Im FabLab Zug entstand eine Handprothese aus dem 3D-Drucker und vieles mehr

Das FabLab Zug lädt zur ersten Werkschau ein. Zu entdecken gibt es allerlei Erfindungen sowie Kunst aus Stoff und Plexiglas.

Cornelia Bisch
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In der Produktionsstätte des FabLab Zug findet eine Werkschau statt. Im Bild: Michael Hobbins (Präsident des Vereins) und Luz Maria Molinari (Vorstandsmitglied) mit einem Hometrainer, der durch Muskelkraft Smartphones und Tablets auflädt.

In der Produktionsstätte des FabLab Zug findet eine Werkschau statt. Im Bild: Michael Hobbins (Präsident des Vereins) und Luz Maria Molinari (Vorstandsmitglied) mit einem Hometrainer, der durch Muskelkraft Smartphones und Tablets auflädt.

Bild: Stefan Kaiser
(Zug, 21. Oktober 2020)

Wäre es nicht ideal, wenn man beim Sport seine Energie nicht sinnlos verpuffen, sondern sie gewinnbringend nutzen könnte? Nun, man kann, wie eines der vielen Projekte der ersten Werkschau des FabLab Zug ÜsiZugkunft zeigt. Während die Tüftler Andreas Jarosch und Nijo Scheibner auf dem Hometrainer Kilometer für Kilometer abstrampeln, laden sie nämlich bis zu acht Handys oder Tablets auf.

Vom 28. Oktober bis 11. November kann man sich im Rahmen einer Werkausstellung von 30 kunstvollen und kuriosen Objekten, Erfindungen, Nützlichkeiten und Fantastereien inspirieren lassen. Eine solche Ausstellung soll künftig jährlich stattfinden. Entwickelt und gebaut wurden sämtliche Objekte im FabLab Zug, das seit Dezember 2019 an seinem definitiven Standort in Räumen des Unternehmens V-Zug untergebracht ist.

Michael Hobbins (Vereinspräsident) präsentiert ein im 3D Drucker hergestelltes Kunststoffteil.

Michael Hobbins (Vereinspräsident) präsentiert ein im 3D Drucker hergestelltes Kunststoffteil.

Bild: Stefan Kaiser
(Zug, 21. Oktober 2020)

Zu entdecken gibt es ganz Erstaunliches wie etwa eine Handprothese aus Kunststoff, die speziell fürs Velofahren mittels 3D-Drucker hergestellt wurde. «Ein Prototyp dieser Prothese ist bereits in Probe», erzählt Vorstandsmitglied Luz Maria Molinari. Ein weiteres Mitglied baute die Backstage-Ausrüstung einer Musikband. Zu besichtigen gibt es ausserdem ein elektrisches Skateboard, eine automatisierte Growbox – ein computergesteuertes Indoor-Gewächshaus von der Grösse eines zweitürigen Schranks –, diverse Recycling-Projekte und vieles mehr.

«Es gibt auch eine eigene Projekt-Ausstellung mit Textilkunst, die FabriXlab», so Molinari . Sieben Handwerkerinnen präsentieren handgefertigten Schmuck, Deko-Objekte und Accessoires aus Stoff, Filz, Metall und Plexiglas. «Die 26-jährige Gina Grünwald hat hier ihre Plexiglas-Taschen entwickelt und mittlerweile einen Online-Shop eröffnet.»

Moritz Hassler von der Stubete Gang produziert im FabLab das Merchandise der Band.

Moritz Hassler von der Stubete Gang produziert im FabLab das Merchandise der Band.

Bild: Stefan Kaiser
(Zug, 21. Oktober 2020)

Kein Dienstleistungsbetrieb

Das FabLab Zug ist erst rund eineinhalb Jahre alt, wird von vier Vorstands- und sieben Vereinsmitgliedern ehrenamtlich geführt und verfügt über mehr als 80 Mitglieder. Das Motto lautet «Von der Idee zum Produkt».

«Die Leute kommen mit einer Idee zu uns und knüpfen Kontakte zu den anderen FabLab-Benützern, von denen sie das Knowhow für die Herstellung erwerben können», schildert Molinari das einfache Prinzip. «Wir sind kein Dienstleistungsbetrieb. Jeder muss sich das nötige Wissen selbst aneignen.» Alle Mitglieder seien bereit dazu, ihr Wissen mit anderen zu teilen. «Es geht um die Begegnung und den Austausch, damit Neues entstehen kann.» Auf diese Weise könne man fast alles realisieren, ist Molinari überzeugt.

Ziel der Werkschau sei es, die Vielfältigkeit der Projekte zu zeigen. Ausserdem müsse man sie so auf einen bestimmten Zeitpunkt fertig stellen, sodass sie nicht ewig in der Luft schweben blieben.

