In Zug wurden deutlich mehr Konkursverfahren eröffnet

Der Arbeitsaufwand wird beim Zuger Konkursamt in Zukunft wohl noch mehr steigen.

Laura Sibold
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Nach einem Jahr mit unterdurchschnittlich wenig neu eröffneten Konkursverfahren hat sich die Statistik 2019 wieder eingependelt: 451 Konkurse hat das Zuger Kantonsgericht im vergangenen Jahr eröffnet – das sind 81 Verfahren mehr als im Vorjahr. «Somit befinden wir uns mit der Anzahl Konkurseröffnungen genau im Durchschnitt der letzten zehn Jahre», erklärt Andreas Hess, Leiter des Handelsregister- und Konkursamtes Kanton Zug.

Der Gesamtbetrag der zu Verlust gekommenen Forderungen, für die im Jahr 2019 ein Verlustschein ausgestellt wurde, erhöhte sich laut Mitteilung des Zuger Konkursamtes auf rund 36,4 Millionen Franken; 2018 waren es rund 34 Millionen. Von den neu eröffneten Konkursen entfielen 406 Verfahren auf im Handelsregister eingetragene Firmen und Personen. Davon wurden 139 Verfahren (Vorjahr 137) aufgrund einer ordentlichen Betreibung und 74 Verfahren (Vorjahr 44) aufgrund von Bilanzdeponierung eröffnet.

Mehr Mängel und Bilanzdeponierungen

Von den 451 Konkurseröffnungen haben 60 Prozent ihren Ursprung im Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs – das sind 276 Verfahren; im Vorjahr waren es 220. Der Anstieg an eröffneten Verfahren habe aber noch einen anderen Grund, erklärt Hess: «Bei 40 Prozent der Konkurseröffnungen ist keine Überschuldung, sondern ein Organisationsmangel die Ursache.» 2019 lag bei 175 Konkurseröffnungen ein Organisationsmangel vor – das sind 25 Fälle mehr als 2018. Ein Mangel besteht, wenn die Organisation einer Gesellschaft hinsichtlich Verwaltung, Vertretung oder Revision nicht den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. Als Beispiel nennt Hess eine Aktiengesellschaft, in welcher der letzte Verwaltungsrat zurückgetreten ist. «Ist dieses Organ nicht besetzt, besteht ein Organisationsmangel. Behebt die AG den Mangel nicht, wird sie aufgelöst.»

Fünf Verfahren wurden wieder eröffnet, weil Vermögenswerte auftauchten. Zusätzlich wurden drei Konkurse, die von ausländischen Gerichten eröffnet worden sind, auf die Schweiz ausgedehnt. Für 44 ausgeschlagene Erbschaften ordnete das Kantonsgericht die Liquidation an.

Über 100 Verfahren mehr auf 2020 übertragen

Insgesamt hatte das Konkursamt im vergangenen Jahr 833 Verfahren zu behandeln. 2018 waren es mit 826 fast genauso viele. 54 Konkurse wurden nach durchgeführtem Verfahren geschlossen, 265 mangels Aktiven eingestellt. In fünf Fällen erfolgte ein Widerruf des Verfahrens, 19 Konkurseröffnungen wurden erfolgreich angefochten.

Im Vergleich zum Vorjahr wurden mit 490 Pendenzen 116 Verfahren mehr auf das Jahr 2020 übertragen. Schuld sind die eingangs erwähnten 81 Konkurseröffnungen. «Wir hatten mehr Arbeit auf dem Tisch, sodass bisherige Verfahren teils nicht fortgeführt werden konnten», erklärt Andreas Hess. Darüber hinaus würden die Verfahren komplexer und hätten mehr mit dem Ausland zu tun, was wiederum zu Verzögerungen führen könne.

«Die Arbeit bleibt für uns aber stemmbar.»

Danach gefragt, ob man in Zukunft mit weniger Pendenzen rechnen könne, verneint der Amtsleiter. Zwar habe man per 2020 zwei zusätzliche Stellen bewilligt bekommen, die kurzfristig für Entlastung sorgen. Bereits ab 2021 rechne man jedoch mit einem drastischen Anstieg der Anzahl Verfahren. Dann tritt ein neuer Passus in Kraft, gemäss welchem auch für Gesellschaften ohne gültiges Domizil eine Liquidation angeordnet wird. «Das wird uns etwa 150 Verfahren mehr bescheren», prognostiziert Hess.