Im Zuger Kantonsspital stehen die Isolationszimmer bereit

Der Kanton hat sich auf das Coronavirus vorbereitet. Die lokale Hotellerie spürt erste Auswirkungen.

Zoe Gwerder und
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Touristen aus China werden in den nächsten Wochen wohl nur noch vereinzelt in Zug anzutreffen sein.

Touristen aus China werden in den nächsten Wochen wohl nur noch vereinzelt in Zug anzutreffen sein.

Bild: Werner Schelbert (22. Juli 2017)

Abgeschottete Städte in China, Atemschutzmasken-Pflicht oder ein Verbot für Pauschalreisen: Die Angst vor einer Ausbreitung des Coronavirus ist gross, die Massnahmen dagegen radikal. Das gilt besonders für China. Doch was bedeutet der Ausbruch der Krankheit für den Kanton Zug? «Wir stehen in regelmässigem und intensiven Kontakt mit den anderen Kantonen sowie dem Bundesamt für Gesundheit, BAG», sagt Kantonsarzt Rudolf Hauri auf Nachfrage. Aufgrund der Erfahrung von früheren vergleichbaren Epidemien wie der Vogelgrippe oder SARS seien entsprechende Vorbereitungsmassnahmen und Vorgehenspläne getroffen worden.

Das bestätigt auch Sonja Metzger, Leiterin Marketing beim Zuger Kantonsspital: «Zu den Massnahmen gehören auch die Beschaffung von speziellem Schutzmaterial, wie etwa Mundschutz, Gesichtsschild als Spritzschutz, speziellen Handschuhen oder Schutzanzügen.» Ebenso bestünden gezielte Vorkehrungen für den Fall, dass sich ein Patient mit Verdacht auf eine übertragbare Infektionskrankheit im Notfallzentrum befindet oder stationär aufgenommen werden muss. Dazu werde eng mit den Teams der Infektiologie und der Infektionsprävention zusammengearbeitet.

«Bereits letzte Woche hat das Zuger Kantonsspital in enger Anlehnung an die Empfehlungen des BAG Falldefinitionen und Vorgehensweisen für die aktuelle Situation erstellt und intern kommuniziert», so Metzger. Patientenzimmer, welche technisch zu Isolationszimmern umfunktioniert werden können, stehen bereit. Auch der Rettungsdienst wäre bei einem Coronavirus-Fall in Zug vorbereitet, wie Kantonsarzt Rudolf Hauri versichert. «Er verfügt über das nötige Schutzmaterial.» Zudem sei er stets über die aktuelle Lage informiert und könne über mögliche Massnahmen entscheiden, so Hauri. Bei Verdachtsfällen werden Nasenabstriche bei den entsprechenden Personen entnommen und zur Untersuchung an das nationale Referenzzentrum am Unispital Genf geschickt, erklärt Hauri. Die Resultate des Tests sollten innerhalb von 24 Stunden vorliegen. Gegenwärtig hat die saisonale Grippe in der Zentralschweiz den epidemischen Stellenwert überschritten. Die Symptome der Grippe und des Coronavirus ähneln sich. «Deshalb ist ein Test für den Nachweis des Virus notwendig», erklärt der Kantonsarzt. Zum jetzigen Zeitpunkt könne allerdings davon ausgegangen werden, dass nur Personen vom Coronavirus betroffen sein könnten, die sich in den letzten zwei bis drei Wochen in China aufgehalten haben.

Neun Reisegruppen stornieren Hotelzimmer

«Es gibt vereinzelte Anfragen aus der Bevölkerung, welche aufgrund von möglichen Expositionen, zum Beispiel Geschäfts- oder Ferienreisen, und begleiteten Atemwegserkrankungen verunsichert sind», sagt Metzger. Die Krankheit in die Schweiz bringen könnten auch chinesische Reisegruppen. Diese sind seit einigen Jahren auch in Zug unterwegs. Gemäss der Geschäftsführerin von Zug Tourismus, Patrizia Hofstetter, kommen diese jedoch hauptsächlich im Sommer nach Zug. «Im vergangenen August waren es rund 3500 Übernachtungen, im November kamen noch knapp über 600 Reisende aus China, die im Kanton Zug übernachteten.»

Viele Gruppen nächtigen dabei in Lindencham im Swiss Ever Hotel. Die stellvertretende Direktorin Jasmin Hilpertshauser bestätigt, dass derzeit rund eine bis zwei Gruppen pro Woche bei ihnen nächtigten. Eigentlich. Denn im Laufe des Montags wurden neun Gruppenreisen aus China storniert. «Dies entspricht in etwa der Hälfte aller Gruppen in den Monaten Februar und März.» Weil China einen sofortigen Buchungsstopp für Gruppenreisen ins Ausland verhängte, rechnet Hilpertshauser mit weiteren Stornierungen.

Ansonsten habe die Krankheit auf den Betrieb derzeit keine Auswirkungen. «Wir haben sowieso bereits strickte Hygienevorschriften.» Gemäss Hilpertshauser werden die Zimmer standardmässig mit Reinigungsmitteln gereinigt, wie sie auch in Spitälern verwendet werden. «Als einzige zusätzliche Massnahme stellen wir unseren Mitarbeitern nun Händedesinfektionsmittel zur Verfügung.» Das regelmässige Händewaschen sowie das tägliche Wechseln der Uniform seien sowieso Teil der Hygienevorschriften an die Mitarbeiter. Gemäss Zug Tourismus-Geschäftsführerin Hofstetter hat man bisher keine Massnahmen ergriffen. «Wir verfolgen aber die Nachrichten sowie Meldungen der Weltgesundheitsorganisation, WHO. Wenn ein Risiko bestünde, würden wir weiterschauen und mit den Tourismusakteure des Kantons Zug zusammensitzen.»