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INTERNET: «Eltern sollten früh zeigen, wo die Grenzen liegen»

Der Fall von Paul (12), der von einem Pädophilen in dessen Wohnung gelockt wurde, schockiert. Der Kripochef der Zuger Polizei sagt, worauf Eltern achten sollten.
Interview Wolfgang Holz
Was Kinder im Internet treiben, bleibt für ihre Eltern oft im Dunkeln. (Symbolbild Keystone/Leo Thal)

Was Kinder im Internet treiben, bleibt für ihre Eltern oft im Dunkeln. (Symbolbild Keystone/Leo Thal)

Thomas Armbruster, ist der Fall Paul aus Ihrer Sicht eine neue Dimension in Sachen Internetkriminalität gegenüber Kindern?

Thomas Armbruster: Die zahlreichen Chat-Rooms wie auch die verschiedenen Online-Spiele sind leider ein beliebtes Tummelfeld für Leute, die mit klaren Absichten auf der Suche nach Kindern sind. So wie sich das Internet und die Kinder weiterentwickeln, so entwickeln sich auch die Täter weiter. In der heutigen Zeit sind die Möglichkeiten für pädophile Erwachsene vielfältiger als früher. Mit der vorhandenen Technik müssen sie ihre Stube nicht mehr verlassen, sondern können von daheim, komplett anonym, mit Kindern in Kontakt treten. Dies alles führt dazu, dass die Fallzahlen und insbesondere auch die Dunkelziffer hoch sind.

Aber mit welchen Lockmitteln werden denn Kinder oder Jugendliche dazu gebracht, sich einem Chatpartner preiszugeben und auf konkrete Forderungen einzugehen?

Armbruster: Die Täter haben ein gutes Gespür, wie sie Kinder manipulieren können. Ihre Hauptstrategie ist der Vertrauensaufbau. Die Täter merken schnell, welche Probleme ein Kind hat, oder welche Themen es beschäftigt. Zum Beispiel, dass die Eltern viel streiten, das Kind oft alleine ist oder Probleme in der Schule hat. Dies nutzen Pädophile gekonnt aus und geben dem Kind genau das, was sie brauchen: nämlich Vertrauen und Verständnis. So gelingt es ihnen in Kürze, eine Beziehung aufzubauen.

Das hört sich ja bedenklich an – schliesslich hat ja jede normale Familie ihre Problemzonen. Was kann man dagegen bloss tun?

Armbruster: Wichtig ist, dass die Kinder schon früh wissen, wo die Grenzen liegen und dass sie nur Dinge tun, welche sie wirklich auch wollen und wobei sie sich wohl fühlen. Es muss ihnen klar sein, dass ihr Körper ihnen alleine gehört und sie zu allem Nein sagen dürfen. Auch sollen sie keinen fremden Leuten Fotos oder Videos von sich schicken und sich auch nicht vor dem Computer ausziehen. Wenn ein Mädchen oder Junge sich im Chat bewegt, dauert es meistens nur wenige Sekunden, bis sie angeschrieben werden. Bereits nach ein paar Minuten folgen die ersten sexuellen Anfragen und Äusserungen. Bis zu einem möglichen Treffen kann es aber mehrere Wochen oder sogar Monate dauern, bis der Täter das Vertrauen des Kindes gewonnen und eine Beziehung aufgebaut hat. Da sind die Täter ebenfalls vorsichtiger geworden und gehen sehr gezielt vor.

Das ist ja schrecklich

Armbruster: Ebenfalls kommt es regelmässig vor, dass die Täter einen anderen Weg wählen und versuchen, über die Mutter an das Kind heranzukommen. Dafür suchen sie sich gezielt eine alleinstehende Frau aus und bauen einen Kontakt mit ihr auf. Nach einer Weile rückt dann aber das Kind ins Zentrum – das eigentliche Ziel. Mit Geschenken oder auch speziellen Ausflügen werden die Beziehung und das Vertrauensverhältnis gestärkt. Zudem kann der Täter auf die Geheimhaltung bauen, da das Kind die sexuellen Sachen zwar nicht will, sich aber oft schuldig fühlt, so wie Mama mit dem neuen Freund glücklich ist, und das Kind nicht will, dass Mama wieder traurig wird.

