Illegale Entsorgung
Eine Spaziergängerin entdeckte wiederholt grosse Mengen Brot im Hüribach in Unterägeri

Rahel Iten aus Unterägeri postete auf Facebook drei Bilder, welche grössere Mengen Brot im Hüribach in Unterägeri zeigen. Die Bilder stammen von drei verschiedenen Tagen Ende November und Anfang Dezember.

Cornelia Bisch
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Brot ist ein schmackhaftes, nährstoffreiches Grundnahrungsmittel, das in der Schweiz in unzähligen Variationen angeboten wird.

Brot ist ein schmackhaftes, nährstoffreiches Grundnahrungsmittel, das in der Schweiz in unzähligen Variationen angeboten wird.

Bild: Dorian Rollin
(28. Oktober 2020)

Ganze Pfünderli, aber auch Mutschli, Gipfeli und anderes Gebäck schwimmen im Hüribach in Unterägeri, wo Rahel Iten oft spaziert. Sie fotografiert ihre Funde an drei verschiedenen Tagen in den vergangenen Wochen und postet die Bilder auf Facebook. Dazu appelliert sie an denjenigen, der dieses Brot illegal entsorgt hat: «In der Brotkiste vom öffentlichen Kühlschrank auf dem Chileparkplatz hat es noch viel Platz. Dort wäre das Brot viel besser aufgehoben, als im Hüribach. Danke.» Sie selbst hat den Kühlschrank als praktische Massnahme gegen Food-Waste gemeinsam mit der Organisation Madame Frigo initiiert.

Bereits vor zwei Jahren berichtete die Zuger Zeitung über einen Brotfund im Hüribach. Damals handelte es sich um die einmalige Entsorgung von rund 30 Brotlaiben.

«Der Facebook-Post erreichte über 1500 Personen», erzählt Rahel Iten. Direkte Reaktionen verzeichnete sie jedoch nur wenige. «Leider hat sich in der Brotkiste bis jetzt noch nichts geändert. Ich würde mich sehr freuen, wenn mehr Brot darin und natürlich auch andere Lebensmittel im Kühlschrank landen würden.»

Gratis Brotabgabe im Werkhof

Wer diese Möglichkeit nicht wahrnehmen möchte, hat noch eine sinnvolle Alternative in der Gemeinde Unterägeri. «In unserem Werkhof kann man Brot gratis abgeben», erklärt Gemeindepräsident Josef Ribary. «Die Bauern nehmen es gerne für ihre Schafe. Das ist sehr nahrhaftes Futter.» Brotüberschüsse einfach in einen Bach zu werfen, sei sicher der falsche Weg, betont er.

Direkt an einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Esel- und Pferdehaltung liefert Thomas Brändle der Cafe Brändle AG in Unterägeri. «Das Brot wird zwei- bis dreimal die Woche abgeholt.» Für übrige Confiserieprodukte hat er einen Kompost-Container, dessen Inhalt alle zwei bis drei Wochen abgeholt und zu Biogas verarbeitet wird. Der Bäcker Konditor findet es unschön und unnötig, dass jemand illegal Brot entsorgt. Er erinnert sich noch gut an den Fall vor zwei Jahren. Damals seien die lokalen Bäcker als Verdächtige im Gespräch gewesen. «Aber das kann ebenso gut ein Gastrobetrieb gewesen sein, der zu viele Brotwaren bestellt hat.» Angefeindet worden sei er deswegen aber nicht, sagt Brändle.

Wildtiere füttern ist nicht notwendig

«Es ist grundsätzlich nicht sinnvoll und auch nicht notwendig, Wildtiere zu füttern», stellt Priska Müller, Leiterin des Zuger Amtes für Wald und Wild, Bereich Jagd- und Fischerei, klar. «Die Leute glauben, sie würden ihnen damit etwas Gutes tun. Aber Wildtiere sind solches Futter nicht gewöhnt.» Die Aufnahme grösserer Mengen Brotes könne sogar problematisch für deren Gesundheit sein, so Müller. Die dreimalige illegale Brotentsorgung im Hüribach sei aus tier- und umweltschützerischer Sicht noch nicht alarmierend. «Aber wenn das regelmässig, also beispielsweise einmal wöchentlich über einen längeren Zeitraum passieren würde, hätte es sicher Auswirkungen auf das Ökosystem, weil es zu einem Nährstoffüberfluss im Gewässer kommen würde», sagt die Fachfrau und warnt: «Man sollte das auf keinen Fall tun.»

Der Zuger Polizei wurde der Vorfall nicht gemeldet. «Grundsätzlich rücken wir immer aus, wenn wir eine Mitteilung bekommen», informiert Mediensprecher Frank Kleiner. Die Polizei nehme dann vor Ort den Sachverhalt auf und schreibe einen Rapport. «Um jedoch einen solchen Täter bestrafen zu können, müssten wir ihn in flagranti erwischen oder eindeutige Beweise haben.» In einem solchen Fall würde die Polizei eine Ordnungsbusse von 100 Franken wegen Littering erheben.

Während die in Ei getauchten Fotzelschnitten in der Butter braten, läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

Während die in Ei getauchten Fotzelschnitten in der Butter braten, läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

Bild: Sandra Ardizzone
(17. Dezember 2019)

Kein Brot ist hart

Redaktorin Cornelia Bisch

Redaktorin Cornelia Bisch

Brot wegzuwerfen, kam für meine Eltern, die in ihrer Jugend Krieg und Lebensmittelrationierung miterlebt hatten, nicht in Frage. Ich wuchs mit dem Spruch auf: «Altes Brot ist nicht hart, aber kein Brot ist hart» und lernte früh, trockenes Brot in feine Gerichte zu verwandeln.

Am einfachsten ist es natürlich, es zu toasten und mit Butter zu bestreichen. Auch in Butter gebratene Möckli zu Salat sind bei uns immer beliebt. Ein wahres Gedicht sind jedoch Fotzelschnitten. Solche werden folgendermassen hergestellt:

Man schneidet trockenes Brot in dünne Scheiben, verquirlt mit dem Schwingbesen zwei bis drei Eier in einem eher flachen Behälter oder Suppenteller, legt Scheibe für Scheibe hinein und benetzt sie auf beiden Seiten gut mit dem verquirlten Ei. Dann erwärmt man Butter in der Bratpfanne und brät die Brotscheiben bei mittlerer Hitze unter gelegentlichem Wenden goldbraun. Je nach Geschmack werden die Scheiben anschliessend mit Zucker, Zimt oder geriebenem Käse veredelt. Guten Appetit!

Süsse Fotzelschnitten sind vor allem bei Kindern ein beliebtes Dessert.

Süsse Fotzelschnitten sind vor allem bei Kindern ein beliebtes Dessert.

Bild: Sandra Ardizzone
(17. Dezember 2019)
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