Im Schwalbennest in Bettwil schläft es sich besonders gut

Ein ehemaliger Pachthof ist in Bettwil zu einem historischen Bed&Breakfast umgebaut worden.

Marc Ribolla
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Seit 310 Jahren markiert das Büchler-Haus, wie es seit etwa 1800 wegen der Besitzerfamilie Büchler genannt wird, einen Teil der Bettwiler Dorfgeschichte. Das steilgieblige Freiämterhaus, welches 1854 mit einem zweiten Wohnhausanbau erweitert wurde, hat über die Jahrhunderte einiges erlebt.

Der ehemalige Pachthof des Klosters Hermetschwil von 1710 ist nun ein Gästehaus und eine Boutique.

Der ehemalige Pachthof des Klosters Hermetschwil von 1710 ist nun ein Gästehaus und eine Boutique.

Bild: Marc Ribolla (27. Juli 2020)

Nun steht es wieder in voller Pracht da. Rund zweieinhalb Jahre Umbauzeit steckten die neuen Besitzer Werner und Adele Keiser in den ehemaligen Pachthof des Klosters Hermetschwil. Und machten aus ihm ein neues Bettwiler Bijou. Sowohl aussen als auch innen ist das Gebäude praktisch komplett überarbeitet worden. Das Projekt wurde auch eng vom kantonalen Denkmalschutz begleitet und dokumentiert.

Entstanden ist ein schmuckes Gästehaus namens Keiser’s Kammer mit vier historischen Zimmern, einer heimeligen Wohnstube, einem mehrteiligen Gewölbekeller für Events, viel Umschwung und Adele Keisers Boutique Arte&Tavola, die sie zuvor in Fahrwangen führte. Adele Keiser sagt:

«Bei dem Umbau haben wir sehr auf Nachhaltigkeit geachtet und nur Naturmaterialien verwendet. Die Stufen der neuen Aussentreppe sind beispielsweise die Platten der alten Seefeldbrücke in Meisterschwanden.»

Ein Restaurator stellte die alten Farben der Fensterläden genau so her wie vor Jahrhunderten. Die Fassade wurde mittels Hanfs isoliert und mit Lehm verputzt, gearbeitet wurde mit Vollmassivholz aus der örtlichen Sägerei.

Adele und Werner Keiser freuen sich auf weitere Gäste in ihrem historischen Haus.

Adele und Werner Keiser freuen sich auf weitere Gäste in ihrem historischen Haus.

Bild: Marc Ribolla (Bettwil, 29. Juli 2020)

Zig Wände wurden an andere Orte verschoben, Böden oder Decken gesenkt und angehoben, Fenster mit Butzen-Scheiben und Türen renoviert. Alles aufzuzählen, was die Keisers im Haus veränderten, würde ein Buch füllen. Die Liebe zum Detail und das historische Flair spürt man aber sofort, wenn man über die Schwelle tritt.

Werner Keiser hat alles Handwerkliche alleine erledigt, er schätzt seine Leistung seit dem Jahr 2017 auf gut 10'000 Arbeitsstunden. «Man muss halt immer dran bleiben. Der Aufwand für das eindrückliche Projekt war sehr gross, aber es hat sich gelohnt. Der Enkel der Vorbesitzerin musste bei einem Besuch weinen, weil es ihm so gut gefallen hat», sagt der Maschineningenieur.

Vielversprechender Auftakt trotz Pandemie

Liebhaber mit einem Flair für Historie kommen im Keiser’s Kammer auf ihre Kosten. Jedes Zimmer ist von Adele Keiser exklusiv eingerichtet worden und hat auch neuste sanitäre Einrichtungen. Seit Mitte Juni ist das Gästehaus mit allen vier Zimmern offen und stösst bereits trotz Coronakrise auf viel Anklang. «Wir sind mit der Belegung zufrieden, es läuft ganz gut», sagt Adele Keiser.

Das Zielpublikum sind einerseits Ruhesuchende, die dem Alltagsstress in der Bettwiler Höhe entkommen wollen, aber auch Familien sind willkommen. Die meisten Gäste würden ein bis zwei Nächte bleiben. Die Zimmer verteilen sich über mehrere Etagen und tragen Namen wie Keiser’s Schwalbennest, Keiser’s Alkove oder Lilienzimmer.

Begeistert vom neuen Ambiente sind auch ihre Kunden der Arte&Tavola-Boutique, die nun nach Bettwil kommen müssen. «Sie finden es sehr cool», sagt Adele Keiser. Das Gesamtpaket des Bed&Breakfast werde geschätzt. Genauso wie das kaiserliche Frühstück, das sie getreu ihrem Namen den Gästen am Morgen frisch auftischt. Bevor sich diese im Garten mit einer Lektüre entspannen können. Denn ein Fernsehgerät gibt es im ganzen Komplex keinen. Genauso halt wie vor 300 Jahren.

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