Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

«Gütesiegel» aus Rom: Ein Dorf buhlt um Anerkennung

Bis heute sind die angeblichen Marienerscheinungen im bosnisch-herzegowinischen Dorf vom Vatikan nicht anerkannt. Nun aber erlaubt Papst Franziskus offizielle katholische Pilgerfahrten.
Andreas Faessler
Der Wallfahrtsort Medjugorie in Bosnien-Herzegowina zieht jährlich Millionen von Gläubigen an.

Der Wallfahrtsort Medjugorie in Bosnien-Herzegowina zieht jährlich Millionen von Gläubigen an.

Sie sind die grossen Zentren des christlichen Pilgertums, ziehen jährlich Millionen Menschen an. Mit der Hoffnung auf Heil und Gnade – oder auch nur zur spirituellen Erbauung – reisen Gläubige in Scharen zu den populären Wallfahrtsorten auf dieser Welt, deren wichtigste in Europa etwa Lourdes, Fátima, Santiago de Compostela, Assisi oder Loreto heissen. Sie sind von der katholischen Kirche anerkannt.

Auch Medjugorie steht mittlerweile auf der Liste der meistbesuchten Wallfahrtsstätten Europas, doch das vatikanische «Gütesiegel» ist dem kleinen Dorf im Süden Bosnien-Herzegowinas bislang nicht verliehen worden, weil die Katholische Kirche die spektakulären Marienerscheinungen, welche anno 1981 sechs Kindern in regelmässigen Abständen widerfahren sein sollen und bis heute andauern, als nicht erwiesen deklariert. Zu vage seien die Berichte zu den Apparitionen sowie den Heilsbotschaften, welche die Gottesmutter bis heute in regelmässigen zeitlichen Abständen durch die «Seher» den Gläubigen zukommen lassen soll.

Christus ins Zentrum gerückt

Nichtsdestotrotz wächst der Pilgerstrom nach Medjugorie – umgangssprachlich auch als «grösster Beichtstuhl der Welt» bezeichnet – kontinuierlich an. Bis zu einer Million Pilger und Tausende Geistliche sowie Ordensleute suchen jährlich das kleine Dorf auf, um am «Podbro», dem Ort der mutmasslichen Marienerscheinungen, zu beten, deren rund 42 000 bis dato aufgezeichnet sind. Auch aus der Zentralschweiz finden sich jährlich mehrere Gruppen Gläubiger zusammen, um gemeinsam in den Balkan zu reisen. Mehrere ­Busunternehmen in der Region haben das Dorf als fixes Ziel in ihrem jährlichen Reiseprogramm.

Spätestens seit der Vatikan in Medjugorie vertreten ist, zeigt sich: Die Haltung Roms gegenüber dem Wallfahrtsort ist mittlerweile trotz des Nichtanerkennens eine tendenziell wohlwollende. Im Sommer vergangenen Jahres nämliche besuchte der Apostolische Visitator, Erzbischof Hendryk Hoser, den Marienwallfahrtsort, um sich persönlich ein Bild zu machen. Durch die aufrichtige Verehrung aus inniger Volksfrömmigkeit heraus sah der Erzbischof Christus allein ins Zentrum gerückt. Er hielt fest, dass Medjugorie «Raum für göttliche Gnade durch die Fürsprache der Gottesmutter» biete, die Gottesmutter, die hier als «Königin des Friedens» so innig angerufen und verehrt werde – selbst wenn die angeblichen Erscheinungen, welche den Ort so berühmt gemacht haben, weiterhin nicht anerkannt bleiben.

«Seelsorglich motivierte Entscheidung»

Pfarreien, Diözesen und andere kirchliche Einrichtungen war es bislang nicht gestattet, eigenhändig Pilgerfahrten nach Medjugorie zu organisieren. Nun aber hat Papst Franziskus offiziell seine Erlaubnis dafür gegeben, wie das Presseamt des Vatikans vergangenen Sonntag mitgeteilt hat. Dabei will das Kirchenoberhaupt jedoch betont haben, dass dieser Entscheid nicht dahingehend interpretiert werden dürfe, dass der Vatikan die mutmasslichen Marienerscheinungen von Medjugorie anerkennen würde. Davon hält sich der Heilige Stuhl weiterhin distanziert, respektive ohne abschliessendes Urteil. Aber gemäss des Verantwortlichen der Vatikan-Medien ist der Heilige Vater selbst davon überzeugt, dass in Medjugorie «Gnade ist und es Menschen gibt, die sich bekehren». Grundsätzlich sei die Entscheidung des Papstes «seelsorglich motiviert», wie das vatikanische Presseamt weiter schreibt. Auf diesem Weg finde Erzbischof Hoser geeignete Wege, mit den Organisatoren von Wallfahrten in Kontakt zu treten und sich mit ihnen auszutauschen.

Mit dieser Entscheidung Papst Franziskus’ macht der Vatikan einen Schritt auf Medjugorie zu. Und obschon die Echtheit der Marienerscheinungen aus Sicht des Heiligen Stuhls weiterhin unbezeugt bleibt, darf diese Geste wohl als Zeichen gedeutet werden, dass der Vatikan dem kleinen Dorf als Wallfahrtsstätte und all den Menschen, die dort Heil suchen, positiv gegenübersteht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.