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In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden in Zug Gesichter überklebt

Der Wahlkampf ist in Zug in vollem Gange: Nun hat ein anonymes Kollektiv zu fragwürdigen Mitteln gegriffen, finden die Betroffenen.
Andrea Muff

Der Kanton Zug gehört zu jenen vier Kantonen, die noch nie eine Frau nach Bundesbern geschickt haben. Neben Zug zählen die Kantone Appenzell Innerrhoden, Obwalden und Glarus dazu. Dies soll sich bei der Wahl diesen Herbst ändern: Eine sogenannte Guerilla-Aktion am Wochenende machte auf diesen Umstand aufmerksam. Ein anonymes Kollektiv überklebte insgesamt 54 Gesichter von Kandidaten mit der Botschaft «Wenn schickemer en Frau* nach Bern?!». Die Zahl stehe symbolisch für alle Männer, die Zug bereits in Bern vertreten haben, schreibt die Gruppe in einer E-Mail. Damit wolle man die Bevölkerung und die männlichen Kandidaten daran erinnern, dass es an der Zeit sei, eine Frau nach Bern zu wählen. Als E-Mailanhang finden sich die Wahlplakate von den Ständeratskandidaten Matthias Michel (FDP), Heinz Tännler (SVP), Peter Hegglin (CVP) und den Nationalratskandidaten Thomas Aeschi (SVP) und Andreas Lustenberger (ALG).

Die Beschriftungen wurden auf den meisten Plakaten bereits entfernt. Bild: PD

Die Beschriftungen wurden auf den meisten Plakaten bereits entfernt. Bild: PD

Alt Regierungsrat Matthias Michel hat Verständnis für das Anliegen, dass mehr Frauen im Parlament vertreten sein sollen. «Das gewählte Vorgehen mit der anonymen Beklebung von Plakaten ist jedoch destruktiv, mutlos und nicht zielführend», erklärt er auf Anfrage. Er plädiert dafür, mit offenem Visier und nicht anonym für das Anliegen zu kämpfen. Des Weiteren hätten seine Helferinnen und Helfer die Kleber von den Wahlplakaten weitgehend entfernt. So haben auch die Unterstützerinnen von Kantonsrat Andreas Lustenberger (ALG/Baar) ihr Möglichstes getan und die Kleber, egal von welchem Plakat, wieder entfernt. Lustenberger sagt: «Ich finde das eine fragwürdige Aktion. Die Gesichter von Personen zu überkleben, nützt dem Anliegen nichts.» Er stellt fest, dass die Aktion auch ein Ausdruck der aktuellen politischen Stimmung in Bern sei. «Man sucht nicht mehr gemeinsam nach Lösungen und das ist nicht zielführend.»

Regierungsrat Heinz Tännler findet die Aktion «höchst unsportlich», deshalb habe auch er die Plakate von sich und seinen Mitstreitern wieder in Ordnung gebracht. Fairplay sei für ihn ein zentraler Wert. «Die anonyme Gruppe fühlt sich offenbar in ihrem Anliegen derart überlegen, dass Vandalismus als Form der Gewalt als zulässiges Mittel betrachtet wird.» Mit Verunstaltungen generell muss sich auch SVP-Nationalrat Thomas Aeschi herumschlagen. So wird sein Gesicht auch mal gänzlich übersprayt, mit Hörnern und einem Spruch unter der Gürtellinie versehen. Er stellt fest: «Diese Schmierereien halten mich nicht davon ab, mich weiterhin für die Interessen der Zugerinnen und Zuger einzusetzen. Eine Anzeige erstatte ich keine.» So sehen das auch die anderen angefragten Kandidaten bis auf Ständerat Peter Hegglin, der sagt: «Rechtliche Schritte möchte ich vorbehalten und sind bei einer Wiederholung vertiefter zu prüfen.» Er findet die Aktion deplatziert. «Sie entspricht nicht der gelebten Praxis, in der man mit dem politischen Mitbewerber fair umgeht.» Die Kleber sind ebenfalls bereits von seinen Plakaten entfernt.

Von der anonymen Gruppe gab es keine weiteren Angaben zur Aktion.

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