Hünenberg
Nachbarschaftshilfe nach Kiss-Modell: Eine Kick-off-Veranstaltung ist in Planung

Hünenberg soll sich der Kiss-Genossenschaft Cham anschliessen – so verlangt es eine Motion. Jetzt steht das Projekt in den Startlöchern. Noch gibt es offene Fragen.

Rahel Hug Jetzt kommentieren
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Nachbarschaftshilfe kann zum Beispiel Hilfe beim Einkaufen umfassen.

Nachbarschaftshilfe kann zum Beispiel Hilfe beim Einkaufen umfassen.

Symbolbild: Benjamin Manser (27. September 2021)

Es war ein knapper Entscheid: An der Hünenberger Gemeindeversammlung vom letzten Winter wurde die Motion für eine koordinierte Nachbarschaftshilfe – entgegen den Plänen des Gemeinderats – erheblich erklärt. Die Forderung der Motion: Hünenberg soll der Genossenschaft Kiss in Cham beitreten und in einem weiteren Schritt eine Erweiterung zu «Kiss Ennetsee» (Risch, Cham und Hünenberg) prüfen. Zu reden gab insbesondere die Frage, ob das Modell der Zeitgutschriften auch zu Hünenberg passt. Viele äusserten Bedenken, dass ein neues Angebot bestehende konkurrenzieren könnte.

Christian Bollinger, Leiter Soziales und Gesundheit bei der Gemeinde Hünenberg.

Christian Bollinger, Leiter Soziales und Gesundheit bei der Gemeinde Hünenberg.

Bild: PD

Jetzt steht das Projekt einer organisierten Nachbarschaftshilfe nach dem Prinzip «Keep it small and simple» in den Startlöchern. Es haben Gespräche mit Verantwortlichen der Chamer Genossenschaft und den Motionärinnen und Motionären stattgefunden. Wie Christian Bollinger, Leiter Soziales und Gesundheit bei der Gemeinde Hünenberg, auf Anfrage erläutert, galt es, in den Gesprächen zu klären, inwieweit ein Beitritt zu Kiss Cham möglich ist und ob damit der Idee der Motion genügend Rechnung getragen wird.

«Eine wichtige Erkenntnis war die Hervorhebung der Genossenschaft als Organisation von gegenseitiger Hilfe mit lokalem Bezug.»

Der Idee einer Kiss-Genossenschaft könne demnach nicht mit einem Beitritt der Gemeinde nachgekommen werden. «In den Statuten ist auch keine Gemeindemitgliedschaft vorgesehen», so Bollinger. Es gelte deshalb nun, für Hünenberg die geeignete Struktur und Organisationsform zu finden.

Genügend engagierte Personen gefunden

In einem ersten Schritt wird ein Publikumsanlass geplant und durchgeführt. Christian Bollinger sagt: «Kiss als Idee soll bekannt gemacht werden.» Erfreulicherweise hätten sich ausreichend Personen für diesen ersten Schritt zur Verfügung gestellt. An dieser Veranstaltung wird die Kiss-Genossenschaft Cham Unterstützung leisten und Hünenbergerinnen und Hünenberger, die bereits Mitglieder sind, werden für Auskünfte zur Verfügung stehen. 34 Personen aus Hünenberg engagieren sich bereits in der Genossenschaft der Nachbargemeinde.

Und wie sieht dabei die Rolle der Gemeinde Hünenberg aus? «Sie wird unterstützend tätig sein und auch dieses Jahr einen Beitrag an Kiss Cham ausrichten», führt Bollinger aus. Für die Mitwirkung bei Kiss Cham ist direkt die Zeichnung eines Genossenschaftsanteils möglich. Dazu muss die Gemeinde selber nicht Mitglied sein. Alle Hünenbergerinnen und Hünenberger können direkt Mitglied werden. «An diesem Vorgehen wird auch die noch zu definierende Unterstützung durch die Gemeinde nichts ändern.»

Hünenberg hatte mit einem dreijährigen Pilotprojekt «Hallo Nachbar!n» bereits früher einmal den Versuch gestartet, eine eigene Nachbarschaftshilfe aufzubauen. Wegen mangelnder Nachfrage wurde das Projekt aber Ende 2019 eingestellt. Beim Kiss-Modell werden die geleisteten Stunden als Zeitgutschriften vermerkt, welche die helfende Person bei Bedarf später selber beziehen kann. Die Kiss-Genossenschaft Cham zählt, Stand Anfang August, 307 Mitglieder. Gegründet wurde sie 2015. Neben Cham gibt es auch in der Stadt Zug eine Genossenschaft.

In Baar finden momentan Mitwirkungsanlässe statt

Berty Zeiter, Baarer Sozialvorsteherin.

Berty Zeiter, Baarer Sozialvorsteherin.

Bild: PD

Auch die Gemeinde Baar hat die Umsetzung einer organisierten Nachbarschaftshilfe schon länger auf der Agenda. Vor rund vier Jahren wurde ein Round Table durchgeführt, mit der Erkenntnis, dass eine Plattform fehlt, die unbürokratisch und spontan Leute zusammenbringen kann. Wie die Nachfrage bei Sozialvorsteherin Berty Zeiter zeigt, hat der Gemeinderat beschlossen, das Thema der Nachbarschaftshilfe und der Quartierentwicklung innerhalb des Gesamtkonzeptes zur Umsetzung der Strategie Wohnen im Alter (WIA) anzugehen.

Diese wird in drei Teilprojekten umgesetzt. Im ersten geht es um flankierende Massnahmen, damit ältere Menschen so lange wie möglich zu Hause wohnen bleiben können. Eine Arbeitsgruppe führt aktuell Treffen an drei verschiedenen Orten in Baar durch, wo vor allem die ältere Bevölkerung zur Mitwirkung eingeladen ist. «Sollte der vom Round Table anno dazumal formulierte Bedarf an organisierter Nachbarschaftshilfe auch von der Basis her ausgewiesen werden, so ist eine Umsetzung vorgesehen», erklärt Berty Zeiter. Ein bestimmtes Modell – zum Beispiel Kiss oder eine Eigenkreation – sei noch völlig offen.

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