In Steinhausen gibt es ein Haus für gemeinsames Wohnen: Ein Zuger Künstlerduo sucht nach Mietern

In Steinhausen realisiert die Gewoba das erste Haus für gemeinsames Wohnen. Das Künstlerduo Hoffnung+Kiwi machte sich auf ganz eigene Art auf die Suche nach einer geeigneten Mieterschaft.

Lena Hausheer
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Im Steinhauser Bauprojekt der Genossenschaft für gemeinnützigen Wohnungsbau Gewoba steht das Zusammenleben der Bewohnerinnen und Bewohner im Zentrum. Gemeinsam genutzte Räume sollen ein intensiveres Zusammenleben ermöglichen. Dazu gehören beispielsweise eine gemeinsame Terrasse oder Gemeinschaftsräume. Diese unkonventionelle Art des Wohnens fordert unkonventionelle Werbung.

Die Gewoba entschied sich für eine Zusammenarbeit mit dem Zuger Künstlerduo Hoffnung+Kiwi. Severin Hofer und Michel Kiwic wohnen in grossen Wohngemeinschaften, das Zusammenleben mit anderen liegt beiden sehr am Herzen. «Es ist ein fantastisches Konzept und ein sehr schönes Gebäude. Das Haus ist so konzipiert, dass ein Zusammenleben stattfinden kann und sogar muss. Für mich selber ist diese Art des Wohnens äusserst bereichernd», so Kiwic.

Severin Hofer (links) und Michel Kiwic bilden das Künstlerduo Hoffnung+Kiwi. Sie produzieren eine Instagram-Novelle zum gemeinsamen Wohnen.

Severin Hofer (links) und Michel Kiwic bilden das Künstlerduo Hoffnung+Kiwi. Sie produzieren eine Instagram-Novelle zum gemeinsamen Wohnen.

Bild: Maria Schmid (Steinhausen 29. Juli 2020)

Dokumentation eines Prozesses

Ein solches kollektives Wohnen ist nicht jedermanns Sache. Wer mit anderen wohnen will, muss eine Reihe von Kompetenzen aufweisen. Diese wollten Hoffnung+Kiwi bereits im Vorfeld ausloten. Das gemeinsame Zubereiten eines Nachtessens, durchgeführt von den beiden Künstlern, sollte die Teamfähigkeit potenzieller Anwärterinnen und Anwärter testen. «Die Gewoba war von unserer Idee begeistert, die Vorbereitungen liefen schon», sagt Hofer.

«Doch das Virus machte uns einen Strich durch die Rechnung. Das gab dem Projekt eine ganz neue Wendung.»

Hoffnung+Kiwi versuchte sich an einem Podcast über das Thema Zusammenleben. «Kurz vor der Publikation der ersten Episode warfen wir unsere Pläne erneut über Bord. Der Podcast überzeugte uns nicht ganz.» Schlussendlich entstand die Idee, eine Instagram-Novelle zu lancieren. Dabei wird dem Zuschauer in fünf Episoden die regelrechte Odyssee des Kunstprojekts des Duos mit allen Höhepunkten und Niederschlägen erzählt. Hofer und Kiwic selber werden in der Serie von kleinen Plastikfiguren verkörpert. Die Gewoba findet als «Frau Gewoba», ein sprechendes Kartenhaus, ihren Platz und mischt im Hintergrund rege mit. Auch der Zuger Rapper OG Florin ist Teil der Serie.

Bewusste Kooperation mit dem Publikum

Während der Veröffentlichung der fünf Episoden wollten die Künstler bewusst mit dem Publikum kooperieren. Durch gezielte Fragen am Ende jeder Episode und erneuter Publikation der Antworten wurden Inputs gesammelt. «Der langwierige Arbeitsprozess hat unser Projekt sehr geprägt. Aufgrund der erwähnten Hindernisse mussten wir immer wieder Entscheidungen treffen, einander zuhören und auf gegenseitige Bedürfnisse eingehen», erklärt Hofer. «Doch genau diese Prozesse machen auch ein erfolgreiches und spannendes Zusammenleben aus.» Aus den Ideen der Zuschauer entschieden sich Hofer und Kiwic für eine Führung und Besichtigung der Baustelle am Sonntag, 2. August, à la Hoffnung+Kiwi. Das Anmeldeformular dazu und die Folgen der Instagram-Novelle sind unter www.hoffnungkiwi.ch zu finden.

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