Kommentar

Hüterin der Korrektheit

Chefsache

Harry Ziegler, Chefredaktor
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Den Lorbeerkranz für den in letzter Zeit unnötigsten politischen Vorstoss kann sich die SP-Fraktion im Kantonsrat aufsetzen. Sie bemängelt, dass an einem Fasnachtswagen aus Unterägeri politisch inkorrekt das Wort «Neger» prangte. Es ist klar festzuhalten: Das geht nicht, weil einer aufgeklärten Gesellschaft unwürdig. Öffentlich gemacht hat unsere Zeitung den Vorfall und dazu Experten befragt und die Fasnachtsgesellschaft um eine Stellungnahme gebeten. 

Mit der kurz nach dem Bericht eingereichten Interpellation «Kein Rassismus – auch nicht an der Fasnacht, einem wichtigen Kulturgut» beschäftigte die SP-Fraktion, Regierung und Verwaltung damit, sich auf gut fünf A4-Seiten zu etwas zu äussern, das mit einem Blick in die Bundes- und Kantonsgesetze und allenfalls in einen Kommentar zur Rassismusstrafnorm, etwas Überlegen und vor allem mit einem Telefonanruf beim zuständigen Departement hätte geklärt werden können. Ohne übermässig ins Schwitzen zu geraten. 

Die Tendenz, wie sie der Zuger SP-Vorstoss aufweist, nämlich sich öffentlich als Hüterin der politischen Korrektheit zu inszenieren, schwappt aus Deutschland in die Schweiz. Dort sorgt die AfD mit Äusserungen bar jeder politischen Korrektheit dafür, dass nicht nur linke Parteien Sturm laufen und politische Korrektheit einfordern. Da nimmt sich das N-Wort an einem Fasnachtswagen geradezu als lässliche Sünde aus. Natürlich sind derartige parlamentarische Vorstösse demokratisch legitim und vorliegend wohl öffentlichkeitswirksam. Es wäre aber im Sinne der Demokratie und Effizienz von Regierung und Verwaltung verantwortbar, Vorstösse, die man selber beantworten könnte, nicht einzureichen. Also, lassen wir es doch. Auch wenn Wahlen nahen.