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HÜNENBERG: Sherlock Holmes & Co. ganz unter sich

Am Samstag feierte die Vereinigung international tätiger Privatdetektive ihr 50-Jahr-Jubiläum – mit Vorträgen, Schiessübungen und spannenden Geschichten.
Lionel Hausheer
Instruktor Daniel Merz (links) zeigt den Privatdetektiven im Schiesskeller von Elite Guard den Umgang mit der Waffe. (Bilder Werner Schelbert)

Instruktor Daniel Merz (links) zeigt den Privatdetektiven im Schiesskeller von Elite Guard den Umgang mit der Waffe. (Bilder Werner Schelbert)

Lionel Hausheer

Die Nacht, in der Peter Schälker entschied, nicht mehr als Privatdetektiv zu arbeiten, verbrachte er mit einer Pistole am Kopf in einer Hütte im Berner Oberland. Er sei auch zu naiv gewesen: Wer zahlt schon Bares, nur damit sich einer jeden Morgen vergewissere, ob ein bestimmter Lastwagen noch an seinem Platz sei? Wahrscheinlich jemand, der im doppelten Boden der Ladefläche mehr als nur Dreck und Mäuse hortet.

Ein Paar Augen mehr als geplant

Jung und naiv sei er gewesen. Peter Schälker schüttelt noch heute den Kopf. Jeden Morgen habe er nachgeschaut, ob der LKW noch dort stand. Der Lastwagen war immer da. Aber auch jemand anderes schaute Peter Schälker wohl bei seinen regelmässigen Ausflügen zu. Dann war der Lastwagen weg. Als sich Schälker umdrehte, um den Auftraggeber aus Zürich zu informieren, bremsten zwei Autos scharf vor ihm ab und versperrten den Weg. Schälker bekam einen Sack über den Kopf und einen Sitzplatz in einem der Autos. Später tauschte er Auto und Sack gegen ebenjene Hütte und Pistole. Gegen den Morgen hin wusste er, dass die Jungs Namen und Adresse seines Auftraggebers mehr interessierte als es eine gute Erziehung zuliesse, dass Drogenhandel ein sehr ernstes Geschäft sein kann – und vor allem, dass er seinen Beruf wechseln muss.

Wieder zurück in den gleichen Job

«So was sollte einem Privatdetektiv aber eigentlich nicht passieren», stellt Peter Schälker klar. Die Nacht im Berner Oberland ist über zwanzig Jahre her, damals war er gerade mal so um die vierundzwanzig Jahre alt. Viel ist geschehen seither. Der Privatdetektiv hat inzwischen eine Karriere bei der Zürich Versicherung hinter sich, mit allem was dazugehört: fordernde Untergebene, Druck aus der oberen Teppichetage und einer Sinnkrise zum Schluss. Dann landete er wieder in seinem eigentlichen Job: Privatdetektiv mit eigener Agentur in Liestal, Baselland.

Peter Schälker ist Präsident der Vereinigung international tätiger Privatdetektive, die VID, die dieses Jahr 50 Jahre alt wird. Sein Jubiläum feierte der Branchenverband in Hünenberg mit Vorträgen und Workshops für Mitglieder und Interessierte. Beispielsweise bot das Jubiläum die Möglichkeit, im Schiessstand mit einer SIG Sauer auf Pappe zu ballern, natürlich mit Schutzbrille, Pamir und unter strenger Aufsicht. Aber auch einen Vortrag über IT-Forensik fand Platz im Programm. Forensik kommt vom lateinischen Forum, was «Marktplatz» bedeutet. Auf den römischen Marktplätzen wurde nicht nur gehandelt, sondern auch verhandelt – und zwar das Strafmass für Verbrecher. Forensik ist demnach die Wissenschaft, die Beweise für gerichtliche Verhandlungen sammelt, aufbereitet und interpretiert. Die IT-Forensik macht dies im Bereich von Computern.

Berufskodex

Die Vereinigung international tätiger Privatdetektive war einst eine der grössten Organisationen ihrer Art. Nach der Gründung 1966 wuchs die Mitgliederzahl stetig, bis in den Siebzigerjahren ein Netzwerk von zirka 260 Mitgliedern über die ganze Welt entstand. Dank dem Berufskodex, den der VID vertritt, wirkte die Mitgliedschaft auch als eine Art Gütesiegel. Doch dann schwanden die Mitglieder, und die Vereinigung zählt heute noch rund 50 Mitglieder – vor allem aus Deutschland und der Schweiz. Die Aufträge hätten sich aber in dieser Zeit nur wenig verändert, erzählt Peter Schälker. Personen observieren, Wanzen und Kameras aufspüren, Mitarbeiterdelikte aufklären, das alles sei gleich geblieben. «Früher gabs mehr Aufträge von Ehepaaren, die sich scheiden liessen, heute geht es oft darum, Beweise zu finden im Auftrag von Anwälten.» Der Beruf sei alles andere als antiquiert. «Was man braucht, ist ein tadelloser Ruf, Seriosität und vielleicht doch noch eine leise Affinität zum Draufgängertum.»

Ein Hauch von 007 – Krawatte mit eingebauter Minikamera und Stift mit Mikro. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Ein Hauch von 007 – Krawatte mit eingebauter Minikamera und Stift mit Mikro. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

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