Ab welchem Alter sollten Kinder überhaupt in Chats gehen dürfen, und was sollten sie beachten?

Armbruster: Verbieten kann und sollte man das Internet wie auch die verschiedenen Chats nicht. Dies alles gehört zu unserer Zeit. Und diese Plattformen erleichtern auch den Alltag und bieten viele Vorteile. Allerdings lauern dort auch Gefahren. Darauf sollten die Kinder sensibilisiert werden. Es ist deshalb wichtig, dass die Eltern sich Zeit nehmen, ihrem Kind den sicheren Umgang mit dem Internet beizubringen und es auch auf die Gefahren aufmerksam machen. Die Kinder müssen lernen, sich richtig zu verhalten. Wird ein Kind in einem Chatroom beispielsweise sexuell angemacht, soll es zurückschreiben, dass es dies den Eltern erzählen wird. Unter gar keinen Umständen darf es ein Treffen vereinbaren.

Was können Eltern da tun?

Armbruster: Sehr zu empfehlen ist es, gewisse Seiten zu sperren. Hier gibt es verschiedene Schutzprogramme, welche sehr gut sind und helfen, dass die Kinder nicht auf Seiten landen, die nicht für sie bestimmt sind. Eltern sollten mit dem Kind auch über seine Chat-Erfahrungen sprechen und ihm erklären, welche Gefahren im Internet lauern und welche Regeln es einhalten muss. Die Eltern sollten sich auch für die Internettätigkeiten der Kinder interessieren, sich erklären lassen, welche Seiten sie besuchen, wie diese funktionieren und was das «Coole» daran ist. Es soll nicht eine Überwachung sein, sondern ein Interesse an der Tätigkeit der Kinder. Dies fördert auch das Verständnis und das Vertrauen der Kinder. Auch sollte man den Kindern genau erklären, was wichtig und was verboten ist. Denn Kinder ab dem 10. Lebensjahr können sich strafbar machen. Auch für die zeitliche Nutzung des Internets sollten Regeln aufgestellt werden, an denen sich die Kinder orientieren können. Es ist ganz wichtig, dass die Kinder spüren, dass die Eltern ihnen vertrauen und nicht nachspionieren. Dies bedeutet aber nicht, dass man die Internetnutzung nicht kontrollieren soll. Die Eltern sollen die Geräte, ob Tablet oder Handy, von Zeit zu Zeit anschauen. Am besten geschieht dies mit dem Kind zusammen, so findet gleichzeitig wieder ein Gespräch statt.

Wie viele solcher Fälle mit Chats, bei denen Kindern und Jugendlichen unseriöse Angebote gemacht werden, passieren eigentlich im Kanton Zug?

Armbruster: Wir haben immer wieder Fälle, bei denen es zur Anzeige kommt. Dies ist meistens dann, wenn Eltern etwas feststellen, oder wenn Kinder sich den Eltern anvertrauen, weil es ihnen plötzlich zu heiss wird. Es kann zum Beispiel sein, dass das Kind schon länger mit einer Person chattet, sich dann aber plötzlich nicht mehr wohl fühlt, da die andere Person etwas Komisches will oder fordert. Genaue Zahlen haben wir nicht. Es gibt aber sicherlich eine hohe Dunkelziffer.

Interview Wolfgang Holz

Hinweis

Weitere Informationen zu sicherem Chatten und Internetsurfen für Kinder und Jugendliche gibt es unter www.jugendundmedien.ch. Zudem empfiehlt die Zuger Polizei die Broschüre «My little safebook», Belästigungen im Internet: Was Du wissen solltest, unter www.skppsc.ch

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