IG fordert: Der Ökihof beim Zythus  in Hünenberg See soll bestehen bleiben

Die Entwicklung des Areals gibt weiter zu reden. Gleich sechs Interpellationen zum Thema wurden eingereicht.

Tijana Nikolic
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Der Kanton will das Areal in Hünenberg See bekanntlich überbauen. Rechts im Bild ist die Entsorgungsstelle zu sehen. Diese müsste einer Überbauung weichen. (Bild: Stefan Kaiser, Hünenberg See, 8. Mai 2018)

Der Kanton will das Areal in Hünenberg See bekanntlich überbauen. Rechts im Bild ist die Entsorgungsstelle zu sehen. Diese müsste einer Überbauung weichen. (Bild: Stefan Kaiser, Hünenberg See, 8. Mai 2018)

Die Hünenberger Gemeindeversammlung vom 9. Dezember verspricht, spannend zu werden. Mittlerweile geben nicht nur die geplanten Hochhäuser auf dem Zythus-Areal zu reden. Auch die Realisierung eines neuen Ökihofs und die damit verbundene Schliessung der beiden bestehenden Entsorgungsstellen beim Zythus und an der Zentrumstrasse sorgen für rote Köpfe.

Sechs Interpellationen sind bei der Gemeinde eingegangen. Die Bevölkerung steht der Planung skeptisch gegenüber. Der Kanton will das Areal in Hünenberg See bekanntlich überbauen und eine neue, zentrale Entsorgungsstelle im Gebiet Schlatt an der Autobahn platzieren. Aus den Zuschriften geht hervor, wie wichtig der Ökihof im Seegebiet den Anwohnern ist.

Letzte Oase inmitten von Bauten soll bewahrt werden

Die bestehende IG Zythus-Areal wehrt sich bereits seit einer Weile gegen die geplanten Hochhäuser. 2018 sammelte die IG 300 Unterschriften für die Motion «Für eine massvolle Entwicklung des Zythus-Areals». Der Entscheid dazu liegt momentan beim Verwaltungsgericht, nachdem die Motion letzten Mai vom Gemeinderat für ungültig erklärt wurde. Inzwischen hat sich eine weitere Interessengemeinschaft, die für die Bedürfnisse der Anwohner einstehen möchte, formiert; die IG Park+Ride/Ökihöfe Hünenberg. «Nach diversen ernüchternden Infoveranstaltungen des Gemeinderats von 2016 bis 2018, bei denen über die Strategie auf dem Areal berichtet wurde, stieg immer mehr Empörung in mir und anderen Anwohnern auf», sagt Marie-Theres Annen von der IG. Bei den rund 30 Mitgliedern erwachte der Wille, sich für ihr Areal einzusetzen. Eine der sechs Interpellationen stammt von der IG, die anderen von weiteren Privatpersonen.

«Wir wollen an der Gemeindeversammlung den Antrag stellen, dass man den Budgetposten von 2,7 Millionen Franken für den neuen Ökihof streicht», so die 71-jährige Annen. Gründe dafür könne sie zur Genüge aufzählen: «Das Parkplatz-Areal ist die letzte Oase inmitten von Häusern und Bauten», zählt Annen, die seit 1985 in einem der grossen Zythus-Blöcke lebt, auf. Der Platz sei nötig für Begegnungen und um zwischen all den Wohnblöcken zu verschnaufen. «Cars für Reisegruppen haben hier ihren Umschlagplatz», fährt die in Schwyz aufgewachsene Annen fort. Ausserdem findet sie es unverantwortlich, den Ökihof beim Zythus zu schliessen. «Ohne Auto und ohne Buslinie zwischen Dorf und Seegebiet wird das Müllentsorgen, vor allem für Senioren, ein gar sportlicher Akt.»

«In beiden Zythus-Blöcken befinden sich insgesamt 80 Wohnungen. Bei so vielen Bewohnern ist es wohl logisch, dass die geforderte Verdichtung längst erfüllt ist und die Parkplätze auf dem Areal benötigt werden», ist sich die seit 40 Jahren als Gesundheitspsychologin tätige Annen sicher. Wenn unbedingt gebaut werden soll, dann gäbe es ihrer Meinung nach bessere Orte: «Im Industriegebiet Bösch könnte man bestimmt noch mit Wohnraum aufstocken.»

Falls es mit ihrem geplanten Antrag an der Gemeindeversammlung nicht klappen sollte, würde sich die IG Park+Ride/Ökihöfe Hünenberg trotzdem nicht stoppen lassen. «In so einem Fall werden wir unsere politische Fantasie aktivieren und weitere Züge planen», sagt Annen.

Aber auch andere Anwohner sparen nicht mit Fragen an den Gemeinderat in ihren Interpellationen. «Mit welchen belegbaren Argumenten hat der damalige Gemeinderat die heutige Nutzung des P+R-Areals und des Ökihof-Areals der Bevölkerung angeboten?», will etwa Diana Waldmeier, wohnhaft an der Luzernerstrasse, vom Gemeinderat wissen. «Wie hoch sind die bisherigen Kosten allein für die Planung, wie Vorprojekte, Informationsveranstaltungen, Druck der Einladungen, die Miete für den Saal, Getränke und Personal?», fragt Silvia Gisler, die an der Chamerstrasse wohnt. Eine der Fragen von Rolf F. Oehen von der Langholzstrasse ist: «Welcher Hünenbergerin und welchem Hünenberger würde eine Überbauung nach den derzeitigen Überlegungen von Kantons- und Gemeinderat tatsächlich einen Vorteil bringen?» Weiter schreibt Oehen in seiner Interpellation, dass anerkannte Gutachter, Städteplaner und Hochschulprofessoren nach Untersuchungen in der ganzen Schweiz zur Überzeugung gekommen seien, dass Wachstum und permanenter Ausbau keine Garanten dafür seien, um Gemeinden nach vorne zu bringen.

Gemeinde will die Unsicherheiten klären

Wie äussert sich die Gemeinde zum Thema? Laut dem Gemeindeschreiber Guido Wetli bestünden in der Bevölkerung viele Unsicherheiten und Falschinformationen. Mit der Beantwortung der Fragen erhoffe man sich, Klarheit zu schaffen und mehr Hintergrundwissen zu vermitteln. Eine eigentliche Kontaktaufnahme mit den Interpellanten werde nicht erfolgen: «Wir werden ihnen die Antworten spätestens am 6. Dezember zustellen.»

Auf die Frage, ob es etwas Neues bezüglich der Planung des neuen, zentralen Ökihofs gibt, verweist Wetli auf die Gemeindeversammlung: «Wir können und wollen dieser Beantwortung nicht vorgreifen.»

Hünenberg: Aus zwei Ökihöfen wird einer

Die Entsorgungsstelle auf dem Zythus-Areal wird der geplanten Überbauung weichen müssen. Der Hünenberger Bauchef Thomas Anderegg reagiert im Interview auf die in einem «Offenen Brief» geäusserte Kritik.
Interview: Rahel Hug

HÜNENBERG: Was passiert mit dem Ökihof?

Eine Machbarkeitsstudie zeigt auf, welche Möglichkeiten sich für die Bebauung des Zythus-Areals bieten. Was die Entsorgung betrifft, hat die Gemeinde eine neue Idee.
Rahel Hug