In Steinhausen sollen Kinder in besonderer Umgebung lernen

Die ehemalige Primarlehrerin Sara Schuler hat als Reaktion auf ihre Erfahrungen in der öffentlichen Schule eine Privatschule gegründet.

Raphael Biermayr
Hören
Drucken
Teilen
Sara Schuler setzt bei ihrer Schule auf Naturnähe.

Sara Schuler setzt bei ihrer Schule auf Naturnähe.

Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 27. Januar 2020)

Max ist zunächst etwas zurückhaltend, ehe er sich doch noch auf Streicheleinheiten einlässt. Dem schwarzen Kater auf dem Hof Schlumpf in Steinhausen soll in Zukunft regelmässig durch Kinderhände flattiert werden, geht es nach Sara Schuler. Sie plant im Erdgeschoss des ehemaligen Wöschhüslis nämlich die Privatschule Kunterbunt für Kindergärtler bis Zweitklässler. Gegenwärtig ist die Baubewilligung dafür ausstehend.

Schuler ist zuversichtlich, dass das klappen wird. Überhaupt macht sie einen zuversichtlichen Eindruck, aber keinen naiven. Die Hürden, eine Alternative zur Regelschule bewilligt zu erhalten, sind hoch und verlangten ihr Kompromisse ab. Das trifft indes nicht auf ihr Konzept zu, in dessen Zentrum die individuelle Förderung der Kinder steht, verbunden mit einer starken Ausrichtung auf die Natur. Das landwirtschaftliche Umfeld – der Hof gehört ihrem Lebenspartner – bietet zahlreiche Möglichkeiten dazu. Angrenzend an das künftige Schulhaus findet sich beispielsweise ein Hasenstall. «Die Tiere sind sich den Umgang mit Kindern gewohnt», sagt Schuler und spielt damit auf ihre vier im Alter von 5 bis 15 Jahren an.

Keine Noten in der 2. Klasse

Die 45-Jährige arbeitete 20 Jahre lang als Primarlehrerin und Heilpädagogin im öffentlichen Schulsystem. Sie beobachtete mit Unbehagen, dass in der Regelschule der Druck auf die Kinder immer grösser geworden sei. Dennoch stimmt sie kein grundsätzliches Klagelied an, sondern sagt: «Für gewisse Kinder mag das System stimmen. Aber es gibt auch solche, die sich darin nicht wohl fühlen. In unserer Schule steht jedes einzelne Kind im Mittelpunkt.» Um Leistung würde es auch bei ihnen gehen, «schliesslich müssen auch wir die Vorgaben aus dem Lehrplan 21 umsetzen. Es wird auch ab und zu Frust bei den Kindern geben, das ist ganz normal. In solchen Momenten hören wir den Kindern zu, gehen auf ihre Bedürfnisse ein und versuchen unsere Begleitung und Förderung dem Kind anzupassen.» Noten wird es im Gegensatz zur öffentlichen Schule auch in der 2. Klasse keine geben.

Dass für Sara Schuler trotz ihrer Überzeugungen der Wille der Kinder über allem steht, lässt sich aus einer Äusserung über ihren jüngeren Sohn (5) ableiten. Jenen würde sie ebenfalls auf dem Hof betreuen wollen, denn:

«Ihn in das System einzugliedern, würde mir momentan das Herz brechen», sagt sie. «Aber wenn es sein Wunsch wäre, wie seine älteren Geschwister die normale Schule zu besuchen, dann dürfte er das natürlich tun.»

Die Eltern zahlen bis zu 1800 Franken im Monat

Der Standort der «Kunterbunt» ist zwar ein Vorteil in Bezug auf die naturnahe Ausrichtung, birgt aber auch einen Widerspruch in sich. Denn sie befindet sich ganz am Steinhauser Ortsrand, in der Nähe der Baumschule. Viele Schüler würden deshalb wohl mittels Autos transportiert werden. «Damit auch diese Kinder das Erlebnis Schulweg haben, würden wir die Eltern anhalten, die Kinder so weit wie möglich zu Fuss zur Schule gehen zu lassen», sagt Schuler.

So sehr sie die Idee hinter der Schule in den Vordergrund stellt und sich gegen Kalkulationen sträubte, so genau weiss die Gründerin, dass sich diese auch finanziell bezahlt machen muss. Schliesslich sind unter anderem die Lehrer zu entlohnen. Je nach Grösse und Zusammensetzung der altersdurchmischten Kindergruppen steigen die Vorgaben an die Zahl des Personals und damit die Kosten. Die Schule Kunterbunt hat zwar einen Trägerverein, der sie unterstützt, den Löwenanteil würden aber die Eltern finanzieren. Die monatliche Gebühr ist einkommensabhängig und variiert für das obligatorische Kindergartenjahr respektive die 1. und 2. Klasse zwischen 1250 bis 1800 Franken.

Ein paar Anfragen interessierter Eltern habe Sara Schuler bereits erhalten. Ende April will sie entscheiden, ob die «Kunterbunt» im kommenden Schuljahr den Betrieb aufnehmen wird. Als Knackpunkt zwischen Gelingen und Misslingen könnte sich die Ganztagesbetreuung herausstellen. Diese wird nämlich nur an zwei Tagen angeboten. «Vor allem für auswärtige Familien könnte das ein Hinderungsgrund sein», mutmasst Schuler. Sollte die Privatschule ab August nicht zustande kommen, würde sie das Projekt nicht beerdigen, sondern es in Bezug auf die Ganztagesstruktur überarbeiten.

Doch mit diesen Gedanken will sie sich derzeit nicht eingehender befassen. Schliesslich überwiegt die Zuversicht. Auch bei Max, dem Kater: Auf dass er bald noch mehr Streicheleinheiten erhalten wird.

Kritik an der Montessori-Schule war nicht verächtlich

Die Staatsanwaltschaft Schwyz hat ein Verfahren wegen Ehrverletzung und Verleumdung zu Recht eingestellt. Das Kantonsgericht entschied, dass der Vergleich der Schule mit einer «Auto-Abbruch-Firma» ironisch zu verstehen sei.
Lena Berger
Interview

Luzerner Schulen überdenken Hausaufgaben

Kriens zieht nach dem ersten Halbjahr ohne Hausaufgaben eine erste positive Bilanz. Der Präsident des kantonalen Schulleiterverbands erläutert, wie sich der Systemwechsel in Kriens auf andere Schulen auswirkt.
Susanne Balli