Baar: «Ich bin gekommen, um zu bleiben»

Seit rund zwei Monaten ist die neue Gemeindeschreiberin Andrea Bertolosi-Lehr im Amt. An der Stelle hat sie gereizt, dass sie sich hier stärker einbringen kann. Noch ist sie daran, sich einzuleben, doch die Schwyzerin fühlt sich sehr wohl in Baar.

Interview: Rahel Hug
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Die Baarer Fasnacht hat sie am vergangenen Wochenende bereits kennengelernt: Andrea Bertolosi-Lehr posiert neben der Räbegäuggel-Figur im Foyer des Gemeindehauses fürs Foto.

Die Baarer Fasnacht hat sie am vergangenen Wochenende bereits kennengelernt: Andrea Bertolosi-Lehr posiert neben der Räbegäuggel-Figur im Foyer des Gemeindehauses fürs Foto.

Es war ein fliegender Wechsel: Der bisherige Baarer Gemeindeschreiber Walter Lipp musste Ende 2018 sein Büro im Rathaus verlegen. Er wurde bekanntlich zum Gemeindepräsidenten gewählt und wechselte damit von der operativen auf die strategische Ebene. An Lipps ehemaligem Schreibtisch sitzt neu Andrea Bertolosi-Lehr. Seit Anfang Jahr ist die Schwyzerin nun schon im Amt. Sie spricht im Interview über ihre ersten zwei Monate als Gemeindeschreiberin, über ihre Vorstellungen einer gut funktionierenden Verwaltung und darüber, wie sie die Gemeinde Baar als «Auswärtige» wahrnimmt.

Sie waren zuletzt Stadtschreiberin in Adliswil, von der Grösse her ist die Gemeinde vergleichbar mit Baar. Was hat Sie an der neuen Stelle gereizt?

Andrea Bertolosi-Lehr: Meine Tätigkeit besteht, grob gesagt, aus zwei Teilen. Zum einen bin ich CEO der Gemeinde und Vorsitzende der Geschäftsleitung, zum anderen Gemeindeschreiberin. Der CEO-Teil ist sehr ähnlich wie in Adliswil. Anders ist es in meiner Tätigkeit als Schreiberin. Hier darf ich mich in Baar mehr einbringen. Ich bilde ein Zweiergespann mit dem Gemeindepräsidenten, bin bei vielen Gesprächen dabei. Diese Kombination von Fachwissen und Politik und der Zusammenarbeit auf Augenhöhe entspricht genau meiner Vorstellung.

Wie haben Sie sich eingelebt?

Ich wurde herzlich empfangen und fühle mich sehr wohl. Ich bin noch daran, mich einzuleben, und muss immer noch viele Fragen stellen. Mein Vorgänger war 17 Jahre lang Schreiber, da sitzen die Abläufe perfekt. Doch dadurch, dass mit der neuen Legislatur auch andere Gemeinderatsmitglieder neu sind, bin ich nicht die einzige, die sich einarbeiten muss. Die Konstellation ist ideal.

Wie erleben Sie als Schwyzerin die Gemeinde Baar?

Als sehr offen. Ich merke, dass die Leute sich interessieren, ich werde hin und wieder auch angesprochen. Ich werde mich auf jeden Fall bemühen, mich auch lokal zu engagieren. Dass ich nicht hier wohne, soll man nicht merken. Das ist auch ein Anspruch, den ich an mich selber habe. Die Baarer Fasnacht habe ich am Wochenende bereits kennengelernt. Ich bin auf jeden Fall gekommen, um zu bleiben.

Wie stehen Sie zur Frage, ob Baar nun ein Dorf oder eine Stadt ist?

Flächen- und einwohnermässig ist Baar kein Dorf, das ist klar. Auch arbeite ich nicht im «Dorf Baar». Trotzdem hat Baar einen dörflichen Charakter. Als ich die Gemeindeversammlung im Winter besucht habe, war ich beeindruckt über die rege Beteiligung.

Stichwort Gemeindeversammlung: Baar ist eine der grössten Schweizer Gemeinden ohne Parlament. In Adliswil gibt es einen Grossen Gemeinderat. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Die Grösse ist aus meiner Sicht in dieser Diskussion nur ein Kriterium unter vielen. Wichtig ist, dass die Bevölkerung repräsentativ vertreten ist und die politischen Parteien gut aufgestellt und involviert sind. Baar hat meines Erachtens mit der neuen Berechnung der Kommissionssitze einen erfolgreichen Weg gewählt. Für die Arbeit der Verwaltung bedeutet das System der Gemeindeversammlung schnellere Wege. Die Prozesse sind schlanker im Vergleich zum System Parlament.

Die Konstellation in Baar ist aussergewöhnlich. Ihr Vorgänger ist neu Gemeindepräsident. Wurde das vor Ihrer Anstellung thematisiert?

Ja, das war ein Thema im Rekrutierungsprozess. Mir persönlich war es wichtig, dass Walter Lipp, was das Amt des Gemeindeschreibers betrifft, loslassen kann. Er legt grossen Wert auf die Trennung zwischen strategischer und operativer Ebene und macht das aus meiner Sicht hervorragend. Gleichzeitig bin ich froh um das Wissen, das im Haus ist. Ich kann davon viel profitieren, die Zusammenarbeit ist sehr gut.

Haben Sie selbst auch politische Ambitionen?

Ich bin in der Schwyzer FDP-Kantonalpartei in der Geschäftsleitung tätig. Diese Hintergrundarbeit mache ich sehr gerne. Ein Amt kann ich mir zurzeit nicht vorstellen, denn wenn, dann würde ich mich in einer Exekutive sehen, und das ist mit dem Beruf momentan nicht vereinbar. Ich werde auch bestimmt nicht die erste Baarer Gemeindepräsidentin (lacht).

Was bereitet Ihnen am meisten Freude in Ihrer Arbeit?

Ich arbeite gerne mit Menschen, bin keine Einzelkämpferin. Die Baarer Verwaltung umfasst inklusive der Schule rund 500 Mitarbeitende, die Stimmung ist sehr gut und die Fluktuation ist tief. Auch repräsentative Aufgaben gefallen mir, das bietet die Stelle als Gemeindeschreiberin auch hin und wieder. Und wie bereits erwähnt, gefällt mir das Zusammenspiel von guten Fachleuten und Politikern, die ein Geschäft nach aussen vertreten. So kann jeder seine Kernkompetenz einbringen und die anderen können davon profitieren.