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INTEGRATION: Viele Russen ziehts nicht mehr heim

Sonderbewilligungen für reiche Russen haben die Gemüter in Zug erregt. Die meisten ihrer Landsleute fühlen sich hier längst zu Hause – und schicken ihre Kinder deshalb auf öffentliche Schulen.
Wolfgang Holz

Wolfgang Holz

«Wir leben jetzt schon sechs Jahre in Zug, und uns gefällt es hier sehr», sagt eine junge russische Mutter. Ihre Kinder sind zwei und fünfeinhalb Jahre alt, und ihr ältestes besucht seit kurzem den lokalen Kindergarten ihrer Wohngemeinde. «In Zug ist es so ruhig, so sauber und so sicher, dass wir es uns eigentlich nicht vorstellen können, wieder nach Russland zurückzugehen», meint die frühere Moskauerin. Wobei sie nicht nur ihre Kinder in schweizerische Schulen schickt – sie selbst nimmt mit zwei anderen Russinnen auch an einem Deutschkonversationskurs teil, den das Zentrum Skazka-Zug in Baar anbietet.

«Skazka» heisst auf Russisch so viel wie «Märchen», und das Zentrum bietet seit 2008 für russische Kinder Kurse an – damit diese nicht ihre russische Sprachfertigkeiten verlieren, wenn sie nun in der Schweiz leben und auf heimische Schulen gehen. Denn, wie Leiterin Elena Castro (42) erklärt, es gehen inzwischen 80 Prozent der rund 120 Kinder zwischen 2 und 12 Jahren, die zu «Skazka» nach Baar kommen, um Russisch zu lernen oder um die Spielgruppe zu besuchen, in staatliche Schulen in Zug. «Für viele Kinder ist Russisch eben nur eine Muttersprache, Deutsch oder Englisch ihre zweite Muttersprache, weil ihre Eltern aus verschiedenen Nationen kommen», so die «Skazka»-Leiterin. Bei 30 bis 40 Prozent ihrer Klienten seien beide Elternteile russisch.

Bei anderen Expats nicht so

Doch – egal, ob beide Eltern Russen sind oder nur die Mutter oder der Vater – der Wille, auf Dauer in Zug zu bleiben und sich so gut wie möglich zu integrieren, scheint unter russisch sprechenden Zugern immer stärker ausgeprägt. Nicht zuletzt, wenn es um die Schulwahl ihrer Kinder geht. Das kann auch Markus Kunz, Leiter der Schulaufsicht im Kanton Zug, bestätigen. «Es gibt zwar kein statistisches Zahlenmaterial, aber es deuten alle Indizien daraufhin, dass immer mehr Russen ihre Kinder in öffentliche Zuger Schulen schicken, weil sie eben langfristig planen hierzubleiben.» Gerade bei der jüngsten Orientierungsveranstaltung seien rund 30 russischsprachige Personen anwesend gewesen.

«Diese zeigten sich auffallend interessiert an unserem öffentlichen Schulsystem und stellten zwei Stunden lang sehr detaillierte Fragen», so Kunz. Viele Russen schätzten eben die Stabilität in Zug und in der Schweiz und bekundeten mit ihrem Willen, ihre Kinder vermehrt auf öffentliche Schulen zu schicken, eine Art Commitment in Sachen Integration. Bei Expats aus angelsächsischen Ländern sei dagegen zu beobachten, dass Staatsschulen keinen so guten Ruf wie Privatschulen genössen. «Dabei ist unser schweizerisches Schulsystem wirklich sehr gut», so Kunz.

Russischkurse für die Ehepartner

Dass das schweizerische Schulsystem für Russen durchaus Überraschungen offeriert, kann Elena Castro von «Skazka» bestätigen. «Eine Realschule wie hier kennt man in Russland nicht, ebenso wenig die duale Berufsausbildung.» Andererseits seien viele russische Eltern ganz klassisch daran interessiert, möglichst genau zu erfahren, welche Bedingungen ihre Kinder erfüllen müssen, damit sie ins Gymnasium gehen können. Sie selbst lebt nun schon zwölf Jahre in Zug und fühlt sich nicht nur über all die Anlässe an der staatlichen Schule, die eines ihrer Kinder besucht, mit einheimischen Eltern bestens vernetzt. «Man lernt ja auch über die Hobbys und die sportlichen Aktivitäten der Kinder sowie über die Nachbarn schweizerische Familien kennen», sagt sie. Ausserdem sei sie Mitglied im örtlichen Kirchenchor: «Und wir haben schon Rachmaninow gesungen.»

Allerdings gibt es auch Kehrseiten der russischen Integration in Zug, wo derzeit gemäss Staatssekretariat für Migration rund 900 Personen aus russischsprachigen Nationen leben – darunter 692 Russen. Offenbar sind manche Russinnen unzufrieden, weil sie keinen Arbeitsplatz finden, wie zu hören ist. Für russische Frauen ist es selbstverständlich, wie früher auch in der Sowjetunion, dass sie arbeiten gehen. Deshalb kehren manche wieder zurück. Doch das ist wohl die Minderheit. Denn bei «Skazka» wird neu sogar ein Russischkurs für nicht russische Eheleute angeboten. Castro: «Damit sie besser verstehen, was ihre russischen Partner zu Hause so alles reden.»

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