Begabte Zuger Musikschüler spielen im Ensemble mit Profis

Zum ersten Mal dürfen begabte Zuger Musikschüler und -schülerinnen zusammen mit professionellen Musikern Kammermusik zum Besten geben. Die Proben verheissen ein eindrückliches Konzert.

Dorotea Bitterli
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Auch der Posaunist Daniel Hofer gibt begabten Schülern praktische Tipps. (Bild: Jakob Ineichen (Zug, 23. März 2019))

Auch der Posaunist Daniel Hofer gibt begabten Schülern praktische Tipps. (Bild: Jakob Ineichen (Zug, 23. März 2019))

«Bravo, Norah, super!», ruft Sebastian Diezig und ergänzt: «Aber es ist noch ein wenig schülerhaft. Ich hätte es gern künstlerischer, weisst du – so, mit einem Lächeln!» Und flugs macht er es vor, auf seinem eigenen Cello. Die jugendliche Violinistin begreift, verändert ihren Strich und damit den Ton ohne Mühe. Aber der Lehrer ist noch nicht zufrieden, will noch mehr. «Es war vorhin schon gut. Ich bin halt ein bisschen zum Nörgeln da», sagt er scherzhaft.

Die eine Stelle im Händel-Allegro möchte er «flautando – wie eine Flöte», eine andere «wie eine gerade Linie, die du mit der Hand machst», eine dritte «wie eine Banane»: Seine Anweisungen sind voller Bilder, vermitteln Begeisterung und Beschwingtheit, und die Atmosphäre ist gleichzeitig gelassen und konzentriert. So sieht es an diesem Samstagnachmittag in jedem der fünf Übungsräume in der Musikschule Zug aus: Jugendliche im Alter von 13 bis 20 Jahren proben zusammen mit je einem Musiker des Luzerner Sinfonieorchesters, und zwar im Terzett, Quartett oder Quintett. Die Palette reicht von Klassikern wie Händel, Haydn, Vivaldi und Schubert über ein von osteuropäischer Volksmusik inspiriertes Divertimento von Leo Weiner bis zu einem modernen Stück von Dean Jones mit dem Namen «Hotspots».

Verbesserung dank Besseren

Seit 2016 führen die elf Musikschulen des Kantons Zug das Programm «Begabtenförderung Musik» für besonders talentierte Kinder und Jugendliche. Zusätzlich zum normalen Einzelunterricht erhalten sie Theorieunterricht und nehmen regelmässig an gemeinsamen Anlässen teil. Am diesjährigen Kammermusikprojekt spielen sie nun erstmals mit professionellen Orchestermusikern zusammen – unter dem Motto: «Wer besser werden will, lernt am besten von Besseren».

Die jungen Streicherinnen, Pianistinnen, Trompeten- und Eufoniumspieler sind längst über die Phase hinaus, in welcher Ton und Rhythmus gesucht, Spieltechnik und grundlegende Musiktheorie vermittelt werden müssen. Sie verpassen keinen Einsatz und haben die Regeln des Zusammenspiels verinnerlicht. Fabienne, die 1. Geige im Quintett um den Profi-Bratschisten Alexander Besa, holt tief Luft, und das ist das Zeichen für alle, um gleichzeitig die Bögen zu heben und den temperamentvollen Csárdás anzustimmen. Besa macht rasche, kurze Korrekturen. Eine Stelle ist ihm zu wenig energisch: «Emilia, es muss schon ein wenig marschieren!»

Manchmal fehlt nur noch wenig

Fast andächtig folgen die jungen Blechbläser Flurin, Dominic und Anneluise den Aufwärmübungen des Posaunisten Daniel Hofer: Das Stück wird zuerst nur mit Luft an den erhobenen Zeigefinger geblasen, jedoch schon in perfektem rhythmischen Zusammenspiel. Erst später repetieren sie den zweiten Satz «Blogging» der Jones-Komposition. Unter der Leitung des Klarinettisten Stojan Krkuleski probt die junge Sopranistin Seraina ein Schubert-Lied, das es in sich hat, umspielen sich doch Stimme und Soloinstrument in komplexen Tonfolgen. Etwas später feilt Krkuleski mit der am Klavier begleitenden Pauline an Details, aber viel braucht es nicht mehr – sie reden bereits über die Akustik im Vortragssaal und wie damit umzugehen wäre.

Es ist sehr eindrücklich zu sehen: Junge Menschen so fokussiert und hingegeben an Abläufe, die zuweilen an Zen-Übungen erinnern. Das Kammermusikkonzert der Begabtenförderung Musik Zug in Partnerschaft mit dem Luzerner Sinfonieorchester findet am Samstag, 6. April, ab 16 Uhr im Gemeindesaal Steinhausen statt.