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INNOVATION: Selbstfahrender Bus fährt mit sechs Kilometer pro Stunde durchs Zuger Zentrum

Seit Sonntag ist der selbstfahrende Shuttlebus in Zug unterwegs. Gestern morgen drehte er unter anderem einige Runden ums Einkaufszentrum Metalli, ein Teil davon bereits selbstständig. Ziel ist es, dass er seine zukünftige Fahrtumgebung genau kennen lernt.
Christopher Gilb
Der selbstfahrende Shuttle, wie er von der Baarerstrasse in die Metallstrasse abbiegt. (Bild: Christopher Gilb (Zug, 26. März 2018))

Der selbstfahrende Shuttle, wie er von der Baarerstrasse in die Metallstrasse abbiegt. (Bild: Christopher Gilb (Zug, 26. März 2018))

«Ist das GA in dem gültig?», fragt ein Busfahrer der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) scherzend in Richtung des selbstfahrenden Shuttlebusses, der gestern Vormittag gegen zehn Uhr an der Bushaltestelle vor dem Metalli in Richtung Baar steht. «Hier darf man gratis mitfahren», antwortet ihm ZVB-Projektleiter Ruedi Haas.

Der Shuttle ist ein gemeinsames Projekt von SBB, Mobility, ZVB, Stadt Zug und Technologiecluster Zug. Während zweier Wochen macht er nun unter Aufsicht die ersten Testfahren auf der Strasse. Am Sonntag gings los. «Gestern hat er die Strecke erfasst, heute geht es nun um die Feinjustierung», erklärt Haas. Der Shuttle lerne, jeden festen Gegenstand und jede Kante im Bereich seiner Strecke zu erkennen. «Wie etwa diese Werbetafel sagt er und zeigt auf eine Werbetafel in der Nähe. Ziel ist, dass er die Strecke dann auf zwei Zentimeter genau selbstständig fahren kann», so Haas.

Auf dem virtuellen Schienensystem

Seine Umgebung scannt der Shuttle mit der Lidar-Fernmessung, eine Fernmesstechnik, die Lichtbündel auswertet, welche zum Sender zurückgestreut werden. Das unterscheidet ihn von selbstfahrenden Autos, die sich an GPS-Punkten orientieren. «Auf seinen Probefahrten erstellt der Shuttle nun ein virtuelles Schienensystem, auf dem er sich künftig autonom fortbewegt», erklärt Brigitte Buchmann, die bei Mobility für das Projekt zuständig ist. «Ziel ist es, dass er möglichst flüssig fährt.» Deshalb würden unbewegliche Dinge auf der Strecke registriert und der passende Abstand dazu eingestellt. «Möglicherweise ist heute ein Parkplatz nicht belegt, morgen aber schon. Deshalb fahren wir die Strecke mehrfach ab», so Buchmann. Zudem werde definiert, wie schnell der Shuttle an gewissen Stellen vorbeifahren könne und wo Rechtsvortritt gelte. «Das Fahrzeug verfügt in diesen Punkten über keine künstliche Intelligenz.» Auch für bewegliche Sachen müssten deshalb Sicherheitsabstände definiert werden, erklärt sie. Wenn jemand über die Strasse laufe, reduziere sich das Tempo bereits 20 bis 30 Meter davor – und beschleunige sich erst wieder, wenn der Weg frei sei. «Zudem macht das Fahrzeug eine Vollbremsung, wenn es in einem bestimmten Radius ein Hindernis erkennt», so Buchmann.

Doch für den Moment befindet sich noch einer junger Mann mit einem Kontrollpad im Shuttle, mit dem er diesen steuern kann. Haas steigt zu ihm ein. Die erste Runde beginnt. Securitys sperren die Strasse ab. Mit sechs Kilometer pro Stunde geht es los. Der Shuttle fährt ums Metalli. Überall bleiben Passanten staunend stehen und machen Fotos. «Ein Teil der Strecke hat er nun schon ohne Steuerung also autonom zurückgelegt», erklärt Haas nach der Fahrt stolz.

Keine Fahrt ohne Begleitperson

Nach jeder Runde nimmt ein Programmierer eine Feinjustierung vor. «Das anspruchsvolle bei den Testfahrten ist, dass der Shuttle, den regulären Busbetrieb nicht unterbrechen und den Verkehr nicht gross stören darf», so ZVB-Projektleiter Hass. Gegen Mittag werde es deshalb schwierig. Geplant ist, dass der Shuttle zwischen dem Bahnhof Zug und dem Technologiecluster Zug verkehrt. Wenn die aktuelle Phase erfolgreich verläuft, wird der Pilotbetrieb erweitert, und erste Testgruppen können das Fahrzeug nutzen. Ziel des Projekts ist es, aufzuzeigen, wie solch ein Shuttle sinnvoll in das Mobilitätsangebot der Stadt Zug integriert werden kann. Eine Fahrt ganz ohne Personal wird es aber in der Schweiz derzeit nicht geben. «Man erhält nur eine Zulassung, wenn eine Begleitperson im Fahrzeug ist», erklärt Brigitte Buchmann von Mobility. Diese könne dann entsprechend eingreifen.

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

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