HÜNENBERG: Premiere für 3500 Zuschauer

Das 97. Zuger Kantonalschwingfest steht im Zeichen der kurzen Wege. Und der Wahrung des Friedens in einem Quartier.

Raphael Biermayr
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Der Festplatz beim Sdchulhaus Eichmatt in Hünenberg. (Bild: Andreas Busslinger)

Der Festplatz beim Sdchulhaus Eichmatt in Hünenberg. (Bild: Andreas Busslinger)

«Madeleines» werden gereicht und Mineralwasser eingeschenkt. Die Wände sind geschmückt mit Zeichnungen. Fünf Männer und eine Frau nehmen am Tisch Platz, von dem einen Glücksschweinchen angrinsen. Die demonstrative ­Gemütlichkeit im Lehrerzimmer des Hünenberger Kemmattenschulhauses passt zum Thema der hier stattfindenden Pressekonferenz: das 97. Zuger Kantonalschwingfest. Dieses wird am 24. ­April insgesamt zum fünften Mal in Hünenberg ausgetragen, zum ersten Mal aber im See-zugewandten Dorfteil.

Die Galionsfigur des Organisationskomitees wohnt im oberen Dorfteil, Regierungsrat Urs Hürlimann. Der OK-Präsident bucht den ersten Lacher: «Wenn das mit dem Wetter so weitergeht, liegt am Schwingfest ein halber Meter Schnee.» Anschliessend beschreibt er das designierte Festgelände: Es bietet Platz für 3500 Zuschauer sowie (kostenpflichtige) Parkplätze auf einer nahen Wiese und in der Tiefgarage des neuen Wohnkomplexes gegenüber, es liegt nah der Stadtbahnhaltestelle Zythus, und ist sehr übersichtlich.

Der Gefängnis-Muni

Anschliessend zwängt sich der OK-Präsident neben dem designierten Wettkampfplatz auf der Sportwiese zu fotografischen Zwecken in eine Zwilchhose. Neben ihm tut es OK-Vizepräsident Reto Arnold gleich. Wenngleich: Er tut es etwas eleganter, schliesslich war der heutige Vorsteher des Schwingklubs Cham-Ennetsee einst im Sägemehl aktiv. Die Kinder auf dem Allwetterplatz blicken fragend auf die Szene. Dann widmen sie sich wieder ihrem Fussballspiel.

Sepp Burch steht lächelnd daneben. Er ist verantwortlich für die Preise (Gaben), die die Schwinger gewinnen können. Der erste Preis ist Muni «Timo», der an diesem Nachmittag durch Abwesenheit glänzt. «Er ist auf seinem Hof gleich hinter dem Bostadel-Gefängnis», erklärt Burch. Die sogenannten Lebendpreise – Munis und Rinder – sind eine der vielen Referenzen an die Tradition. So gut wie kein Schwinger nimmt die Tiere mehr nach Hause, sondern den zuvor festgehaltenen Gegenwert. Im Fall von «Timo» beträgt der 4500 Franken. Dem Chamer Burch blieb der Gewinn des Munis respektive des Geldes am Zuger Kantonalfest indes verwehrt. Der vierfache Gewinner des Eidgenössischen Kranzes und Brünigfest-Sieger (1981) stand viermal im Schlussgang – und gewann nie.

Die Gegend um das Festgelände ist eine privilegierte Wohnlage. Auch deshalb ist dem OK besonders daran gelegen, den Frieden im Kemmattenquartier nicht zu gefährden. Am Abend vor dem Schwingfest wird kein ausschweifendes Programm geboten, sondern in einem Schulgebäude eine Stubete durchgeführt – von 17 Uhr bis 24 Uhr.

Das ist auch den Leitern der involvierten Schulhäuser Kemmatten (Felix Estermann) und Eichmatt (Georges Raemy) recht. Sie hätten gleich zugesagt, als das OK bei ihnen wegen der Durchführung vorfühlte. Raemy erklärt, dass er mit Reto Arnold vereinbart habe, dass die Schüler der 4. bis 6. Klasse von Fachleuten ins Schwingen eingeführt werden. Estermann wirft ein: «Hoffen wir mal, dass ein künftiger Schwingerkönig hier zur Schule geht.»

HINWEIS: Tickets sind im Vorverkauf bei den Schwingklubs der Kantone <strong>&gt;&gt; Zug</strong> und&gt;&gt;Schwyz

Zwei Comebacks

Zum Zuger Kantonalschwingfest werden fast 200 Aktive erwartet. Welche Stars ihre Aufwartung machen werden, ist noch offen. Der Rothenthurmer Christian Schuler, der Sieger der letzten drei Austragungen, führt den Anlass in seinem Saisonkalender. Aus Zuger Sicht ruhen die Hoffnungen auch auf zwei Rückkehrern: Pirmin Reichmuth war lange verletzt, Pascal Nietlispach setzte die Saison 2015 wegen einer Weiterbildung aus. Beide wohnen in unmittelbarer Nähe zum Festgelände vom 24. April.

In die Hosen: Regierungsrat und OK-Präsident Urs Hürlimann (links) und Vizepräsident Reto Arnold. Fotografiert am 13. Januar 2016 in Cham. Neue ZZ/Maria Schmid Schwingen, Sport (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)

In die Hosen: Regierungsrat und OK-Präsident Urs Hürlimann (links) und Vizepräsident Reto Arnold. Fotografiert am 13. Januar 2016 in Cham. Neue ZZ/Maria Schmid Schwingen, Sport (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)