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INFORMATIK: Die neue Software wird jetzt getestet

Seit gestern ist in der Stadt Zug das neue Programm für die Einwohnerkontrolle im Einsatz. Ein Skandal soll damit bald ein Ende finden.
Charly Keiser
Gut zu erkennen: die Eingabemaske für die neue Software auf einem Bildschirm bei der Stadtzuger Einwohner­kontrolle. (Bild Stefan Kaiser)

Gut zu erkennen: die Eingabemaske für die neue Software auf einem Bildschirm bei der Stadtzuger Einwohner­kontrolle. (Bild Stefan Kaiser)

Charly Keiser

Bekanntlich tut sich der Kanton Zug mit der Software für die Einwohnerkontrolle äusserst schwer. So wurde das Projekt Isov-Einwohnerkontrolle 2013 nach einem grossen Knall gestoppt. Die Kosten für das sechs Jahre lange dauernde Desaster belaufen sich auf 2,9 Millionen Franken (siehe Box).

Der Regierungsrat des Kantons Zug, vertreten durch die Finanzdirektion, hat in der Folge die Neuplanung an die Hand genommen und das Projekt «Nerz, neues Einwohnerregister Zug» lanciert. Die Software wurde im Oktober 2014 öffentlich ausgeschrieben. Anders als zuvor und ob der schlechten Erfahrungen lag das Gewicht auf der Wahl einer Standardlösung. Der Zuschlag ging im März 2014 an die Firma OBT AG in Zürich. Diese offerierte das Produkt «Nest Einwohnerkontrolle», das bei vielen Gemeinden und Städten in der Schweiz erfolgreich im Einsatz ist, wie die Finanzdirektion gestern in einer Medienmitteilung schreibt.

Pilotprojekt in der Stadt Zug

Nach der Vergabe seien 14 Monate zusammen mit den Gemeinden intensiv am Projekt gearbeitet worden. Dank der Wahl einer Standardsoftware und eines kompetenten Partners sei man gut vorangekommen, heisst es weiter. Die Einführung der Software in den Gemeinden erfolge gestaffelt, wobei die Stadt Zug als Pilotgemeinde fungiert. Die übrigen Gemeinden werden die neue Software nach dem Pilotbetrieb und somit im Laufe der Monate August und September in Betrieb nehmen. Das Projekt wird Ende Jahr unter den budgetierten Kosten von 1,7 Millionen Franken abschliessen, schreibt die Direktion weiter.

Ist das Produkt «Nest Einwohnerkontrolle» so viel günstiger als die gescheiterte Lösung, weil es sich um eine Standardsoftware handelt? «Ja», antwortet Finanzdirektor Heinz Tännler, der seit Anfang Jahr neu dem Amt für Informatik und Organisation (AIO) vorsteht. «Und weil Sonderwünsche der Gemeinden auf ein absolutes Minimum reduziert wurden.» Was heisst das für künftige Softwarebeschaffungen? Mittlerweile sei es so, dass der Kanton Zug wenn immer möglich den Einsatz von Standardsoftware anstrebe, sagt Tännler. Das werde auch vom AIO so empfohlen beziehungsweise sei Bestandteil der Informatikstrategie, erklärt der Finanzdirektor und fügt an: «Es braucht heutzutage auf Kantonsstufe in kaum einem Bereich mehr Software-Individualentwicklungen.»

Fixpreis vereinbart

Ob es denn eine Garantie gebe, dass Nest funktioniere – und nicht «auch auf einmal» teurer werde? «Wir haben mit der verantwortlichen Lieferfirma einen Werkvertrag», klärt Tännler auf: «Dieser garantiert die Abnahme eines fest definierten Lieferumfanges zu einem Fixpreis.» Der Zuschlag an diese Firma habe im Übrigen die Betriebskosten auf fünf Jahre ebenfalls zu einem fixen Preis festgeschrieben, ergänzt Heinz Tännler. «Wir garantieren, dass die Gesamtlösung über die nächsten fünf Jahre preislich stabil bleibt.»

Und wie sieht es mit zusätzlich notwendiger Hardware aus? Ja, es brauche neue Hardware, bekennt Tännler und relativiert: «Diese macht in diesem Projekt aber einen Kostenanteil von lediglich fünf Prozent aus. Es handelt sich dabei um ‹gewöhnliche› PC-Server.»

Und die Software ist erweiterbar, wie die Nachfrage ergibt. Sie habe alle relevanten sogenannten «eCH-Standards» implementiert, die garantieren würden, dass die Lösung schweizweit mit anderen Fachlösungen, zum Beispiel im Steuer- oder Schulbereich, zusammenarbeitet könnte, sagt Tännler. «Die Lösung verfügt also über Schnittstellen, die den Datenaustausch mit vielen anderen Systemen erlaubt.»

Skandal-Nachwehen dauern an

Geschichtekk. Fast 3 Millionen Franken haben der Kanton und die Gemeinden mit dem Projekt Isov-Einwohnerkontrolle in den Sand gesetzt. Gestartet wurde das Projekt 2006, gestoppt Anfang 2013. Das «Informatiksystem für öffentliche Verwaltungen Einwohnerkontrolle 5» sollte in allen Zuger Gemeinden eingesetzt werden. Doch die eigens angepasste Software funktionierte nicht. Mitte 2014 kam es im Kantonsrat zum ersten Showdown im Isov-Skandal: Dies bei der Präsentation des Berichts der Ad-hoc-Kommission, die die Vorkommnisse um das Projekt untersuchte. Die Kommission forderte in einer Motion, die vom Rat fast einstimmig überwiesen wurde, diverse Abklärungen bezüglich der künftigen Abwicklung von Informatikprojekten der kantonalen Verwaltung. Ausserdem wurde der Regierungsrat darin verpflichtet, in Sachen Software über die Bücher zu gehen und zehn Empfehlungen der Kommission verbindlich umzusetzen.

Zurück an den Absender

Doch genau dem kam die Regierung in ihrem Bericht und Antrag zur Motion nicht nach, wie der Kantonsrat Ende Februar dieses Jahres monierte. Mit 63 zu 11 Stimmen wies der Rat das Geschäft an den Regierungsrat zurück und verlangte die Überarbeitung von sechs der zehn Empfehlungen der Ad-hoc-Kommission. Der Kantonsrat pochte auf künftig deutlich mehr Verantwortung für das Amt für Informatik und Organisation und eine gewisse Zentralisierung der kantonalen IT.

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