Unterägerer Minigolf-Betreiberin: «Ich wurde mit haltlosen Vorwürfen schlecht gemacht»

Hinter der ehemaligen Pächterin des Minigolf-Kioskes in Unterägeri liegt eine schwierige Zeit. Die Gemeinde will nach vorne blicken.

Rahel Hug
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Für Evelyn Scheidegger kam die Nachricht aus heiterem Himmel: Nachdem sie erst im Frühjahr 2018 den Minigolf-Kiosk im Birkenwäldli übernommen hatte, flatterte im darauffolgenden Herbst bereits die Kündigung ins Haus. Als Grund gab die Gemeinde Unterägeri, die Eigentümerin der Anlage, negative Kundenrückmeldungen an.

Trotz Kündigung eröffnete die Pächterin am 1. April 2019 ihren Kiosk wieder – sie ging rechtlich gegen die Kündigung vor und konnte wegen des laufenden Verfahrens und der aufschiebenden Wirkung noch eine Saison bleiben.

Gemeinde muss Entschädigung bezahlen

Am 31. Oktober, mit dem Ende der Minigolf-Saison, war dann definitiv Schluss für die Pächterin aus dem Ägerital. Der Rechtsstreit mit der Gemeinde endete nach einer erfolglosen Verhandlung vor der Schlichtungsbehörde mit einem Vergleich am Kantonsgericht: Evelyn Scheidegger akzeptierte die Kündigung, die Gemeinde verpflichtete sich zur Zahlung einer angemessenen Entschädigung. Ein Punkt ist aber nach wie vor offen. Weil die Vorbereitungen für das «Ägeri on Ice» während der letzten Herbstferien den Betrieb von Evelyn Scheidegger eingeschränkt hätten und bereits früher gemeldete Mängel in der Küche nur schleppend behoben worden seien, macht Scheideggers Anwalt Urs Bertschi nun einen weiteren Betrag geltend. «Die Stellungnahme der Gemeinde Unterägeri in dieser Sache ist noch ausstehend», sagt Bertschi.

Das Rechtliche ist das eine, das Persönliche das andere. Evelyn Scheidegger hat mit dem Kapitel zwar inzwischen abgeschlossen, doch sie trägt einige «Narben» davon, wie sie sagt: «Es hat mich emotional stark mitgenommen.» Sie sei durch gewisse Kräfte in Unterägeri zermürbt worden. «Auch wenn ich am Schluss hätte bleiben können: Unter diesen Umständen hätte ich das gar nicht mehr gewollt.» Konkret sagt sie, dass rufschädigende Informationen über sie und ihre Familie verbreitet worden seien. Und der Gemeindepräsident Josef Ribary habe – selbst vor Gericht – keine der angeblich negativen Rückmeldungen belegen können.

Anonymen Brief erhalten

Offenbar seien ihre Art und ihre Ideen, beispielsweise wollte sie ein Benefizkonzert für Behinderte organisieren, beim Gemeinderat und einigen Kreisen nicht gut angekommen. «Und so wurde ich mit haltlosen Vorwürfen schlechtgemacht.» Zum Beispiel sei verbreitet worden, ein Bier koste bei ihr 5.50 Franken, was aber gar nicht gestimmt habe: «Der Preis lag bei 4.50 Franken.» Einmal sei der gesamte Gemeinderat vorbeigekommen und habe sich gemäss dem Gemeindepräsidenten über den Service beklagt. «Es war ein Selbstbedienungslokal, da habe ich beim Gemeinderat keine Ausnahme gemacht», sagt Scheidegger dazu. Sie habe sogar einen anonymen Brief erhalten mit der Aufforderung, sie solle das Feld räumen.

«Der Vergleich hat für Frau Scheidegger zwar einen monetären Ausgleich geschaffen, der mehr oder weniger stimmt», sagt Anwalt Urs Bertschi. Die Höhe der Entschädigung, die seine Klientin bekommt, will er nicht nennen. Aber auch für ihn steht fest: «Die persönliche Verletzung bei meiner Klientin hält an.» Über das Verhalten und Vorgehen der Gemeinde sei auch er nach wie vor irritiert. «Zwischenmenschlicher Umgang geht anders», so Bertschi. Evelyn Scheidegger will sich nun beruflich neu orientieren. Ihr Ruf im Gastgewerbe sei aufgrund dieser Geschichte stark angeschlagen. Doch sie sei daran, sich neu zu orientieren und auch in anderen Bereichen umzuschauen. Scheidegger ist gelernte Bäcker-Konditorin und Ernährungsberaterin.

Wie äussert sich die Gemeinde zum Thema? «Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen auf einen Vergleich geeinigt», sagt Josef Ribary. «Die von Frau Scheidegger genannte Forderung eines weiteren Betrages traf nach diesem Vergleich bei uns ein und wird aktuell überprüft.»

Aktuell werden die Bewerbungen geprüft

Zu den Vorwürfen möchte Ribary nicht erneut Stellung nehmen, er sagt aber: «Wir haben Verständnis, dass es für Frau Scheidegger nicht einfach war.» Für die Gemeinde sei die Angelegenheit abgeschlossen. «Es gilt nach vorne zu blicken und für die Minigolfanlage eine neue Pächterin oder einen neuen Pächter zu finden. Die Pacht wurde öffentlich ausgeschrieben und wir durften zahlreiche Bewerbungen entgegennehmen.» Aktuell prüfe der Gemeinderat die Bewerbungen, man sei zuversichtlich, dass die Minigolfanlage für den Saisonauftakt Ende April den Betrieb wieder aufnehmen könne.