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«Hingeschaut» ... ihnen gehört das Reich Gottes

Es ist der visuelle Fixpunkt im Inneren der reformierten Kirche von Baar: Das farbenprächtige Chorfenster stammt von einem renommierten Künstler. Die abgebildete Szene nimmt Bezug auf eine aussagekräftige Bibelstelle.
Andreas Faessler
In der reformierten Kirche Baar: Jesus segnet einen Buben und mahnt seine Jünger. Johann Jakob Röttinger hat die Bibelstelle als prächtige Glasmalerei festgehalten. (Bild: Andreas Faessler (27. Dezember 2018))

In der reformierten Kirche Baar: Jesus segnet einen Buben und mahnt seine Jünger. Johann Jakob Röttinger hat die Bibelstelle als prächtige Glasmalerei festgehalten. (Bild: Andreas Faessler (27. Dezember 2018))

Als in den Jahren 1866/67 in Baar das erste reformierte Kirchengebäude entstand, sollte aus «dem Vollen» geschöpft werden: Nicht nur hatte man mit Ferdinand Stadler (1813-1870) einen der seinerzeit angesehensten Schweizer Architekten für den Kirchenbau gewonnen, auch für eines der wichtigsten Ausstattungselemente zeichnete eine wohlbekannte Persönlichkeit verantwortlich: Die grossen Spitzbogenfenster stammen von Johann Jakob Röttinger (1817-1877). Sie verleihen dem prinzipiell schlichten, hellen Kirchenraum seine Festlichkeit.

Das einzige mit Masswerk

Das prächtigste dieser Fenster ist dasjenige im Chor, welches beim Betreten der Kirche wegen seiner intensiven Farbigkeit unweigerlich ins Auge fällt. Es ist nicht nur aufgrund der Gestaltung das bedeutendste Fenster, sondern sticht auch durch seine plastischen Eigenheiten heraus: Es ist – abgesehen von den Schallöffnungen am Turm – als einziges durch Masswerk gegliedert. Heisst, das Spitzbogenfeld ist mit feinen Steinmetzarbeiten versehen. Und durch eine filigrane Sandsteinsäule wird das Chorfenster innerhalb seiner selbst in zwei Lanzettfenster aufgeteilt. Auch der farbliche sowie der bildliche Aufbau des Chorfensters ist augenfällig: In den unteren Feldern dominieren gold-gelbe Töne eine architektonisch symmetrisch gegliederte Sockelpartie. Darüber in den Mittelfeldern folgt eine figurative Szene, welche von einer baldachinartigen gotischen Scheinarchitektur überspannt wird, bei welcher neben dem wiederauftretenden Goldgelb-, Blau- und Grautöne vorherrschen. Die Szene in den Mittelfeldern zeigt rechts den vor einer südlichen Landschaft sitzenden Christus mit Gloriole, wie er einen vor ihm knienden Jungen segnet und seine rechte Hand mahnend in Richtung der Jünger hält. Letztere sind im linken Lanzettfenster abgebildet.

Der Kinder segnende Jesus Christus ist ein in der darstellenden christlichen Kunst verbreitetes Motiv. In den Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas kommt diese symbolträchtige Kindersegnung Jesu vor, bei der sich seine Jünger ihm in den Weg stellen und ihn von dem Segnungsakt abhalten wollen. Gemäss Bibeltext erhebt sich Jesus gegen seine Jünger und spricht: «Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn ihnen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.» Eine weniger bibelgetreue, eher volkstümliche Darstellung des Motives von «Jesus als Kinderfreund» finden wir in einem Chorfenster der reformierten Kirche in Cham, wo der Gottessohn drei Kinder um sich versammelt. Diese stellen die Nachkommen der Gönner dar, welche den Kirchenbau gefördert haben («Hingeschaut» vom 9. Oktober 2013).

Namhafte Aufträge

Mit dem überaus qualitätvollen, aus grossen bemalten Glasflächen bestehenden Chorfenster in der reformierten Kirche von Baar hat sich Johann Jakob Röttinger selbst ein leuchtendes Denkmal gesetzt. Der einer Nürnberger Handwerkerfamilie entstammende, sehr solid ausgebildete Glasmaler lebte und arbeitete ab 1844 in Zürich. Prestigeträchtige Aufträge für das Zürcher Grossmünster oder das Basler Münster machten ihn zum gefragten Künstler. Weitere bedeutende Kirchen in der Schweiz waren/sind mit Röttinger-Fenstern ausgestattet, im Kanton Zug beispielsweise auch die Pfarrkirche Unterägeri (1965 ersetzt).

Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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