In Zug können Wildtierbeobachtungen online gemeldet werden

Viele Wildtiere leben im Siedlungsgebiet. Beobachtungen können nun auf einer Website gemeldet werden.

Carmen Rogenmoser
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Füchse sind oft gesehene Bewohner in Siedlungsgebieten.

Füchse sind oft gesehene Bewohner in Siedlungsgebieten.

Leserbild: Edgar Huber (Jenins, 16. Juni 2018)

Schnell huscht die Katze vor dem herannahenden Auto über die Strasse und verschwindet auf der anderen Seite im Gebüsch. Erkennbar war nur der buschige Schwanz. Ein buschiger Schwanz bei einer Katze? Vielleicht war die vermeintliche Katze eher ein Fuchs. Der Gedanke ist gar nicht so abwegig. Unzählige Wildtiere haben im Siedlungsraum ein Zuhause gefunden. Um mehr darüber zu erfahren, wurde 2016 das schweizweite Projekt Wilde Nachbarn ins Leben gerufen. Seit diesem März gibt es nun auch einen lokalen Ableger im Kanton Zug.

«Viele unserer wilden Nachbarn leben versteckt, sind nachtaktiv oder weichen uns Menschen aus. Das Projekt Wilde Nachbarn will diese heimlichen Siedlungsbewohner sichtbar und erlebbar machen», erklärt Anouk Taucher, wissenschaftliche Mitarbeiterin. Dazu werden gemeinsam mit der Bevölkerung Beobachtungen von Wildtieren gesammelt. «Mit der Zeit ergeben diese Zufallsbeobachtungen in ihrer Summe ein gutes Bild von der Verbreitung und dem Vorkommen von Arten», führt die Wildtierbiologin weiter aus.

Die Bevölkerung kann so der Wissenschaft helfen

Diese Art der Erhebung von Daten nennt sich Citizen Science. «Das Spezielle daran ist, dass nicht nur ausgebildete Wissenschaftler, sondern auch Laien an Forschungsprojekten mitarbeiten können. Den Bürgern wird so die Möglichkeit geboten, aktiv an der Wissenschaft teilzuhaben», heisst es auf der Website. Im Gegenzug ermöglicht das eine breite und umfangreiche Datenerhebung. Das wissenschaftliche Team verfolgt drei Hauptziele. Erstens gehe es darum, die Bevölkerung für die Wildtiere vor der Haustüre zu sensibilisieren. Zweitens sollen Wissenslücken geschlossen werden: «Bei vielen Tierarten gibt es keine systematischen Bestandesaufnahmen», so Taucher. Dadurch können Trends und Bestandesänderungen frühzeitig erkannt werden. Schliesslich sei das dritte Ziel, mit den gesammelten und analysierten Daten die Grundlagen für den Schutz und die Förderung von Wildtieren im Siedlungsgebiet gewährleisten zu können.

Bereits kann das Projekt Erfolge vorweisen. Auf den Plattformen www.wildenachbarn.ch und www.stadtwildtiere.ch – dem Schwesterprojekt für städtische Siedlungsgebiete – wurden über 30000 Beobachtungen gemeldet. Die Plattform wurde als Meldeplattform für den neuen Säugetieratlas genutzt, welcher im Frühjahr 2021 erscheinen soll, führt Anouk Taucher aus.

Im Kanton Zug kann man sich auf unterschiedliche Weise beteiligen. Alle können mitmachen und Beobachtungen von Wildtieren auf der Meldeplattform eintragen. «Besonders wertvoll sind Beobachtungen mit Bildern», sagt die Biologin. Ein Blick in die Galerie zeigt, dass das Projekt in Zug bereits Anklang gefunden hat. Fast jeden Tag wird eine Beobachtung eingetragen. So ist zum Beispiel zu sehen, dass im Gebiet Raten in Oberägeri öfters Rehe unterwegs sind, in Cham werden Igel beobachtet und in Morgarten wurden gar Feldhasen gesehen. Getragen wird das Projekt vom Kanton Zug, von neun Gemeinden und lokalen Naturschutzorganisationen.

Die Website finden Sie unter https://zug.wildenachbarn.ch.