist mit Franziska Roos (Fachperson Alter) nur noch eine weitere Vertreterin des offiziellen Hünenberg dafür vorgesehen. Der Rest soll aus der Bevölkerung stammen. Der erste Bewährungstag für das neue Projekt ist der 19. Mai. Anlässlich des europäischen «Tag der Nachbarn» ruft die neue Nachbarschaftshilfe zur Ausrichtung von Quartierfesten auf und bietet Unterstützung dafür an.

Auf dass sich die Hünenbergerinnen und Hünenberger danach auch wirklich kennen.