Im Kanton Zug startet ein Projekt für mehr Gleichstellung

Die PH Zug, die Roche und der Verein Bildxzug haben ein Projekt lanciert, um Frauen und Männer für geschlechteruntypische Berufe zu begeistern. So soll auch dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.

Laura Sibold
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Im Roberta-Regio Zentrum der PH Zug erhalten Lehrkräfte Weiterbildungen in Robotik und Informatik.

Im Roberta-Regio Zentrum der PH Zug erhalten Lehrkräfte Weiterbildungen in Robotik und Informatik.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 2. Mai 2018)

Über drei Viertel der Studierenden an der Pädagogischen Hochschule Zug (PH Zug) sind Frauen. Demgegenüber machen Frauen im Studiengang Maschinenbau an der ETH Zürich nur 2 Prozent aller Studierenden aus. Das sei bedauerlich, findet Katarina Farkas, Beauftragte für Diversity an der PH Zug. «Geschlechterdurchmischte Teams funktionieren einfach besser – das zeigt auch die Forschung.»

Um das Interesse von Frauen und Männern für geschlechteruntypische Berufs- und Studienfelder zu wecken, hat Farkas mit Vertretern aus Bildung und Wirtschaft ein Gleichstellungsprojekt lanciert. Das Projekt «Mehr vom Anderen», kurz «MevA» will Massnahmen umsetzen, um mehr Frauen für MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) und mehr Männer für Berufe im Gesundheitswesen und in der Pädagogik zu gewinnen. Es ist eine Kooperation zwischen der PH Zug, der Berufsbildung der Roche Diagnostics International AG und des Lehrlingsverbunds Bildxzug.

Regierung unterstützt mit 30 000 Franken

Gleichstellungsprojekte gab es im Kanton Zug in den vergangenen Jahren schon zuhauf. Das jetzige unterscheide sich aber deutlich von den bisherigen Bestrebungen, sagt Katarina Farkas: «Wir wollen eine neue Herangehensweise ans Thema schaffen. Ziel ist es, die bestehenden Projekte zur Gleichstellung im Bildungswesen sichtbar zu machen, Schnittstellen zu benennen und Lücken zu eruieren.» Ähnlich sieht dies Markus Kälin, Leiter Berufsbildung der Roche Diagnostics International AG. «Erstmals sitzen sämtliche Akteure an einem Tisch, um spartenübergreifend nach Lösungen zu suchen. Dieser erweiterte Blickwinkel wird produktiv wirken und neue Lösungen erschliessen», ist Kälin überzeugt.

Darüber hinaus besteht die Hoffnung, mit dem neuen Projekt dem Fachkräftemangel im MINT-Bereich entgegenwirken zu können. Bei Roche sind derzeit beispielsweise 65 Informatiklernende beschäftigt. Schon heute sei es schwierig, an geeignete Personen heranzukommen, um diese Lehrstellen zu besetzen, betont Markus Kälin.

«Besonders in der Informatik fehlen im Kanton Zug Fachkräfte. Gelingt es uns, mehr Frauen für diese spannenden Berufsfelder zu gewinnen, können wir ein Loch erfolgreich stopfen.»

Unterstützt wird das Gleichstellungsprojekt bereits von der Regierung: Diese hat für die Jahre 2019 bis 2021 einen Beitrag über 30000 Franken gesprochen. Ausgangspunkt für das «MevA»-Projekt war im Mai 2019 eine Studienreise nach Schweden. Dort ist der Frauenanteil in MINT-Berufen nämlich deutlich höher. «Das liegt an der gezielten Förderung von Gymnasiastinnen in MINT-Fächern und an den familienfreundlichen Arbeitsstrukturen für Männer und Frauen», erklärt die Diversity-Beauftragte der PH Zug.

An einer Tagung wird nach Ideen gesucht

Im Anschluss an die Schwedenreise trafen sich letzten Herbst 16 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Bildung und Verwaltung zu einem Kick-off-Meeting. Dabei seien erste Ideen entstanden, verrät Katarina Farkas. So könnten angehende Lehrpersonen einen Einblick in technische Berufe gewinnen, um Schülerinnen früh davon berichten zu können, oder weibliche Vorbilder aus dem MINT-Bereich könnten in Klassen eingeladen werden. «Umgekehrt könnten Lernende von Unternehmen wie Bildxzug oder Roche die PH Zug besuchen, um Einblicke in den Lehrberuf zu gewinnen», erklärt Farkas. Auch ein Mini-Science-Lab für Lehrer-Weiterbildungen sei denkbar.

Am 24. Januar treffen sich die Projektverantwortlichen an der PH Zug mit Vertretern aus Bildung, Politik und Wirtschaft zu einer Tagung, an der nach Ideen gesucht wird. Dabei kommen auch Personen zu Wort, die in geschlechteruntypischen Berufsfeldern tätig sind: Eine Studentin erzählt vom Maschinenbau-Studium, während ein Fachmann Betreuung seine Arbeit erläutert – ein erster Versuch, stereotypische Geschlechtergrenzen aufzuweichen.

Wirtschafts-, Gesundheits- und Bildungsvertreter, die mitwirken möchten, können sich melden: katarina.farkas@phzg.ch.