In der Stadt Zug haben sich Betreuungsgutscheine bewährt

Vor einem Jahr führte Zug ein neues Subventionssystem für die Kinderbetreuung ein. Trotz Mehraufwand ist der Stadtrat zufrieden.

Laura Sibold
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Mit dem neuen Subventionsmodell hat sich der administrative Aufwand von den Krippen zur Stadt Zug verlagert.

Mit dem neuen Subventionsmodell hat sich der administrative Aufwand von den Krippen zur Stadt Zug verlagert.

Symbolbild: Stefan Kaiser

Seit 15 Monaten können Eltern für die Kinderbetreuung Gutscheine bei der Stadt Zug anfordern und erhalten das Geld direkt auf ihr Konto überwiesen. Die Stadt subventioniert nun nicht mehr die Krippenplätze, sondern unterstützt die beitragsberechtigten Eltern direkt. Der Wechsel von der Objekt- zur Subjektfinanzierung sei reibungslos erfolgt, bilanziert Stadträtin Vroni Straub. «Von Beginn an konnte sichergestellt werden, dass vollständig eingegangene Gesuche sofort bearbeitet und die Betreuungsgutscheine rechtzeitig ausbezahlt werden konnten.» Dort, wo es nötig sei, würden laufend Optimierungen vorgenommen.

Im Durchschnitt haben im vergangenen Jahr monatlich die Familien von 252 Kindern einen Betreuungsgutschein erhalten. Dies macht rund einen Drittel aller Kinder in Stadtzuger Kindertagesstätten aus – zwei Drittel sind nach wie vor Selbstzahler. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 profitierten durchschnittlich 246 Kinder von einem subventionierten Krippenplatz.

Mit dem neuen System werden Betreuungsgutscheine bis zu einem massgebenden Einkommen von 120000 Franken ausbezahlt, welches sich aus dem steuerbaren Einkommen sowie einem Teil des Vermögens errechnet. Rund 30 Prozent der Familien mit Betreuungsgutscheinen erhalten den maximalen Gutscheinbetrag, weil sie über ein massgebendes Einkommen von weniger als 18000 Franken verfügen. Der durchschnittliche Betreuungsgutschein beträgt 83 Franken pro Tag. Die städtische Kostenbeteiligung betrug im Mittel 63 Prozent und jene der Eltern 37 Prozent.

Mehr Wettbewerb unter den Kita-Anbietern

Die Zusammenarbeit und der Informationsfluss mit den Eltern und den Kitas funktioniere gut. «Mit dem neuen System haben die Eltern grössere Auswahlmöglichkeiten. Sie können in allen von der Stadt anerkannten Kitas im Kanton Zug Plätze belegen und dafür ihre Betreuungsgutscheine einsetzen», erklärt Vroni Straub. «Dieser Umstand wurde insbesondere von Seiten jener Kitas begrüsst, welche bisher über keine Leistungsvereinbarung für subventionierte Plätze mit der Stadt Zug verfügten.» Die Stadt sorgt so auch bewusst für mehr Wettbewerb unter den Anbietern. Im alten System verfügten nur sechs Kita-Trägerschaften über eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt und boten subventionierte Plätze an. Mit dem neuen Modell setzten die Familien ihre Gutscheine im vergangenen Jahr für die Kinderbetreuung in Kitas von 16 Trägerschaften ein.

Zwar hat sich der Anteil der Kinder mit Finanzhilfen durch den Systemwechsel nicht massgeblich verändert. Doch da die Betreuungsgutscheine unlimitiert verfügbar sind, müssen sich Familien nun nicht mehr auf eine Warteliste für einen subventionierten Platz setzen lassen. So werde ein wichtiger Beitrag für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geleistet, betont die Stadträtin. Die erweiterten Wahlmöglichkeiten für Eltern sorgen aber auch für unterschiedliche Auslastungen in Stadtzuger Kitas. Bei einzelnen Institutionen kann es nach wie vor zu Wartelisten kommen. Der Stadtrat geht aufgrund der Bestandesaufnahme 2019 aber davon aus, dass das Angebot an Kindertagesstätten in Zug für Kinder über 18 Monate ausreichend ist und noch freie Plätze vorhanden sind. Die Wartelisten für Babys seien dagegen lange. Babyplätze sind für die Kitas teuer und werden aufgrund der Gruppenzusammensetzungen sowie wegen des erforderlichen Betreuungsschlüssels nur begrenzt angeboten. In der Stadt Zug sind von den 770 Betreuungsplätzen nur deren 127 Babyplätze. Auf die Angebotsgestaltung der Kitas als private Anbieter könne die Stadt Zug jedoch nicht direkt Einfluss nehmen, so Straub.

«Wir wollten mit der Einführung der Betreuungsgutscheine bewusst weniger in die Kita-Landschaft eingreifen. Der freie Markt hat nun zu spielen begonnen und wird dies weiterhin tun, was sich positiv auf die Qualität der Angebote auswirken wird.»

Verzögerungen bei der Bearbeitung von Gesuchen

Als Herausforderung nennt Vroni Straub den hohen Arbeitsaufwand für die rechtzeitige Gesuchsbearbeitung per 1. Januar 2019. Denn mit dem neuen Subventionsmodell hat sich der administrative Aufwand von den Krippen zur Stadtzuger Verwaltung verschoben. Die Stadt hat eine Mitarbeiterin in einem 50-Prozent-Pensum angestellt, die sich ausschliesslich um die Betreuungsgutscheine kümmert. Das habe jedoch im vergangenen Jahr nicht ausgereicht, sagt Straub. «Der hohe Arbeitsanfall, bedingt durch die Einführung der Betreuungsgutscheine, konnte nur bewältigt werden, weil auf bestehende Ressourcen der Geschäftsstelle Kind Jugend Familie zurückgegriffen wurde.» Auf diese Personalressourcen werde bis auf weiteres zurückgegriffen werden müssen – auch wenn der Arbeitsaufwand inzwischen laufend abnehme. Denn: Anfang Jahr hätten Gesuche aufgrund einer Umstellung der Steuerdatenbank zurückgestellt werden müssen und auch die Coronakrise führe zu Verzögerungen bei der Gesuchsbearbeitung. «Inwiefern die für die Abwicklung der Betreuungsgutscheine zusätzlich geschaffenen 50 Stellenprozente ausreichen werden, wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen, wenn sich endgültig ein ‹Courant normal› eingestellt hat», erklärt die Stadträtin. In spätestens drei Jahren will die Stadt Zug das neue Kinderbetreuungsmodell umfassend evaluieren.