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Interview

Rektor Markus Lüdin: «Ich gab alles, was ich zu geben hatte»

Markus Lüdin verlässt die Kantonsschule Menzingen nach 18 Jahren und tritt in Zürich eine neue Stelle an. Davor spricht der 58-Jährige über den den Start, politische Wendungen und das Nein zum Standort Ennetsee.
Interview: Stephan Santschi
Der langjährige Rektor Markus Lüdin verlässt die Menzinger Kantonsschule. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 18. Juni 2019)

Der langjährige Rektor Markus Lüdin verlässt die Menzinger Kantonsschule. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 18. Juni 2019)

Ende Schuljahr ist für Sie in Menzingen als Rektor Schluss. Kommt nach 18 Jahren etwas Wehmut auf?

Markus Lüdin: Selbstverständlich tut der Abschied weh. In einer so langen Zeit schlägt man Wurzeln und eine Entwurzelung spürt man entsprechend. Zum Beispiel, als ich von den Schülerinnen und Schülern im Rahmen einer Feier liebevoll verabschiedet worden bin.

Weshalb gehen Sie?

Weil es ein guter Zeitpunkt ist, die grossen Meilensteine sind erreicht. Im Jahr 2012 haben wir unser Profil mit den mathematisch-naturwissenschaftlichen und wirtschaftlich-rechtlichen Schwerpunktfächern erweitert. 2015 führten wir das Langzeitgymnasium ein. Und mit dem Bezug des Neubaus im Jahr 2018 haben wir den Dampfer in den Zielhafen geführt. Ich habe der Schule alles gegeben, was ich zu geben hatte. Nun ist die Zeit für die Stabübergabe gekommen.

Welche Prinzipien zählten für Sie im Umgang mit Lehrpersonen und Schülern?

Offenheit, Wertschätzung und Verbindlichkeit. Diese Prinzipien fussen auf den Leitideen unserer Schule: Bildungsqualität, Offenheit, Verantwortung und Teamfähigkeit. Wir möchten keine elitären, weltfremden Einzelkämpfer in die Maturität entlassen, sondern Menschen, die bereit und fähig sind, in Teams zu arbeiten und die Gesellschaft mitzugestalten.

Sie waren ab der ersten Stunde prägend für die Menzinger Kantonsschule – zunächst ein Jahr als Projektleiter und seit 2002 als Rektor.

Eine Schule gründen zu können, ist eine einmalige Chance. Im Herbst 2001 orientierte ich noch ganz alleine über die neue Mittelschule, bis Frühling 2002 kamen die ersten 13 Lehrpersonen hinzu und im August eröffneten wir die Schule mit zwei Klassen und 45 Schülern. Wir hatten eine pädagogische Vision und das Glück, dass uns die Bildungsdirektion Vertrauen und Spielraum entgegenbrachte. Bis 2006 waren wir mit dem Seminar Bernarda unter einem Dach. Wir arbeiteten sehr gut zusammen und es flossen einige seminaristische Traditionen in unseren Alltag ein.

Welche Visionen setzten Sie in die Tat um?

Wir unterrichteten von Beginn weg in Doppellektionen, damit sich die Schüler in eine Thematik vertiefen konnten. Wir führen pro Jahr drei bis vier Studienwochen durch, während denen fach-, klassen- und stufenübergreifend gearbeitet wurde. Die Lehrer können so neue Methoden und Inhalte ausprobieren. Zudem waren wir im Kanton die erste Schule, welche die zweisprachige Maturität Deutsch/Englisch anbot. Und wir lancierten interdisziplinäre Fächer, um Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.

Der alternative Standort im Röhrliberg in Cham sorgte aber lange für Ungewissheit.

Die Standortfrage hat uns 2011 und 2012 gebremst und verunsichert, das war eine angespannte, anstrengende Zeit. Geplant war ursprünglich, dass wir als musisch-neusprachliches Kurzzeitgymnasium mit 200 Schülern im Jahr 2012 im Röhrliberg mit der Fach- und der Wirtschaftsmittelschule zusammengeführt werden. Nach mehreren politischen Wendungen kam alles anders: Heute bieten wir auch ein Langzeitgymnasium an, haben alle Profilrichtungen, zählen rund 500 Schüler und sind in Menzingen zu Hause. Wie in Friedrich Dürrenmatts Dramen: Wer plant, scheitert; die Realität ist die unwahrscheinliche Wirklichkeit, die eintrifft. In unserem Fall hat das Stück zum Glück einen guten Ausgang genommen.

Gab es weitere schwierige Momente?

Ja, der Einbruch der Schülerzahl in den Jahren 2010 und 2011 von 220 auf 143. Da gab es nur einen Lösungsweg: Wir mussten in Menzingen unser Profilangebot erweitern und auch ein Langzeitgymnasium installieren.

Wie hat sich das Bildungswesen verändert?

Da fallen mir vier Stichworte ein. Erstens: Dynamisierung. Die Halbwertszeiten der Lehrpläne werden kürzer, die Terminpläne der Schulen dichter, das Korrespondenztempo höher. Zweitens: Ökonomisierung und Parametrisierung. Auch in der Bildung wurden die finanzielle Kontrolle und die Rechenschaftslegung nach dem Prinzip «return on investment» verstärkt. Drittens: Professionalisierung. Als ich 1987 zu unterrichten begann, galt: Eine Klasse, ein Zimmer, ein Lehrer. Nun gibt es viel mehr Teamarbeit, Ziele werden gemeinsam definiert, Projekte zusammen umgesetzt. Viertens: Digitalisierung. Anfänglich hatten wir fünf Computer im Haus. Nun hat jeder einen Laptop dabei und die Unterrichtsmethodik wird entscheidend erweitert.

Wie verlief 2018 der Einzug nach dem Um- und Neubau?

Mit einigen Geburtswehen, aber insgesamt positiv. Wir haben mehr Raum für den Unterricht, die Betriebsabläufe und die Betriebstechnik funktionieren gut. Im nächsten Schuljahr wird zudem die Aussensportanlage eröffnet. Auch den Schülern gefällt es, doch einen Kritikpunkt höre ich zuweilen noch: Der Neubau sei zwar sehr schön, wirke aber noch recht klinisch, etwas leer und unpersönlich. Diesem Eindruck begegnen wir mit schulinternen Gestaltungsprojekten.

Die geplante Kantonsschule Ennetsee in Cham scheiterte im Februar dieses Jahres mit einem doppelten Nein vor der Bevölkerung. Was bedeutet das für die Zuger Mittelschulplanung?

Deswegen ist weder die Mittelschulplanung mit vier Standorten noch der Raum Ennetsee obsolet. Nun kommt es aber zu einer Verzögerung, in den nächsten sieben bis zehn Jahren wird es wohl keinen Neubau geben. Das sorgt für Schulraumknappheit, denn in Zug und Menzingen sind die Mittelschulen voll. Darauf muss man an den bisherigen Standorten wohl mit Optimierungen und Provisorien reagieren.

Was erwartet Sie nun als Rektor am Literargymnasium Rämibühl in Zürich?

Das Rämibühl war 1833 die erste Kantonsschule in Zürich, es ist also ein Haus mit langer Tradition. Nun steht beim Literargymnasium ein grosses Schulentwicklungsprojekt bevor. Ich freue mich sehr darauf, diesen Innovationsprozess als Rektor zu leiten, dabei meine im Kanton Zug gemachten Erfahrungen einfliessen zu lassen und etwas «Menzinger Geist» nach Zürich zu bringen.

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