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Hünenberger Tambourmajor: «Eine Gugge darf auch mal falsch spielen»

Der Tambourmajor hat in einer Guggenmusik die Hosen an. Um die Gruppe zusammenzuhalten und die 5. Jahreszeit erfolgreich durchzustehen, hat Jara Popp, «Tambi» der Hünenberger Guggenmusik Cocorico, einige Tricks auf Lager.

Laura Sibold
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Die Guggenmusik Cocorico beim Auftritt im Metalli Zug.
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Die 40-köpfige Gugge gibt unter der Leitung von Tambourmajor Jara Popp alles.
Jara Popp ist seit sieben Jahren Tambourmajor der Guggenmusik Cocorico.
Und ihr Einsatz wird von den Mitgliedern offenbar geschätzt.
Der Auftritt im Metalli Zug lockte viele Zuschauer an.
Und auch am Abend beim Chesselwy zeigten die Mitglieder der Guggenmusik Cocorico vollen Einsatz - angespornt von Tambourmajor Jara Popp.
Das Motto der Hünenberger Guggenmusik ist übrigens «Cocoman's Friend».

Die Guggenmusik Cocorico beim Auftritt im Metalli Zug.

Bild: Christian H. Hildebrand, (Zug, 20. Februar 2020)

Im Stadtzuger Einkaufszentrum Metalli wischen zwei kleine Piraten Konfetti vom Boden auf und schütten sie sich über den Kopf. Daneben zählt Jara Popp mit lauter Stimme ein. Auf ihr Kommando beginnt die Guggenmusik Cocorico ihren Auftritt, die Zuschauer im Metalli wippen zu den kakofonischen Klängen mit dem Kopf. Jara Popp ist seit sieben Jahren Tambourmajor, kurz «Tambi», der Hünenberger Guggenmusik und steht bei den Auftritten auf einer Holzkiste, damit sie von allen Mitgliedern gesehen wird.

Mit einfachen Handbewegungen dirigiert sie die Gugge und fordert die Register auf, die Lautstärke innerhalb der Lieder zu regulieren. «Einfach nur laut spielen, kann jeder. Die Kunst liegt im Detail», erklärt die 29-jährige Rotkreuzerin nach dem Konzert. Die Lautstärke zu variieren, sei ein einfaches Mittel, um den Auftritt für das Publikum spannender zu gestalten. «Eine Gugge darf auch mal falsch spielen, das gehört dazu», findet Jara Popp. Im Zentrum stehe der Spass, denn alle würden freiwillig mitmachen.

Bouillonwürfel und ein Kissen als Geheimwaffen

Nach dem Schmudo-Auftritt im Metalli sind Popp und die anderen Cocorico’s schon seit über 24 Stunden auf den Beinen. Für sie hat die 5. Jahreszeit bereits am Mittwochabend mit dem Gagserball im luzernischen Hasle begonnen. Danach ging es direkt an die Zuger Chesslete und nach einem Zmorge standen während des ganzen Schmudos rund zehn Auftritte an.

«An der Fasnacht verlieren wir unser Zeitgefühl jeweils recht schnell», verrät Popp.

In der Gruppe lasse man sich treiben und komme auf kreative Ideen wie etwa das Mitnehmen eines Flugzeugsitzes auf Rädern – auch begünstigt durch den Alkohol. Klar habe man es lustig und es werde auch getrunken. «Meist sind aber alle pünktlich. Die Gruppe zusammenzuhalten, ist gar nicht so schwierig.» Hat ein Mitglied doch einmal zu tief ins Glas geschaut, um sein Instrument noch spielen zu können, nimmt das der «Tambi» mit Humor: «Ich bitte dann denjenigen, während des Auftritts im Publikum zu tanzen. So haben wir einen Fan mehr.»

Als Tambourmajor trägt Jara Popp eine gewisse Verantwortung für die Gugge, weshalb sie sich nie komplett gehen lasse. «Jedes Mitglied ist irgendwann mal müde. Ich selber darf aber keinen Hänger haben. Ich trinke wenig Alkohol und habe gewisse Geheimwaffen», sagt Popp, greift in ihre Tasche und zieht eine Packung mit Bouillonwürfeln, eine Wasserflasche, ein Kissen und eine Decke hervor.

Qualität der Musik hat scheinbar abgenommen

Danach gefragt, wie sie den «wilden Haufen» musikalisch unter Kontrolle halte, beginnt Popp zu erzählen. Jeweils im Herbst starten die Cocorico’s mit den wöchentlichen Proben, woraufhin im Oktober ein Probeweekend stattfindet. «Da haben wir dann auch Zeit für Gags wie den Instrumententausch. Indem wir das im Probeweekend abhandeln, kommt an der Fasnacht keiner auf die Idee, spontan das Instrument zu wechseln.» Sie bemerke schon, dass die Qualität der Musik in den letzten Jahren abgenommen habe, sagt Popp, die früher in einer Jugendmusik Saxofon spielte und in einer Band aktiv ist. Heute könnten nur noch wenige Mitglieder Noten lesen, weshalb die Lieder primär mit Aufnahmen nachgespielt und eingeübt werden.

«Es wird immer schwerer, Nachwuchs zu finden, der bereits ein Instrument spielen kann.»

«Zudem scheinen die Leute immer mehr Hobbys zu haben, wodurch der Stellenwert der Guggenmusik abnimmt», erklärt Popp. Die Guggenmusik Cocorico besteht aus rund 40 Mitgliedern – das jüngste davon 18, das älteste 35 Jahre alt. Am Freitag führten die Cocorico’s ihren Chlämmerball durch, am Wochenende standen Auftritte an Umzügen und Bällen auf dem Programm und gestern erfolgte eine Fahrt ins Blaue. Morgen Nachmittag folgt der Hünenberger Fasnachtsumzug samt anschliessendem Monsterkonzert. Danach wird die Fasnacht mit der Verbrennung des Eichefrässers und dem Fasi-Off begraben. Am Aschermittwoch gehe sie bereits wieder arbeiten, verrät Jara Popp. «Das klappt schon, sagt sie und zieht schmunzelnd einen Bouillonwürfel aus der Tasche.