Peter Staub und Rebekka Lätsch arbeiten im FabLab an einem Produkt, das sie selber vermarkten wollen.

Peter Staub und Rebekka Lätsch arbeiten im FabLab an einem Produkt, das sie selber vermarkten wollen.

Bild: Stefan Kaiser
(Zug, 21. Oktober 2020)

Der Verein muss aufs Doppelte anwachsen

«Der Verein muss etwa zu einer Grösse von 200 Mitgliedern anwachsen, um selbsttragend zu sein», so Luz Maria Molinari. Zurzeit tragen Sponsoren und Gönner einen Teil der Ausgaben. Die Mitglieder entrichten einen Jahresbeitrag und bezahlen eine kleine Gebühr für die Benutzung der Geräte wie Laser-Cutter, 3D-Drucker oder Plotter.

Vier offene Atelierplätze, so genannte Co-Working-Spaces, sind fest vermietet. Die Mieter haben uneingeschränkt Zugang zum FabLab. Für alle übrigen Mitglieder und jene, die es werden möchten gibt es offizielle Öffnungszeiten.

Die Vernissage der Werkschau ÜsiZugKunft findet am 28. Oktober von 19 bis 21 Uhr im FabLab Zug an der Oberallmendstrasse 18 statt. Am 3., 4. und 5. November gibt es eine Führung von 19 bis 20 Uhr. Am 7. November ist die Ausstellung von 15 bis 18 Uhr geöffnet, am 11. November findet die Finissage von 19 bis 21 Uhr statt.

Diese Projekte werden an der Werkschau gezeigt

1. Humbert Gimenez: Einen anlten 3D Drucker mit Hilfe eines neuen 3D Druckers wieder zum Laufen bringen;

2. Luz Maria Molinari: AUFwertDESING-Schmuck-Konzept aus Plexiglas und Swarowski Steinen;

3. Reto Speerli: Augmentet Reality Sandbox, das Spielen im Sand verschmilzt mit dem Begreifen von Topographien;

4. Michael Hobbins: Entwicklung einer Kinder-Handprothese mittels 3D Drucker, Prototypen sind bereits in Probe;

5. Moritz Hassler: Backstage-Ausrüstung der «Stubete Gäng» Musik Band;

6. Joël Iselin: Elektrisches Skateboard;

7. Silas Breitenstein: Solartracker, um die Effizienz von Photovoltaikanlagen zu maximieren;

8. Yaron von Arx: Maschine, die mit fehlgeschlagenen 3D Drucker PLA Filamenten wieder neue Filamente herstellt;

9. Andreas Jarosch und Nijo Scheibner: Velogenerator, mit dem bis zu 8 Handys oder Tablets mittels Muskelkraft aufgeladen werden können;

10. Nijo Scheibner und Chris Burkhard: Automatisierter Growbox-Personal-Food-Computer;

11. Gina Grünwald: Plexiglas Taschen und online Shop «GINA GRNW»;

12. Mimi Küng: Vinylcutter trifft T-Shirt;

13. David Bucher: Manta Brettspiel Analog und digital;

14. Marion Russek: Wohnungs-Model aus Schiffscontainern, «tiny living» nachhaltig und energiebewusst;

15. Werner Koch: Graphik Mosaik und handgemachte Skizzen auf Holz gelasert;

16. Karl Drescher( 86 Jahre alt) / Modell Ziegelei Museum analog und digital;

17. Dianne Schepers: 3D Objekte in Wolle eingepackt «Wool me up»;

18. Urs & Sabine Dobler: unsere erste 3D Seifenschale;

19. Anna Seidel: Laser Cuts aus verschiedenen Materialien;

20. Janick Sidler: kompaktes In-Ear Monitoring System für Live Auftritte (MDF Laserkonstruktion und 3D Druck);

21. Peter Staub und Barbara Walliser: Packung mit Karton und Laser-Aufdruck für Räucher-Kugeln aus Kräutern («Kiphi» Start-up);

22. Rainer Kistler: Ersatzteile aus dem 3D Drucker;

23. Paola De Coppi: Blickpunkt Objekte aus Organza Seide mit Filz;

24. Lorena Sterman: Weihnachtskranz in einer Kombination aus Tradition und Moderne, Teile davon werden mit dem Laser Cutter gemacht;

25. Horst Hofmann: Mode-Objekte, inspiriert von Meerestieren «Digital Handmade»;

26. Gregor Meyer: Bau eines Cockpits im Massstab 1:1 für den Betrieb eines Flugsimulators;

27. Niels Erikstrup: Display Box für den Detailhandel;

28. Adriana Schiraldi: Untersetzer aus Filz;

29. Robert Hofmann: Kunstobjekte, die Licht spenden;

30. Mathis Lecomte: «Magic Mirror», ein Smart-Home-Mirror