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In den See steigt sie auch mit 100 Jahren

Edith Straub erblickte vor 100 Jahren das Licht der Welt. Wichtige Stationen in ihrem Leben waren Paris, das Anwaltspatent – als erste Frau im Kanton Zug – und die «Villa am See».
Christian Tschümperlin
Edith Straub, feierte ihren 100 jährigen Geburtstag. Sie hatte ein bewegtes Leben und war die erste Anwältin des Kantons Zug. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 18. Juni 2018))

Edith Straub, feierte ihren 100 jährigen Geburtstag. Sie hatte ein bewegtes Leben und war die erste Anwältin des Kantons Zug. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 18. Juni 2018))

Edith Straub feierte am 13. Juni ihren 100. Geburtstag. Ein Tisch voller Blumen und ein anderer Tisch voller Karten zeugen davon. Straub ist gut aufgelegt, ihre Augen verraten einen wachen Geist. Man nimmt ihr sofort ab, dass man die erste Anwältin des Kantons Zug vor sich hat. Die rüstige Rentnerin lebt noch heute in dem Haus am See, in dem sie als ältestes von fünf Kindern aufgewachsen ist. In dem Anwesen im Jugendstil boten die Eheleute Rosa Etter und Rechtsanwalt Karl Rüttimann, ein «echter Zuger» wie Straub sagt, ihren Sprösslingen eine idyllische Kindheit.

Seither sind viele Tage ins Land gezogen. Wenn sie damals aus dem Fenster schaute, hinaus auf die Strasse, war der Anblick eines vorbeirollenden Autos noch eine Seltenheit. «Im ganzen Bekanntenkreis besassen fünf Leute ein Auto», sagt Straub. Die Strassen boten weitestgehend freie Fahrt für Velos, Trottinets und Rollschuhe. Und so packte sie manchmal ihre Geschwister auf einen Leiterwagen und zog sie hoch zum Haus der Grosseltern. Danach fuhren sie mit dem Leiterwagen die Strasse bergab.

Sie schwamm auch im Winter im Zugersee

Die Jubilarin hat viele Ereignisse kommen und gehen gesehen. Der See ist aber derselbe geblieben. Straub liebt den Zugersee. Bis im Alter von 85 Jahren schwamm sie auch im Winter darin. Und auch nach dem Interview wird sie noch eine Runde drehen. Als erste Anwältin im Kanton Zug hat Straub im Büro ihres Vaters ihre berufliche Laufbahn aufgenommen. Diese Geschichte soll aber in Paris des Jahres 1939 beginnen. Damals bereits Jusstudentin, schickten sie ihre Eltern in die Weltstadt, wo sie sich an der Sorbonne-Universität ins Französische sowie in die Juristerei vertiefte und nicht zuletzt – an der Académie de Couture – in die Weltmode. «In den Frühlingsferien hat mich die Aristokratenfamilie de Bonardy-du Mesnil auf ihr Schloss in Orléans eingeladen, um ihr vier Jahre altes Mädchen zu hüten», erinnert sie sich. «Anfänglich war es gemütlich, wir hatten es lustig», sagt sie. Doch im September brach der Zweite Weltkrieg aus. Orléans war eine Garnisonsstadt. «Plötzlich hörte man es die ganze Nacht rumpeln und krachen, das war furchtbar traurig», sagt Straub. An dem gerangelt vollen Bahnhof erlebte sie am nächsten Tag schlimme Szenen: Weinende Ehefrauen mit Kinderwagen, die sich von ihren Männern verabschiedeten, weil sie an die Front eingezogen wurden. Nach einem Telefongespräch mit ihrem Vater kehrte Straub in die Schweiz zurück, weil die Lage zu gefährlich wurde in Frankreich. Ein halbes Jahr später wurde Herr du Mesnil vermisst. In ihrer Not wandte sich Frau du Mesnil telefonisch an Straub. Dank ihrer Bemühungen konnte der Ehemann über das Internationale Rote Kreuz mit Sitz in Genf wiedergefunden werden.

Jusstudium mitten im Weltkrieg

In den Kriegsjahren konnte Straub ihr Studium an den Universitäten Zürich und Fribourg fortsetzen und ihre juristische Ausbildung 1945 als erste Frau im Kanton Zug mit dem Anwaltspatent abschliessen. Straub wollte beruflich selbstständig werden, wie es ihre Mutter ihr immer beigebracht hatte.

An ihren ersten Fall als Anwältin kann sich die Hundertjährige noch gut erinnern: Ihr Vater hatte ihr die Durchführung eines Prozesses mit einem komplizierten Tatbestand anvertraut, den sie zum Bundesgericht weiterzog und mit Erfolg beendete.

In Lausanne zog sie ihre Kinder alleine auf

1952 heiratete Straub einen verwitweten Bündner mit vier Kindern, der sich in Weinfelden niedergelassen hatte. Die Familie wohnte zunächst im Thurgau, und dann, als ihr Mann Josef Plattner zum Bundesrichter berufen wurde, zogen sie nach Lausanne. Zwei Kinder wurden geboren, Isabelle und Felix. «Es war eine glückliche Ehe», sagt sie. Im Alter von 64 Jahren verstarb ihr Ehemann. Das sei nicht leicht gewesen. Straub kümmerte sich 17 Jahre lang alleine um die zwei jüngeren Kinder.

Ein Lichtblick folgte, als sie 1981 ihren Jugendfreund Gottfried Straub heiratete. Der Direktor von Landis und Gyr hatte seine Ehefrau zuvor verloren. Inzwischen ist leider auch er verstorben. Straub lebt aber weiterhin als stolze Grossmutter von vier Grosskindern in der «Villa am See», wie ihre Mutter zu sagen pflegte, und sagt augenzwinkernd mit Blick auf ein astrologisches Gutachten, das ein Gerichtsschreiber einmal über sie erstellte – sie war im Sternzeichen und Aszendent Zwilling – sie habe im Leben von allem zwei gehabt: Zwei Ehemänner, zwei Kinder und zwei Wohnsitze. Dann fügt sie an: «Ich weiss auch nicht, welcher Heiliger da oben mir ein so langes Leben schenkt.»

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