Leserbrief

Hundert Stutz. Pro Kopf!

Zu einer Begegnung mit der Polizei am Reussdamm

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Unglaubliches kann einem da an einem sonnigen Samstag widerfahren. Im geruhsamen Kanton Zug, wo die Kirche noch im Dorf steht und die Polizisten ohne Widerrede für Ruhe und Ordnung sorgen können, hat sich Sonderliches zugetragen. Einige Bürger, meist in den Fünfzigern, wollten sich abseits der Stadt etwas die Beine vertreten und fuhren zu diesem Zwecke an den Reussspitz. Jene Stelle, wo die Lorze in die Reuss fliesst und im flachen, moorigen Dreieck ein Naturschutzgebiet errichtet wurde. Spazierwege und Erklärtafeln wurden dazu erstellt.

Nun ist das wahrlich eine schützenswerte Zone für Flora und Fauna und zur Freude der naturbegeisterten Spaziergänger. Der Reussdamm ist zum Schutz vor der manchmal reissenden und anschwellenden Reuss gebaut und schützt so die Ebene vor Hochwasser. Ein beeindruckender Kunstbau zieht sich geometrisch anmutend über mehrere Kilometer der Reuss entlang und wird so zum beliebten Ausflugsziel. Von der Zollbrücke nahe Sins bis eben zu diesem Reussspitz am Anfang vom Säuliamt. Die Besucher wandern seit Generationen und also mit ihrem Nachwuchs über dem Pfad auf dem Damm oder daneben am Fusse des Walls auf dem breiteren Weg mit Sicht auf die Reuss.

Plötzlich kommt uns eine «Patrouille» entgegen. Zwei durchaus attraktive, blonde Polizistinnen, in Uniform, mit Waffengurt, Pistole, und was sonst noch so nötig ist. Freundlich lächelnd erklären sie uns, dass wir eine Busse kassieren, weil wir vom Damm oben zum Weg unten am Damm die Regeln verletzt hätten. Hundert Stutz, pro Kopf! Mit Verhältnismässigkeit müsse man ihnen gar nicht kommen, sie seien von der Polizei und der «Kooperation» genau geschult worden! Die Regel lautet: Wege im Naturschutzgebiet nicht verlassen, Punkt.

Man stelle sich vor, wir hätten noch drei Primaner aus der 1. Klasse dabei, die womöglich noch einen Stock Schwemmholz «gestohlen» und einen Stein in die Reuss geworfen, wie wir selbst vor fünfzig Jahren. Wir hätten ja auch noch im Stehen hinter einen Baum gepinkelt. Oh Gott! Wir wären wohl heutzutage auf dem Schafott gelandet. Ein ebenfalls anwesender anderer «Kooperatiönler» genierte sich ein wenig und meinte, er sei also von Ägeri, nicht von Hünenberg!

Nun kann man dem Justiz- und Polizeidirektor wohl höchstens anmahnen, seinen Laden besser im Griff zu bekommen. Denn wenn bei so einer Lappalie, wenn es denn eine ist, wie reagiert sein «Laden» im Ernstfall?

Und Ernstfälle haben wir genug!

Daniel Neukomm, Zug