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Zuger PH-Studentinnen fordern: Im Unterricht braucht es mehr Drama

Tamara Attieh und Sarah Akhmetov von der Pädagogischen Hochschule Zug gewähren in ihrer Bachelorarbeit Einblicke in eine noch weitgehend unbekannte Form des Unterrichts. Bei den Schülern kommt die theatralische Methode gut an.
Christian Tschümperlin
Sarah Akhmetov (oben) und Tamara Attieh (unten) bringen frischen Wind ins Klassenzimmer. (Bild: Stefan Kaiser (7. Juni 2018))

Sarah Akhmetov (oben) und Tamara Attieh (unten) bringen frischen Wind ins Klassenzimmer. (Bild: Stefan Kaiser (7. Juni 2018))

Schon die alten Chinesen wussten: «Erzähl mir etwas, und ich werde es vergessen, zeige mir etwas, und ich werde mich erinnern, involviere mich, und ich werde es verstehen.» In ihrer ­Bachelorarbeit illustrieren nun zwei Studentinnen der Pädagogischen Hochschule Zug (PH Zug), wie sich diese Erkenntnis in die Tat umsetzen lässt. Tamara ­Attieh und Sarah Akhmetov vermittelten in ihren Praktika einen Teil des Schulstoffs fantasievoll und lebensfroh als Theaterspiel. «Manche Erwachsene denken vielleicht, es gehe dabei nur ums ‹Theäterle›, sagt Attieh, «aber es ist viel mehr als das.» Es werde nämlich leicht übersehen, dass das Theater einen unmittelbaren Zugang zu Lerninhalten anzubieten habe. «Wir konnten beob­achten, wie aktiv und kreativ sich die Schüler in einen theatralischen Unterricht einbringen», so Akhmetov.

Das Mitmachen war denn auch eines der fachdidaktischen Kriterien, auf deren Erfüllung die Zugerinnen die alternative Lernmethode in der Bachelorarbeit zu überprüfen hatten. Auf den 76 Seiten, für die sie eine Topnote erhalten haben, entwickeln sie für ihre künftigen Lehrerkollegen das Fazit: «Versucht es selber.»

Wo brachliegendes Potenzial genutzt werden kann

«Drama in Education (DiE)» handelt davon, den Unterrichtsstoff mit theatralischen Übungen und Spielen zu vermitteln. Die Methode fristet an vielen Schulen in der Deutschschweiz noch ein Schattendasein. «Im Fremdsprachenunterricht werden Rollenspiele zwar manchmal ein­gesetzt», sagt die 28-jährige ­Akhmetov. Tatsächlich eigne sich die Methode aber auch für Fächer wie Deutsch, Natur, Mensch und Gesellschaft (dem früheren Mensch und Umwelt) und sogar Mathematik.

Dass die Studentinnen das Thema für sich entdeckten, ist dem Zufall zu verdanken: Beide besuchten einen freiwilligen Abendkurs der PH Zug, einen «Drama in Education Workshop über Ägypten». «Die Lehrperson trat durch die Türe und stellte sich als Architekt vor», erinnert sich Akhmetov. Dieser erklärte, er sei vom Pharao beauftragt worden, eine Pyramide zu bauen. Leider sei er aber kurzfristig erkrankt. «Also überreichte er uns eine Liste von Fragen, mit denen wir an den Pharao gelangen sollten.» Die Lehrperson ging hinaus und kam als Pharao zurück. Eine Frage, welche ein PH-Student nun stellte, lautete, wie hoch die Pyramide denn werden soll. «Noch heute weiss ich, dass die Cheops-Pyramide 139 Meter hoch ist», sagt Akhmetov.

Die Studentinnen erkannten damals den Geniestreich in der Methode. Sie wagten einige Versuche in ihren pädagogischen Praktika. Diese seien bei den Schülern gut angekommen. Als es darum ging, eine Bachelorarbeit zu schreiben, ging Akhmetov mit der Idee das Thema zu vertiefen auf Attieh zu. «Wir ­begannen mit der Planung, und dabei sprudelten wir nur so vor Ideen», sagt Akhmetov. Weil formelle Vorgaben die Länge der Arbeit limitieren, beschränkten sie sich dann darauf herauszufinden, ob die Unterrichtsmethode mit den Kriterien der Fachdidaktik vereinbar ist. Dazu erarbeiteten sie drei Doppellektionen, die sie anschliessend auswerteten.

«Drama in Education braucht nicht viele Theaterutensilien», sagt die 22-jährige Attieh. «Eine typische ägyptische Pose genügt, und schon bin ich ein Pharao», sagt sie und demonstriert die Geste mit ihren Armen. Imagination, Erinnerungen und Improvisation können durch das Spiel ­allein angeregt werden.

Für ihr Projekt begab sich Attieh mit zwei gemischten Beinwiler Klassen von 48 Viert- bis Sechstklässlern auf eine Mittelalterburg aus Holz, die sich im Keller eines Schulhauses befand, wo die Schüler in die mittelalterlichen Stände Bauern, Adlige und Klerus eingeteilt wurden. Basierend auf einem Infoblatt, kreierten die Schüler eigene Dialoge. «Ich staunte nicht schlecht, da keine Szene der anderen glich», sagt Attieh. Die Kinder hätten ­dabei am eigenen Leib erfahren, dass es unfair ist, wenn wenige Adlige und Kleriker die vielen Bauern regieren.

Gebückt gehen wie ein Urzeitmensch

In der zweiten protokollierten Lektion, derjenigen von Akhmetov, liefen 20 Baarer Viertklässler rückwärts im Kreis und drehten damit das imaginäre Rad der Zeit zurück in die Vergangenheit. Ein Zeitwächter führte durch die Epochen bis zu den Urzeitmenschen, in deren Welt die Schüler traten und deren Leben sie nachahmten, in dem sie beispielsweise gebückt gingen. Auf die Frage, ob sich das Theater auch für schüchterne Kinder eigne, sagt sie: «Ich lasse das Kind dann einen Moment lang zuschauen.» Wenn es sähe, wie alle anderen spielen, wolle es plötzlich auch mitmachen und blühe regelrecht auf. Einen Nachteil habe die ­Methode aber schon, zumindest noch: Es fehlt an Vorlagen. Dies ist mit ein Grund, weshalb die Studentinnen die Methode bekanntmachen möchten.

In ihrer Bachelorarbeit fanden die Studentinnen heraus, dass sich Drama in Education mit den Vorgaben des Lehrplans 21 und der Fachdidaktik verbinden lässt. «Die Kinder erreichen in den Lektionen die nötigen Lernziele und entwickeln dabei auch soziale Fähigkeiten», sagt Akhmetov.

Akhmetov und Attieh freuen sich bereits darauf, ihr didaktisches Wissen eines Tages in den eigenen Unterricht integrieren zu können. Interessierten Lehrern rät Akhmetov mit einem Augenzwinkern: «Leiht unsere Bachelorarbeit in der Mediothek der PH Zug aus und lest sie.» Und Attieh fügt ganz im Sinne eines jeden guten Theaterunterrichts an: «Nicht nur lesen! Tut es!»

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