Immer mehr Listen stehen zur Auswahl

Die zahlreichen Nationalratslisten der Parteien spiegeln auch die zunehmend individualisierte Gesellschaft wider, vermutet der Experte.

Andrea Muff
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Neben dem sportlichen Grossereignis dieses Wochenende gibt es dieses Jahr auch noch ein politisches: Am 20. Oktober werden die Volksvertreter ins eidgenössische Parlament gewählt. Der Kanton Zug hält im Nationalrat drei Sitze und im Ständerat, wie jeder Vollkanton, zwei Sitze. Als Bisherige treten die Nationalräte Gerhard Pfister (CVP) und Thomas Aeschi (SVP) an. Im Ständerat will Peter Hegglin (CVP) seinen Sitz verteidigen. Die beiden FDP-Politiker Nationalrat Bruno Pezzatti und Ständerat Joachim Eder treten nicht mehr zur Wahl an. Damit werden definitiv mindestens zwei neue Gesichter im eidgenössischen Parlament sitzen.

Betrachtet man die eingegangenen Wahlvorschläge, fällt vor allem die Menge der Listen mit den Nationalratskandidaten ins Auge: Insgesamt 26 Listen mit jeweils drei Kandidaten wurden gestern vor einer Woche bei der Zuger Staatskanzlei eingereicht. Vor vier Jahren waren es gerade mal 16 Listen, vor acht Jahren lediglich 11. Dass die Anzahl der Kandidatenlisten für den Nationalrat seit den letzten beiden Wahlen gewachsen ist, sei nicht nur im Kanton Zug festzustellen, weiss Tobias Arnold, Politologe vom Büro Interface Politikstudien in Luzern. «Ein Grund für die verschiedenen Listen dürfte darin liegen, dass die Gesellschaft immer individualisierter wird. Die Wählerschaft ist nicht mehr homogen», erklärt Tobias Arnold und präzisiert: «Die Listen sollen die verschiedenen Facetten einer Partei zeigen und nicht mehr nur die Stammwählerschaft ansprechen.» Dies, sei von der Nachfrageseite her betrachtet.

Auf der Angebotsseite gebe es auch immer mehr Politiker, die nach Bern möchten. «Ein Nationalratsmandat hat sicher auch mit Prestige zu tun», weiss der Politologe. «Es gibt natürlich auch diejenigen, die ihren Namen für eine allfällig nächste kommunale oder kantonale Wahl ins Spiel bringen möchten. Eine eidgenössische Wahl kann gut als Plattform genutzt werden.» Auf den Listen könnte es somit auch Kandidaten geben, deren Ziel eigentlich nicht das Parlament in Bern ist. «Ich fände es für eine funktionierende Demokratie jedoch problematisch, wenn sich übermässig viele Leute aufstellen, die das Mandat gar nicht übernehmen möchten», sagt Tobias Arnold. Dass die Listenanzahl nun aber von Wahl zu Wahl zunehmen wird, damit rechnet der Experte nicht. «Es würde mich überraschen, wenn sich das linear weiterzieht.»

2011 und 2015 erreichte jeweils die kantonale SVP mit 30,5 (2015) respektive 28,3 Prozent (2011) den höchsten Wähleranteil. Gefolgt von der CVP mit 26,4 (2015) und 24,3 Prozent (2011). Die FDP erreichte 2015 noch 17,6 Prozent; vier Jahre zuvor lag die Parteistärke bei 19,2 Prozent. Dafür legte die SP von 5,3 (2011) auf 13,8 Prozent (2015) zu. Die Parteistärke der Alternative – die Grünen (ALG) sank von 15,4 (2011) auf 7,2 Prozent (2015). Im Gegensatz zu den vergangenen Wahlen wollen die Zuger Parteien dieses Jahr mit deutlich mehr Listen in den Wahlkampf ziehen: Die ALG mit 5 (inklusive der Liste der Jungen Alternative), die CVP mit 4 (inklusive JCVP), die FDP mit 3, GLP 2 (inklusive der Jungen Grünliberalen), die SP 7 (inklusive Juso) und die SVP kommt mit 3 (inklusive einer jungen Liste). Neu hat sich die Evangelische Volkspartei (EVP) im Kanton Zug gegründet, und sie stellt ebenfalls eine Liste auf. Ob die Liste der ebenfalls neu gegründeten Parat (Partei für Rationale Politik, Allgemeinde Menschenrechte und Teilhabe) gültig ist (wir berichteten), wird sich am Dienstagmittag zeigen. Die Zuger Staatskanzlei präsentiert dann die bereinigten Listen für die Wahlen im Herbst. Beim Ständerat ist der Zuwachs nicht so ausgeprägt. Vor acht Jahren hatten die Zuger die Auswahl zwischen fünf und 2015 zwischen sechs Kandidaten. Dieses Jahr gingen sieben Vorschläge ein.