HÜNENBERG/ZUG: Bis 2025 soll es im Kanton 25 Prozent Bio-Betriebe geben

Gemeinsam mit der Dachorganisation Bio Suisse hat der Verein Bio-Zug gestern ein ambitioniertes Ziel formuliert. Dass sich die Umstellung auf den Bio-Landbau lohnt, zeigen zwei Beispiele aus der Stadt und der Reussebene.

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Die kleine Mutterkuhherde von Xaver Amgwerd in der Chamau. Der Landwirt hat seinen Hof im Herbst 2016 offiziell für die Umstellung auf Bio angemeldet. (Bild: Maria Schmid (Hünenberg, 5. September 2017))

Die kleine Mutterkuhherde von Xaver Amgwerd in der Chamau. Der Landwirt hat seinen Hof im Herbst 2016 offiziell für die Umstellung auf Bio angemeldet. (Bild: Maria Schmid (Hünenberg, 5. September 2017))

Der Verein Bio-Zug hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Bis im Jahr 2025 soll der Anteil an Bio-Betrieben im Kanton auf 25 Prozent ansteigen. Aktuell setzen 16,1 Prozent der Bauernbetriebe auf die biologische Produktion. In absoluten Zahlen sind das heute 75 Betriebe. Im gesamtschweizerischen Vergleich ist Zug damit vorne mit dabei: Landesweit liegt der Anteil bei 13,2 Prozent.

Bereits früh gab es in Zug Bestrebungen, auf Biolandbau zu setzen. 1987 erschien unter der Mitarbeit von Toni Niederberger, der den Biohof Zug an der Artherstrasse 59 führt, eine Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Fibl). Sie handelte unter anderem davon, welchen Beitrag Bio-Betriebe leisten können, um die Gewässerqualität des Zugersees zu verbessern. «Die Studie löste eine Bewegung aus, die im Kanton zu einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Biobetrieben geführt hat», sagte Bio-Pionier Niederberger anlässlich des gestrigen Presseanlasses von Bio Suisse. Die Dachorganisation hatte gemeinsam mit dem Verein Bio-Zug, dem Fibl, dem Bildungs- und Beratungszentrum Schluechthof in Cham und dem Dokumentationszentrum Doku-Zug.ch eingeladen, um über die aktuellen Ziele zu informieren und zwei Betriebe zu besichtigen.

Der Austausch mit Berufskollegen hilft

30 Jahre nach der Herausgabe der Studie ist Toni Niederberger «mindestens teilweise zufrieden». «Das Interesse der Zuger Landwirte hielt sich damals in Grenzen. Heute ist Zug zwar kein Bio-Kanton, doch wir zählen inzwischen vergleichsweise viele Betriebe. Die Arbeit hat sich gelohnt.» Ähnlich äusserte sich Peter Waltenspül, Co-Präsident des Vereins Bio-Zug, in dem sich seit 1994 die Zuger Biobäuerinnen und -bauern organisieren. «Immer mehr Landwirte machen sich Gedanken über den Biolandbau. Ausserdem besteht heute kein grosser Graben mehr zwischen der biologischen und der konventionellen Landwirtschaft.» Das Ziel, die Zahl der Biobetriebe weiter zu steigern, sei zwar ambitioniert, aber durchaus realistisch, so der Bauer aus Neuheim: «Die Zeichen stehen gut.»

In der Hünenberger Reussebene liegt der Hof von Xaver und Isabelle Amgwerd. Hier in der Chamau bewirtschaften sie 23,3 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche. Es ist der erste spezialisierte Bio-Ackerbau-Umstellungsbetrieb im Zuger Talgebiet. Xaver Amgwerd, der den Hof 1991 von seinem Vater übernommen hat und ihn in dritter Generation führt, sprach über seine Arbeit und die Gründe, die ihn zur Umstellung bewogen haben. Er habe von jeher eine positive Einstellung gegenüber dem Bio-Landbau gehabt, erklärte der Bauer: «Man darf keine Berührungsängste haben und nicht einen immer grösseren Ertrag anstreben.» In anderen Worten: Man sollte zufrieden sein, mit dem was wachse. Aus ökonomischer Sicht spreche der finanzielle Ertrag für Bio: «Ich bekomme einen dem Aufwand entsprechenden Lohn für meine Produktion. Zu 100 Prozent von der Landwirtschaft leben zu können und dazu für einen Markt zu produzieren, der Potenzial hat – das motiviert mich.» Es habe zu Beginn durchaus Ängste und Unklarheiten gegeben. Da helfe der Austausch mit Berufskollegen und der Zuzug von Hilfsmitteln, etwa vom Fibl. Die grösste Herausforderung sei der Druck bei der Unkrautbekämpfung gewesen, sagt Amgwerd. «Die Umstellung erfordert nicht mehr Mechanisierung, sondern mehr Vorausdenken und Vertrauen in die Natur. Die erste Saison hat nun gezeigt, dass ich zwar das Herbizid-Spritzen weglassen kann, dafür aber öfters auf dem Traktor sitze.» Peter Waltenspül ergänzte: «Die biologische Landwirtschaft bietet Perspektiven, insbesondere für junge Bäuerinnen und Bauern.» Der Betrieb von Xaver und Isabelle Amgwerd zeige, dass es auch für einen Ackerbaubetrieb im Zuger Talgebiet machbar und lohnenswert sei, umzustellen. Der Ackerbau spielt in der Zuger Landwirtschaft eine eher untergeordnete Rolle. Xaver Amgwerd hat im Jahr 2001 mit der Milchproduktion aufgehört. Weil er trotzdem noch Tiere halten wollte, baute er eine kleine Mutterkuhherde auf.

Ganze Wertschöpfungskette abgedeckt

Während Xaver Amgwerd gerade erst angefangen hat, sind andere schon lange im Bio-Geschäft. Auf dem Bio-Hof von Toni Niederberger und Annemarie Schwegler wird die gesamte Produktion auf dem Hof verkauft oder weiterverarbeitet. 2008 bis 2012 wurde die Scheune zu einem Café mit integriertem Hofladen ausgebaut. Der Biohof Zug ist ein Beispiel für einen Betrieb, der die ganze Wertschöpfungskette abdeckt. Auf genau diesen Punkt kam Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, in seinem gestrigen Grusswort zu sprechen. In mehreren Kantonen – in Zug bislang allerdings nicht – werde der Bio-Landbau durch Aktionspläne gefördert, was erfreulich sei. «Doch leider fehlt in diesen Plänen bis heute der Bereich Ernährung. Damit eine laufend steigende Zahl an Bio-Betrieben ihre Produkte erfolgreich vermarkten können, muss der Konsum mitziehen.» Hier könnte auch die Politik einen Beitrag leisten, ist Brändli überzeugt: «In den Kantinen von Schulen oder Spitälern etwa könnte der Konsum von Bioprodukten aktiv gefördert werden.»

 

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Hinweis

Die Veranstalter des gestrigen Presseanlasses organisieren diesen Freitag, von 9 bis 16.30 Uhr, eine Tagung zum Thema «Zukunftsfähige, gewässerfreundliche Landwirtschaft im Kanton Zug – und in der Schweiz?» im Schluechthof in Cham. Eingeladen sind alle, die sich für die Thematik interessieren. Anmelden kann man sich über die Mailadresse info@schluechthof.ch.

«Ich bekomme einen dem Aufwand entsprechenden Lohn für meine Produktion.» Xaver Amgwerd, Bio-Bauer

«Ich bekomme einen dem Aufwand entsprechenden Lohn für meine Produktion.» Xaver Amgwerd, Bio-Bauer