INITIATIVEN: Diskussion um L+G-Haus in Zug neu entfacht

Die Verwaltung der Stadt Zug soll in der Altstadt bleiben und die Stadt soll den 2012 erworbenen Hauptsitz von Landis+Gyr (L+G) wieder verkaufen. Das fordert die Zuger Doppelinitiative, die am Donnerstag mit je über 900 beglaubigten Unterschriften (nötig wären 800) eingereicht wurde.

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Das ehemalige Landis&Gyr-Gebäude beim Bahnhof Zug ist als zukünftiger Verwaltungssitz umstritten. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Das ehemalige Landis&Gyr-Gebäude beim Bahnhof Zug ist als zukünftiger Verwaltungssitz umstritten. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die Stimmberechtigten hatten im September 2012 mit einer 55,8-Prozent-Mehrheit ihren Segen gegeben zum Kauf der L+G-Liegenschaft, einem Stück lokaler Industriegeschichte aus dem Jahr 1944. Der Preis belief sich auf 52,2 Millionen Franken.

Vorgesehen war, die Verwaltung aus mehreren Altstadthäusern an diesem Standort zusammenzufassen. Die frei werdenden Altstadt-Häuser sollten anderen Zwecken geöffnet werden. Das überparteiliche Initiativkomitee unter der Co-Leitung des ehemaligen FDP-Kantonalpräsidenten Andreas Kleeb und der CVP-Kantonsrätin Vreni Wicky bekämpft dies.

Die Initiative "JA zur historischen Altstadt" verlangt, dass die städtische Verwaltung in der Altstadt bleiben müsse. Dies sei "gelebte Tradition", eigens dafür seien Häuser in der Altstadt gekauft worden. Als wichtigste Arbeitgeberin im historischen Zentrum leiste die Stadt einen Beitrag zu deren Lebendigkeit und dafür, dass sie nicht zum Spekulanten-Spielball verkomme.

"JA zu gesunden Stadtfinanzen" fordert den Weiterverkauf der L+G-Liegenschaft innerhalb der nächsten zehn Jahre. Damit könnte die Stadt hohe Folgekosten vermeiden. Allein die Sanierung auf eine zeitgemässe Feuer- und Erdbebensicherheit werde Millionen kosten.

"Mogelpackung" zur Abstimmung gebracht

Das Komitee wirft dem Stadtrat vor, er habe dem Volk eine "Mogelpackung" untergejubelt. Von hohen Sanierungskosten etwa sei damals keine Rede gewesen. Im Unterschied zur Bevölkerung habe der Stadtrat zudem schon vor der Abstimmung gewusst, dass die Stadt ein strukturellen Finanzproblem habe.

In seiner Mitteilung vom Donnerstag fährt das Komitee schweres Geschütz auf: Vorderhand müsse "offen bleiben, ob der Stadtrat im Sommer 2010 vorsätzlich oder fahrlässig die wahren Sanierungs- und Unterhaltskosten dem Stimmvolk vorenthalten hat".

Seit Anfang 2014 liege eine "wirklich spannende Option" auf dem Tisch: Der kantonale Baudirektor hatte gegenüber Medien erklärt, dass der Kanton das L+G-Gebäude allenfalls kaufen könnte. Ein Teil der Verwaltung könnte dort einziehen und die Stadt könnte im Gegenzug das kantonale Verwaltungsgebäude am Postplatz in der Altstadt übernehmen.

Langfristig vorteilhaft

In einer Mitteilung hält Stadtpräsident Dolfi Müller (SP) die Vorteile des Liegenschaftenerwerbs fest. Die heute auf sieben Liegenschaften verteilte Verwaltung lasse sich so an einem Standort konzentrieren. Damit müssten weniger Gebäude unterhalten werden, was die Verwaltung langfristig kostengünstiger mache.

Zweitens ziehe die Verwaltung voraussichtlich erst in fünf Jahren ein. Bis dahin vermiete die Stadt das L+G-Gebäude an Dritte und erwirtschafte damit einen Netto-Ertrag von mehr als 8 Millionen Franken. Und auch, wenn die Verwaltung eingezogen sei, benötige die Stadt nicht das gesamte Gebäude - ein Teil werde weiterhin vermietet und bringe somit Erträge in die Stadtkasse. (sda)