Gemeindeversammlung

Baarer Feuerwehr soll bald Sold ab Minute 1 erhalten

Baarer Feuerwehrleute rücken drei von vier Mal umsonst aus. Nicht, weil es nichts zu löschen gebe, sondern weil sie für Einsätze unter einer Stunde keinen Sold bekommen. Jetzt liegt es am Stimmvolk, das zu ändern.

Kilian Küttel
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Von Einsatzbeginn an sollen die Baarer Feuerwehrleute künftig Sold erhalten: die Baarer Feuerwehr bei einer Übung.

Von Einsatzbeginn an sollen die Baarer Feuerwehrleute künftig Sold erhalten: die Baarer Feuerwehr bei einer Übung.

Archivbild: Stefan Kaiser

Am Abend des 17. Dezember 2019 geht bei der Feuerwehr Baar einer dieser Anrufe ein, wie es sie nur während weniger Wochen im Jahr gibt. Auf einem Balkon eines Mehrfamilienhauses am Falkenweg steht ein Adventskranz in Flammen. Das Feuer droht sich auszubreiten, doch die angerückten Feuerwehrleute bekommen den Brand rasch unter Kontrolle. Es ist der 111. Einsatz des Jahres 2019; er wird zur Routineaufgabe. Darauf lässt jedenfalls die Zusammenfassung schliessen, die in erschaudernd nüchternem Ton wenig später auf der Website der Feuerwehr Baar erscheint: «Der Löschangriff mittels Schnellangriff erfolgte von aussen über die Leiter.»

Auch wenn die Kürzestmeldung nicht verrät, wie lange der Einsatz gedauert hat – fast sicher ist, dass es weniger als eine Stunde war. Und damit heisst es für die ausgerückten Feuerwehrleute: kein Sold. So will es das Feuerwehrreglement von 1997, das einen Sold im Ernstfall nur zulässt, wenn «der Einsatz eine Stunde oder länger dauert.» Oder anders herum: Einsätze unter einer Stunde werden nicht besoldet. Das aber sind die meisten; laut Angaben der Gemeinde Baar drei von vier. «Damit wir das richtig verstehen: Rund 75 Prozent der Einsätze sind nicht besoldet– also auch solche, die mitten in der Nacht, am Sonntagnachmittag, während des Familienessens oder der Arbeitszeit anfallen», sagt SP-Gemeinderat Zari Dzaferi, zuständig für das Dossier Werkdienst und Sicherheit.

Gemeinde rechnet mit 45000 Franken im Jahr

Das zu ändern liegt in der Hand des Baarer Stimmvolks, wenn es sich am kommenden Mittwoch, dem 9. Dezember, zur Gemeindeversammlung trifft. Nicht ganz ein Jahr nach dem Einsatz 111/2019 am Falkenweg befindet der Souverän über einen Antrag des Gemeinderats, das Feuerwehrreglement anzupassen – und damit Einsätze zu besolden, die von der Alarmierung bis zum Verlassen des Feuerwehrlokals nach getaner Arbeit weniger als eine Stunde dauern. Bei einem Stundenansatz von 45 Franken pro Person rechnet die Gemeinde mit jährlichen Kosten zwischen 35000 und 45000 Franken – das sind 0,025 Prozent der 142,7 Millionen Franken Aufwand, welche die zweitgrösste Zuger Gemeinde für das kommende Jahr budgetiert (siehe Kasten). Mit seinem Antrag will der Gemeinderat seinen Feuerwehrleuten ein Zeichen der Wertschätzung geben. Oder wie Dzaferi sagt: «Auch bei Kurzeinsätzen soll die Bereitschaft honoriert werden, rund um die Uhr für den Schutz der Bevölkerung bereit zu sein.»

Es ist Zeit für eine Änderung

Bei der Feuerwehr Baar kommt der Vorschlag gut an, was nicht überraschen dürfte. Auf Anfrage sagt Kommandant Beat Huber: «Der Vorschlag ist ein schönes Zeichen. Ein Vergleich mit den anderen Feuerwehren zeigt aber auch, dass es langsam an der Zeit wäre, etwas zu ändern.» Denn mit ihrem jetzigen Reglement steht die Gemeinde Baar mehr oder weniger alleine da. Nur in Risch, Zug und Walchwil werden Einsätze ab der ersten Minuten ebenfalls nicht besoldet, wobei die ersten beiden ebenfalls daran sind, die Regelung zu ändern.

Die Zeichen stehen gut, dass die Baarer Feuerwehrleute bald für jeden Einsatz bezahlt werden; darauf jedenfalls zeigt die Haltung der Parteien. Die SVP stimmt dem Vorschlag des Gemeinderats «vorbehaltlos zu», wie sie nach ihrer Parteiversammlung in einer Medienmitteilung schreibt. Gleicher Meinung ist die CVP, die mitteilt: «Es waren sich alle einig, dass die Änderung des Reglements angenommen werden soll.»

Ebenfalls haben SP, FDP und ALG ihre Unterstützung für den Antrag zugesichert. Das letzte Wort hat bekanntermassen das Stimmvolk – und damit auch die Feuerwehrleute selber, die an der Versammlung für ihr Anliegen stimmen können. Ausser natürlich, sie müssen plötzlich ausrücken.