In Baar regt sich Widerstand gegen bewilligtes Bauvorhaben bei der Obermühle

Bezüglich der Bautätigkeiten auf der Wiese hinter der Brauerei Baar ist ein Gesuch, diese zu stoppen, beim Bund eingereicht worden. Nun muss die Gemeinde dem Bund Akten zukommen lassen.

Zoe Gwerder
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Seit Anfang Mai wird auf einem Teil des Areals Obermühle Süd in Baar gebaut. Gleich hinter der Brauerei sollen drei Wohnhäuser entstehen. Für diese liegt sowohl eine Baubewilligung wie auch der verlangte einfache Bebauungsplan vor. Das Bauvorhaben soll nun jedoch gestoppt werden. So wurde beim Bund ein Gesuch um vorsorgliche Massnahmen eingereicht. Dieses verlangt ein befristetes Bauverbot von zwei Jahren sowie den Rückbau der begonnenen Arbeiten.

Das Gesuch stammt von einer Person, die bezüglich der Obermühle-Wiese in der Vergangenheit schon aktiv wurde. Sie will hier jedoch nicht namentlich erwähnt werden. Im Gesuch beruft sie sich auf den Standpunkt, dass im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung, kurz Isos, für die Wiese ein absolutes Bauverbot empfohlen wird.

Ortsbild zu wenig beachtet?

Obwohl das Isos drei Jahre vor der letzten Ortsplanungsrevision publiziert worden war, sei dies bei der letzten Revision wie auch danach nicht beachtet worden – weder von der Gemeinde Baar noch vom Kanton Zug. «In Baar wurde nun während 15 Jahren gemacht, was man will. Dies obwohl man das Isos von Amtes wegen hätte mit einbeziehen müssen.»

Gegen den Bau hinter der Brauerei Baar wurde beim Bund ein Gesuch um vorsorgliche Massnahmen gestellt. Der Gesuchsteller ist der Meinung, dass dort nicht gebaut werden sollte.

Gegen den Bau hinter der Brauerei Baar wurde beim Bund ein Gesuch um vorsorgliche Massnahmen gestellt. Der Gesuchsteller ist der Meinung, dass dort nicht gebaut werden sollte.

Bild: Maria Schmid (25. Mai 2020)

Beim Eidgenössischen Departement des Innern wird der Eingang des Gesuchs bestätigt. «Der Bund kann vorsorgliche Massnahmen zum Schutz von Kulturdenkmälern von nationaler Bedeutung anordnen, wenn einem solchen Objekt unmittelbare Gefahr droht», erklärt Sprecherin Anne Weibel. Das Gesuch werde derzeit geprüft.

Wie die Zuger Zeitung weiss, erhielt nun die Gemeinde eine Aufforderung, «sämtliche relevanten Akten zu fraglichem Bauprojekt» bis am Dienstag, 26. Mai, zukommen zu lassen. Da die Arbeiten bereits im Gange sind, müsse das Gesuch rasch behandelt werden.

Gemeinde sieht sich im Recht

Die Gemeinde Baar sieht der Beurteilung durch das Bundesamt für Kultur, welches das Gesuch nun behandelt, gelassen entgegen. Der zuständige Gemeinderat Jost Arnold erklärt: «Wir haben sämtliche Abklärungen getroffen und hierbei auch das Isos mit einbezogen. Es gingen auch keine Einsprachen ein – die Baubewilligung ist also rechtskräftig.» Gemäss Jost sei man sich um die Brisanz der Bauvorhaben rund um die Obermühle bewusst gewesen. «Wir liessen die vom Gesuchsteller bemängelten Punkte bereits im Bewilligungsverfahren von der kantonalen Denkmalpflege beurteilen.» Diese sei gemäss deren eigenen Angaben befugt, das Isos des Bundes zu vertreten.

Bauherrschaft gibt sich gelassen

Karl Moos, der Vertreter der betroffenen Erbengemeinschaft, ist vom Gesuch überrascht. «Ich sehe für unser Bauvorhaben keine Probleme. Wir haben eine rechtsgültige Baubewilligung.»

Der Entscheid des Bundesamtes für Kultur wird wohl auch für den restlichen Teil des Obermühlen-Areals von Bedeutung sein. Die Vorabklärungen für einen einfachen Bebauungsplan sind dort in der Schlussphase.