Das Betreuungsangebot für Bewohner von Jugendwohnungen in Zug wird intensiviert

Das Fachzentrum für Eltern, Kinder und Jugendliche Punkto Zug führt sechs betreute Jugendwohnungen im Kanton. Nun soll das Angebot ausgebaut werden.

Cornelia Bisch
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In betreuten Jugendwohnungen können junge Menschen während ihrer Lehrzeit wohnen.

In betreuten Jugendwohnungen können junge Menschen während ihrer Lehrzeit wohnen.

Bild: PD

In den sechs bestehenden Jugend-Wohngemeinschaften des Fachzentrums für Eltern, Kinder und Jugendliche Punkto Zug wohnen 25 Jugendliche zwischen 16 und 23 Jahren. Die Wohnungen befinden sich in Cham, Baar und Zug. «Meist absolvieren die Bewohner eine Lehre oder eine Zweitlehre und können aus verschiedenen Gründen nicht mehr zu Hause wohnen», berichtet Michael Gisler, der gemeinsam mit seiner Kollegin Karen Graf bei gesamthaft 120 Stellenprozenten die Jugendlichen betreut.

«Wir halten mindestens alle zwei Wochen in jeder WG eine moderierte Sitzung ab, in der wir organisatorische und zwischenmenschliche Probleme und Schwierigkeiten diskutieren.» Einmal pro Woche statten die beiden Sozialpädagogen jeder WG zudem einen Überraschungsbesuch ab. «Dabei verschaffen wir uns einen Eindruck über die Situation in der Wohnung, die Ordnung, Sauberkeit und so weiter», erklärt Gisler. «Wenn uns etwas auffällt, sprechen wir mit den Jugendlichen darüber.»

Bei Bedarf dürften sie auch einzeln auf die beiden Betreuer zugehen und einen Gesprächstermin vereinbaren. «Grundsätzlich müssen sie aber schon sehr selbstständig sein. Wir können nicht mit jedem Bewohner wöchentlich ein einstündiges Gespräch führen.» Oft stellt Gisler jedoch fest, dass sich die Jugendlichen auch gegenseitig helfen und unterstützen. Ziel sei es, den Ausbildungserfolg der jungen Menschen mit Wohnsitz oder Ausbildungsplatz im Kanton Zug möglichst zu gewährleisten.

Modular aufgebautes Betreuungssystem

«Wir sind davon überzeugt, dass das Bedürfnis nach intensiver betreuten Wohnplätzen für Jugendliche im Kanton Zug besteht», stellt Geschäftsführer Roberto Sansossio fest. Deshalb arbeiten die Fachleute von Punkto Zug seit einiger Zeit an einem Konzept mit dem Arbeitstitel «Jugendwohnungen Plus». Bedingt durch verschiedene Stellenwechsel Ende letzten Jahres verzögerte sich jedoch die Umsetzung. Auch Roberto Sansossio ist erst seit Dezember 2019 im Amt.

Das vorliegende Konzept von «Jugendwohnungen Plus» überzeugt ihn nicht ganz. «Es sieht eine stark intensivierte Betreuung vor. Mir fehlen die Zwischenschritte», erklärt er. Dem studierten Psychologen und Psychotherapeuten schwebt ein modular aufgebautes Betreuungssystem vor. «Noch steht das neue Konzept nicht. Aber meine Idee wäre, dass sämtliche Jugendlichen drei Module durchlaufen würden.»

Im Rahmen des ersten – des Abklärungs- und Eintrittsmoduls – würde geprüft werden, welche Bedürfnisse die Person habe und in welche Wohngruppe sie am besten passen würde. «In einem zweiten Schritt würde die Betreuungsintensität individuell abgeklärt und vereinbart werden.» Am Ende des Aufenthalts in der Wohngruppe, der zwischen einigen Monaten und mehreren Jahren dauern kann und in der Regel mit dem Erreichen des Lehrabschlusszeugnisses beendet wird, würde dann im Austrittmodul die künftige Selbstständigkeit trainiert werden.

Individuelle Betreuung

«Die Bedürfnisse der jungen Leute sind sehr unterschiedlich», erläutert Sansossio. Deshalb sei es wichtig, die Betreuungsintensität individuell zu vereinbaren. «Manche stecken in einer Lebens- oder Entwicklungskrise, andere haben gravierende Probleme in der Familie oder sind vernachlässigt und finden ohne Unterstützung nicht mehr in den Alltag zurück.» Diese Menschen bräuchten mehr Betreuung über eine längere Zeit. «Dabei muss man vorsichtig vorgehen, damit keine Abhängigkeit entsteht», so der erfahrene Psychologe. «Mein Motto lautet: Ich helfe dir dabei, mich so rasch wie möglich wieder loszuwerden.»

Das modulare Betreuungskonzept soll nach einer konkreten Bedarfsanalyse im Verlauf des Jahres 2020 entwickelt werden. Voraussichtlich im Januar 2021 wird «Jugendwohnungen Plus» im Kanton Zug vorerst in den bestehenden Wohnungen angeboten werden.