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INDUSTRIE: Gemü will Werk in Rotkreuz schliessen

Der Kunststoff-Spezialist Gemü spürt den starken Franken und streicht 80 Jobs in Zug. Dafür wächst die Belegschaft in Emmen.
Maurizio Minetti
Die Firma Gemü schliesst ihr Werk in Rotkreuz. (Bild Werner Schelbert)

Die Firma Gemü schliesst ihr Werk in Rotkreuz. (Bild Werner Schelbert)

Maurizio Minetti

Dieser Tage feiert die Gemü GmbH in Rotkreuz ihr 35-Jahr-Jubiläum. Die Schweizer Niederlassung des deutschen Ventilherstellers versteht sich seit Jahrzehnten als Kunststoff-Kompetenzzentrum innerhalb der global tätigen Gemü-Gruppe. Die Ventile für industrielle Anwendungen werden von Rotkreuz aus in die ganze Welt versandt. Nach Feiern ist der Belegschaft aber sicher nicht zu Mute. Die Angestellten erfuhren gestern nämlich, dass der Produktionsstandort bis Mitte 2018 geschlossen werden soll.

Standort ist zu teuer

«Neben den historisch gewachsenen Fertigungsstrukturen am Standort Rotkreuz macht uns natürlich auch der starke Franken zu schaffen», begründet Kai Hermes den Entscheid. Der 49-Jährige ist seit 2013 Chef der Schweizer Niederlassungen von Gemü. Der Kostendruck in der Industrie habe in den letzten Jahren merklich zugenommen. Die Gruppe habe deshalb entschieden, die Kapazitäten zu bündeln. «Ich habe für den Zuger Standort gekämpft», sagt Hermes. Die Gruppenleitung habe aber klar signalisiert, dass es in der Schweiz erhebliche Kostennachteile gebe.

Bei Gemü in Rotkreuz arbeiten derzeit rund 80 Personen. Hinzu kommen rund 15 Mitarbeitende, die zwar in Rotkreuz stationiert sind, aber Funktionen für die ganze Gruppe erfüllen. Während diese Jobs gesichert sind, wird es unter den 80 Angestellten in der Produktion zu einem Stellenabbau kommen. «Wie viele Jobs letztlich wegfallen werden, können wir noch nicht sagen, weil das Konsultationsverfahren noch läuft», sagt Hermes. Dass es Kündigungen geben wird, gilt aber als sicher. Gewerkschaften seien nicht involviert, man führe die Gespräche direkt mit der Belegschaft. Ein Sozialplan sei in Arbeit.

Der Stellenabbau soll stufenweise erfolgen. «Wir rechnen damit, dass wir im Spätherbst erste Stellen verlagern werden», so Hermes. Der Grossteil der Produkte soll künftig an den bestehenden Standorten innerhalb der Gruppe gefertigt werden. Gemü fertigt in Deutschland, China, Brasilien, Frankreich und in den USA.

70 Angestellte in Emmen

Sicher ist, dass ein Teil der Stellen in Emmen aufgefangen werden soll. Wie viele es sein werden, hänge von der Geschäftsentwicklung der sogenannten Reinraumprodukte am Standort Emmen ab, erklärt Hermes. In Emmen hat Gemü im Herbst 2012 auf der grünen Wiese ein neues Reinraumwerk aufgezogen. Schon damals verlagerte Gemü Stellen von Rotkreuz nach Emmen. Heute beschäftigt Gemü rund 70 Personen in Emmen. Es sei nie zur Debatte gestanden, auch dieses Werk zu schliessen, sagt Hermes: «Wir haben viel investiert in den Reinraum.»

In Emmen stellt Gemü einerseits medizintechnische Geräte aus Kunststoff her. Das sind zum Beispiel Systeme zur Implementierung von Herzkathetern oder zur externen Fixierung von Knochenbrüchen. Die zweite Sparte in Emmen fertigt Kunststoffventile, die zum Beispiel bei der Herstellung von Mikrochips zur Anwendung kommen.

Gemü-Werk in Emmen läuft gut

Nach Angaben von Hermes läuft das Geschäft in Emmen gut. Offensichtlich weniger gut lief es zuletzt in Rotkreuz. Hermes will dazu aber keine konkreten Angaben machen. Der Umsatz der beiden Schweizer Werke liegt schätzungsweise im tiefen zweistelligen Millionenbereich.

Für die Angestellten in Rotkreuz dürfte die Erfolgsgeschichte in Emmen ein schwacher Trost sein. Sie müssen entweder um ihre Stelle fürchten oder künftig einen längeren Arbeitsweg in Kauf nehmen.

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