In Hünenberg herrscht nach der Einwohner-Flut nun Ebbe

Hünenberg ist die einzige Gemeinde im Kanton Zug, die eine Bevölkerungsabnahme in den letzten Jahren verzeichnet. Grund für den Rückgang ist unter anderem wohl auch das 40 Jahre anhaltende, starke Wachstum ab den 1970er-Jahren.

Zoe Gwerder
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Im Kanton Zug gibt es immer mehr Einwohner. Zwischen 2015 und 2018 – Letzteres ist bezüglich Einwohnerzahlen das aktuellste Jahr – kamen rund 4700 Personen hinzu. Dies ist ein Plus von 3,9%. Hierbei haben alle Gemeinden zugelegt – alle, ausser Hünenberg. Die Hügelgemeinde zwischen Reuss und Zugersee hat in all den Jahren nicht nur stagniert. Sie hat gar Einwohner verloren. So wohnten 2018 in Hünenberg 40 Personen weniger als noch 2015. Dies ist ein Rückgang von 0,5%. Die Ennetseegemeinde erreichte somit 2018 mit 8808 einen vergleichbaren Stand wie sie 2012 hatte. Damals waren es 8804 Personen.

Schaut man das Gemeinderanking der «Weltwoche» an, wird ersichtlich, dass Hünenberg im Vergleich zu anderen Zuger Gemeinden im Zeitraum 2015 bis 2018 im hinteren Bereich liegt. «Allerdings war sie 2012 sogar als attraktivste Gemeinde der Schweiz erkoren worden und 2013 lag sie auf dem zweiten Rang», erwidert Gemeindepräsidentin Renate Huwyler. Danach fiel Hünenberg stetig weiter nach hinten. 2015 lag die Gemeinde gar auf dem neunten Rang – im Zuger Vergleich. 2016, als die Kriterien verändert und erweitert wurden, kam sie auf den sechsten, 2017 und 2018 auf den siebten Rang.

Keine neuen Wohnungen, keine neuen Einwohner

Huwyler erklärt sich die rückläufige Entwicklung vor allem mit fehlenden Neubauten. «Einerseits haben wir nur wenige bauwillige Eigentümer. Anderseits gab es bei den beiden Grossprojekten Chrüzacher und Maihölzli aufgrund langer Planungszeit und Einsprachen Verzögerungen.» Dass die Gemeinde selber diesbezüglich aktiv wird, sei jedoch bisher nicht zur Debatte gestanden. Zwar ist sie im Besitz zweier unbebauter Grundstück – auf dem Einen könnte dereinst die zweite Etappe der Maihölzli-Überbauung realisiert werden. Das andere Grundstück liegt im Einzugsgebiet des Schulhauses Rony. Dort warte man bewusst mit dem Bauen zu. «Damit wir nicht noch mehr Kinder haben, die im sonst schon sehr vollen Rony zur Schule gehen», so Huwyler. Nach der Erweiterung des Schulhauses plant die Gemeinde «in den nächsten zehn bis zwölf Jahren, dort nun zu bauen».

Generationenwechsel benötigt Wohnraum

«Wir wollen dabei jedoch hauptsächlich kleinere Wohnungen realisieren», erklärt Huwyler. Einen wahren Bevölkerungsschub erlebte Hünenberg zwischen 1970 und 2012. In den 42 Jahren stieg die Einwohnerzahl von weniger als 2000 Personen kontinuierlich auf die heutigen rund 8800. Weil entsprechend in Hünenberg die meisten Häuser nicht älter als 40 bis 50 Jahre sind, findet derzeit ein grosser Generationenwechsel statt. «Viele ältere Hünenberger möchten gerne aus ihren grossen Wohnungen und Häusern ausziehen und diese weitergeben. Derzeit fehlt es jedoch an genügend kleineren Wohnungen.» Dieser Generationenwechsel sei mit ein Grund für den Rückgang an Personen. Zudem benötigen auch die neuen Familienformen mehr Platz: «Wenn ein Paar mit Kindern getrennte Wege geht, benötigen beide eine Wohnung, in welcher alle Kinder Platz finden. Der Platzbedarf wird entsprechend höher.»

Im Ranking der «Weltwoche» fallen hingegen weitere Faktoren ins Gewicht. Dort büsst die Gemeinde unter anderem im Bereich Erreichbarkeit ein. Huwyler findet den 15-Minutentakt des Busses ab Hünenberg Dorf sowie die S-Bahnhaltestellen in Hünenberg See gut, aber: «Einen verbesserten Anschluss wollen wir für das Siedlungsgebiet Sonnhalde, und die direkte Busverbindung Dorf–See steht immer noch auf der Wunschliste.»

Wachstum in den nächsten Jahren

Sie setzt ihre Hoffnung bezüglich Zuwachs nun auf vier aktuelle Bauprojekte. Wie sie sagt, rechnet die Gemeinde mit den Neubauten Chrüzacher, Maihölzli, St.Wolfgang und im Bösch mit rund 220 Personen, die in Hünenberg ein neues Zuhause finden werden.

Längerfristig ist dies jedoch nicht die Lösung, denn mit dem Überbauen von Grundstücken wird es in Hünenberg bald vorbei sein. Gemäss Huwyler gibt es im Dorf nur noch wenige unbebaute Bauparzellen. Etwas mehr seien es noch in Hünenberg See. «Das Zauberwort wird Verdichtung sein», erklärt Huwyler. «Es wird sich zeigen, ob die Leute bereit sind, näher zusammenzurücken.» Zudem gebe der kantonale Richtplan auch vor, dass die Gemeinde bis in 20 Jahren nicht mehr als insgesamt 10500 Personen umfassen dürfe. Und: «Vor 10 Jahren an der Zukunftskonferenz wurde von den Teilnehmenden festgehalten, dass die Gemeinde nur noch langsam wachsen solle – sodass künftige Generationen die Möglichkeit erhalten, Landflächen auch selber zu gestalten.»