In Baar wird Dorfgeschichte über bekannte  Persönlichkeiten erfahrbar gemacht

Die Ausstellung «Baar und ich» widmet sich auf anschauliche Weise elf Biografien. Die Porträtierten haben das Gesicht der Gemeinde in den vergangenen vier Jahrhunderten auf unterschiedliche Weise mitgeprägt.

Andreas Faessler
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Die Macher von «Baar und ich» im Dachstock des Schwesternhauses (von links): die Kulturbeauftragte Fabienne Mathis, der Kurator Adrian Scherrer, der Gestalter Beni Sutter und der Gemeindearchivar Philippe Bart.

Die Macher von «Baar und ich» im Dachstock des Schwesternhauses (von links): die Kulturbeauftragte Fabienne Mathis, der Kurator Adrian Scherrer, der Gestalter Beni Sutter und der Gemeindearchivar Philippe Bart.

Bild: Stefan Kaiser (Baar, 10. März 2020)

Ein Dorf definiert sich unter anderem über seine Geschichte, seine Traditionen und vor allem über seine Bewohner. Mit der Ausstellung «Baar und ich» will die Gemeinde ihre Geschichte der letzten vier Jahrhunderte mittels Biografien illustrer Baarer Persönlichkeiten erleb- und greifbar machen. Elf Menschen vom einst bis heute haben das Gesicht des Zuger Dorfes auf verschiedenen Ebenen geprägt, respektive tun das noch immer.

Die Ausstellung ist die dritte ihrer Art im Schwesternhaus, in dessen Dachstock die Gemeinde seit 2017 Baar-bezogene Kulturprojekte umsetzt. Die Idee zu «Baar und ich» geht auf das Tagebuch des Autors Max Schumacher (1920-1951) zurück, das die Gemeinde 2018 als Schenkung erhalten hat. Von diesem aufschlussreichen Zeitdokument ausgehend, haben sich die Verantwortlichen auf die Suche nach weiteren prägenden Baarer Menschen gemacht. «Dabei haben wir uns vor allem davon leiten lassen, was an Material und Archivalien vorhanden ist», sagt der Gemeindearchivar Philippe Bart. Denn zuweilen sei es schwierig, das Leben einer historischen Person ausreichend nachzeichnen zu können, um damit eine solche Ausstellung zu bespielen. Die gewählten elf Biografien von Menschen aus Politik, Religion, Kultur und Gesellschaft stehen weitgehend in keinem direkten Bezug zueinander, sondern jeder und jede ist ein Kapitel Dorfgeschichte für sich.

Historische Frauenfiguren nur spärlich dokumentiert

Auffallend ist, dass mit Barbara Henggeler-Schmid (1822-1897) nur eine einzige historische Frau in der Ausstellung porträtiert wird. Der Kurator Adrian Scherrer erklärt:

«Das ist hauptsächlich
der Tatsache geschuldet, dass über Frauen früher weniger berichtet und dokumentiert worden ist.»

Auch Henggeler-Schmid habe eher im Hintergrund gewirkt, sei aber sehr einflussreich gewesen. Tatsächlich: Ihre Verdienste im sozialen Bereich waren gross. Nun erhält die Frau eine Würdigung. In der Ausstellung ist ein intimer Liebesbrief von ihrem Mann Wolfgang, dem Spinnereigründer, zu sehen.

Eines der kostbarsten Exponate ist das unhandlich grosse Tagebuch des Ratsherrn Jakob Andermatt (1602-1680), in dem er zuweilen fast jede Handlung niedergeschrieben hat und so einen ungewöhnlich aufschlussreichen Einblick in seine Tagesabläufe gewährt. Weiter finden sich Lokalpatrioten, Dorforiginale, Wohltäter wie auch Kunstschaffende an den Stellwänden. Drei der porträtierten Baarer sind noch immer aktiv und prägen durch ihre Herkunft die Dorfgeschichte weiter.

Das aktuelle Ausstellungskonzept kommt so zum ersten Mal zur Anwendung und nutzt den beschränkten Platz im Dachstock des Schwesternhauses bestmöglich: Es handelt sich um zwei umlaufende Stellwände mit mehreren abgewinkelten Sektoren, wodurch die Biografien klar voneinander abgegrenzt werden. Und doch bleiben Bezüge, wo vorhanden, sichtbar. «Es sind faktisch elf kleine Ausstellungen in einer», sagt dazu die Kulturbeauftragte Fabienne Mathis, die für die Umsetzung hauptverantwortlich zeichnet.

Übersichtlicher Aufbau

Die Idee zu Raumkonzept und grafischer Gestaltung stammt vom Grafiker Beni Sutter. Übergrosse punktierte Konterfeis der Porträtierten markieren den gewidmeten Sektor. Reproduktionen von Originaldokumenten wie Briefe, Fotografien, Zeitungsartikel oder diverse Akten sowie auch original Gemälde und Vitrinenobjekte stellen jeweils einen konkreten Bezug zur Person her. Ausführlichere Informationen zu den einzelnen Porträts liefert ein chronologisch aufgebautes Begleitbüchlein, welches vor Ort erhältlich ist.

So lassen sich elf Baarer Biografien der letzten vier Jahrhunderte auf kleinem Raum ausführlich erfassen. Und im Zuge dessen erfährt der Besucher auch Wesentliches und Neues über die Baarer Dorfgeschichte.

«Baar und ich - elf Biografien aus vier Jahrhunderten» im Schwesternhaus Baar, Leihgasse 9a. Vernissage am Freitag, 13. März, von 18.30 bis 21 Uhr. Ausstellung bis 5. April. Offen Mi 16-19 Uhr, Sa 9-12 Uhr, So, 11-16 Uhr. Öffentliche Führung jeweils So, 11 Uhr.