Sie setzen sich für die Baukultur im Kanton Zug ein

Nach rund zehn Jahren hat Thomas Baggenstos das Präsidium des Bauforums Zug an Oliver Guntli abgetreten. Der Verein spielt eine immer wichtigere Rolle in der Entwicklung der Baukultur im Kanton Zug.

Andreas Faessler
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Das Augenmerk des Bauforums Zug ist auch auf der Siedlungsentwicklung – beispielsweise der Stadt Zug.

Das Augenmerk des Bauforums Zug ist auch auf der Siedlungsentwicklung – beispielsweise der Stadt Zug.

Bild: Matthias Jurt (9. April 2020)

In einer schnell wachsenden Siedlungslandschaft wie dem Kanton Zug, wo Wirtschaft und demografische Entwicklung stark international geprägt sind, gilt es, ein besonderes Augenmerk auf die Baukultur zu halten. Sie ist wichtige Grundlage für Lebensqualität und findet überall dort statt, wo Menschen auf die Gestaltung ihres Lebensraumes mit all seinen Facetten Einfluss nehmen. Für eine «gute» bauliche Entwicklung im Kanton steht das Bauforum Zug ein, dies seit bald vier Jahrzehnten.

Am Anfang des Vereins stand eine Gruppe von Architekten, die sich vorderhand untereinander austauschten und die Bautätigkeit im Kanton beobachteten. Schliesslich trug der Verein sein Engagement für gutes Bauen nach aussen und brachte sich immer mehr aktiv beim ganzen Planungsprozess – von der Ortsplanung über die konkrete Objektplanung bis hin zur Umsetzung – mit fachkundigen Impulsen ein.

Thomas Baggenstos

Thomas Baggenstos

Als dritter Präsident in der Geschichte des Bauforums Zug hat Thomas Baggenstos die Geschicke des Vereins während der letzten zehn Jahre gesteuert und diese Öffnung nach aussen mit angetrieben. An der Generalversammlung Mitte September hat der Architekt aus Cham sein Präsidium abgetreten. «Zehn Jahre freiwillig in einem solchen Amt – das ist eine gute Zeit, wie ich finde. So ein Verein braucht irgendwann neue Kräfte», sagt er. Sein Entscheid war nicht zuletzt auch vom Abstimmungskampf hinsichtlich Revision des Denkmalschutzgesetzes im vergangenen Jahr beeinflusst. «Das hat mir energiemässig sehr viel abverlangt», so Baggenstos. Selbstverständlich werde er im Verein bleiben und sich einbringen.

Vermitteln, vertreten, vernetzen

So ist das Bauforum Zug unter Baggenstos’ Ägide an den Punkt gelangt, wo es heute ist – mit einer Neupositionierung, die sich insbesondere durch klar formulierte Ziele definiert: Der Verein will neben der Förderung von guter Baukultur diese jetzt noch aktiver und gezielter vermitteln, die Interessen der Mitglieder sowie lokalen Planern und ganz besonders der Zuger Bevölkerung vertreten und Interessensgruppen untereinander vernetzen, um gegenseitiges Verständnis zu verbessern.

Oliver Guntli

Oliver Guntli

Damit der damit verbundene zusätzliche Arbeitsaufwand den Verein nicht überfordert, ist der Vorstand an der GV um ein Mitglied vergrössert worden. Thomas Baggenstos’ Nachfolger ist Oliver Guntli, ebenfalls Architekt aus Zug und langjähriges Vorstandsmitglied. «Unter diesen Voraussetzungen, sprich eines grösseren Vorstandes und der damit einhergehenden besseren Lastenverteilung war ich gern bereit, diese Aufgabe zu übernehmen», sagt Guntli. Besonders schätzt er es, dass der Verein heute von der politischen Seite ernst genommen und bei wichtigen Fragestellungen als ein Fachgremium zur Mitsprache herangezogen wird. «Unsere Fachmeinung hat Gewicht erhalten.»

Veränderung ist nicht per se negativ

«Was uns ein besonderes Anliegen ist: Wir wollen versuchen, so viel wie möglich mittels Dialog zu lösen.» Heisst, anstatt beispielsweise nach Projektabschluss mit erhobenem Zeigefinger am Resultat Kritik zu üben und dann als «Spielverderber» dazustehen, will der Verein sämtliche Planungsschritte von Anfang an mitwirkend begleiten. «Auf diesem Weg wollen wir auch erreichen, dass die Bevölkerung weniger dazu tendiert, Bautätigkeit per se als etwas negativ Konnotiertes wahrzunehmen, sondern dass sie eine konkrete Haltung einnimmt, sich mit der Entwicklung auseinandersetzt.

Da nehmen wir eine vermittelnde Position ein», sagt Baggenstos hierzu. Die Umwelt verändere sich halt eben, doch sei das ja nichts Schlechtes. Guntli ergänzt: «Im Gegenteil: Die Baukultur ist auch Ausdruck der Gesellschaft, und die Auseinandersetzung damit ist zugleich Chance, etwas zu verbessern.»

Thomas Baggenstos und Oliver Guntli betonen, dass das Bauforum explizit nicht politisch ausgerichtet ist, sich mit sämtlichen Parteien gleichermassen austauscht. «Wir beschränken uns dabei ausschliesslich auf den Fachbereich», halten die beiden fest. Und als solcher Fachverband gestaltet sich das Wirken in Zug einfacher als in anderen Kantonen. Baggenstos: «Wir sind im Kanton der einzige Verband auf diesem Fachgebiet. Das erleichtert den Dialog.»

Bisheriges weiterführen, offen sein für Neues

Was beim Bauforum Zug, dem heute nicht nur Architekten angehören, weiterhin beim Alten bleibt: Die regelmässigen Vermittlungsaktivitäten, wie beispielsweise die beliebte Veranstaltung «Architektur vor Ort» oder das «Lab for Kids» werden trotz des gewachsenen Arbeitsaufkommens weiterhin durchgeführt und gar ausgebaut. Auch die Offenheit für neue Schwerpunktregelungen bleibt. So will das Bauforum Zug unter der nun mehrigen Leitung von Oliver Guntli auch in Hinkunft bei allen Prozessen mitwirken, die zu einer gelungenen Bebauung unserer Umwelt beitragen – vom Wettbewerb bis zum Erhalt des wertvollen Baukulturerbes.