INTERNET: So wird in Zuger Verwaltungen gesurft

Für die Staats­angestellten im Kanton gelten diverse Nutzungsregeln. Die Kontrolle dieser Vorgaben basiert hingegen häufig auf Vertrauen.

Samantha Taylor
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Eine geringfügige private Nutzung des Internets ist in den Verwaltungen im Kanton erlaubt. (Archivbild Maria Schmid)

Eine geringfügige private Nutzung des Internets ist in den Verwaltungen im Kanton erlaubt. (Archivbild Maria Schmid)

Facebook durchstöbern, Musikvideos anschauen oder sogar der Besuch von Sex- und Pornoseiten: Zu rund 60 Prozent wird in der Luzerner Kantonsverwaltung das Internet für private Zwecke verwendet. Das sogenannte «Web-Gate» sorgte in den letzten Tagen für Diskussionsstoff. Mittlerweile hat die Luzerner Regierung eine Administrativuntersuchung angekündigt.

Das Verhalten der Angestellten aus dem Nachbarkanton ruft auch in Zug die Frage auf den Plan, wie es denn Staatsangestellte mit der Internetnutzung halten? Diese lässt sich allerdings nicht so leicht beantworten, da keine entsprechenden Erhebungen vorliegen. Toleriert wird bei Kantonsangestellten eine «zeitlich geringfügige private Nutzung», wie René Loepfe, Leiter vom kantonalen Amt für Informatik und Organisation (AIO), sagt. Und er verdeutlicht: «Das heisst, dass die Arbeitsleistung der Mitarbeitenden nicht beeinträchtigt werden darf.»

Newsseiten sind beliebt

Beim Kanton gilt: Es dürfen nur Webseiten abgerufen werden, die geschäfts- oder auftragsrelevant sind. Programme dürfen jedoch nicht selbstständig installiert werden. Weiter ist es unter anderem nicht erlaubt, privat kostenpflichtige Webseiten aufzurufen, private Geschäfte zu tätigen oder Finanztransaktionen durchzuführen. «In jedem Fall verboten ist der Abruf von Webseiten mit erotischen, rassistischen oder gewalttätigen Inhalten», führt Loepfe weiter aus. Die Nutzung des Internets werde überwacht. «Nicht zulässiger Internetverkehr wird unterbunden. Dieser liegt aber im Promillebereich. Und es werden auch Seiten gesperrt», so Loepfe.

Im Rahmen der Überwachung erstellt das AIO auch eine Hitliste der meistaufgerufenen Seiten. Diese zeigt: Die kantonalen Angestellten tummeln sich am liebsten auf Newsseiten. Angeführt wird die Liste zwar von Google. Auf Platz zwei liegt aber die Seite des Online-Newspor­tals «20 minuten», gefolgt von «Blick», «Facebook» und dem «Tages-Anzeiger». Loepfe: «Diese Hitliste verändert sich kaum.»

Stadt sperrt Pornoseiten

Ganz ähnlich wie der Kanton halten es auch die Gemeinden mit den Bedingungen für die Internetnutzung. So verfügen etwa die Gemeinden Cham, Baar und die Stadt Zug über entsprechende Reglemente, die den Mitarbeitern abgegeben werden. Privates Surfen – so der Tenor aus den Gemeinden – ist erlaubt, sofern es sich in Massen hält und die Arbeit dadurch nicht beeinträchtigt wird. Eine übermässige Nutzung sowie das Konsumieren von illegalem, rassistischem oder erotischem Material ist ebenfalls untersagt. Die Stadt Zug setzt sogar spezielle Tools ein, um Pornoseiten zu sperren. «Facebook, Twitter und Youtube sind aber zugänglich, da die Seiten auch offiziell von der Verwaltung genutzt werden», erklärt Daniel Truttmann, Leiter Informatik. Zudem werde aufgezeichnet, was in der Stadtverwaltung gesurft werde. «Es werden aber nur bei explizitem Verdacht auf Missbrauch entsprechende Zahlen an Vorgesetzte weitergeleitet», so Truttmann.

Weniger Kontrolle gibt es in Baar und Cham. «Es gibt bei uns zwar keine technischen Kontrollen. Aber es ist in der Verantwortung des Vorgesetzten, über die Arbeiten der Mitarbeitenden im Bild zu sein», sagt Alex Bieler, Leiter IT bei der Gemeinde Baar. Und Chams Gemeindeschreiber Martin Mengis führt aus: «Wir hatten bisher keinen Filter oder Sperrungen installiert. Es bestehen aber keine Hinweise, dass unsere Vorgaben nicht eingehalten wurden.» Allerdings würden nun im Zusammenhang mit der Informatik-Umstellung auf die Stadtverwaltung Zug bald auch in Cham die gleichen Filter wie bei der Stadt installiert.

Schulen setzen auf Prävention

Mit Nutzungsregeln konfrontiert sind nicht allein die Mitarbeiter der Verwaltungen. Auch an den Schulen gibt es eine klare Linie. «Die Schülerinnen und Schüler unterzeichnen eine ICT-Charta, in der definiert wird, wie sie die Mittel der Schule nutzen dürfen.» Das beinhalte etwa, dass sie sich nur auf Internetseiten bewegen dürften, die von den Lehrpersonen vorgegeben würden, erklärt Matthias Christen, ICT-Verantwortlicher der Schulen Baar. Zudem benutze man einen Webfilter, der den Zugang zu gewaltverherrlichenden, rassistischen, diskriminierenden und pornografischen Seiten sperre und die Google-Suche zu entsprechenden Stichworten unterbinde. Solche Filter greifen auch bei den Stadtzuger und den Chamer Schulen sowie an der Kantonsschule. Kontrolle besteht an den Schulen ausserdem, weil die Schüler das Internet nicht anonym nutzen können. «Eine anonyme Nutzung der Geräte ist nicht möglich. Auch für den Gebrauch des WLAN ist ein persönlicher Account erforderlich», erklärt André Kottmeyer, Verwaltungsleiter der Kantonsschule Zug.

Daneben wird auch auf Prävention gesetzt. «Bereits in der Primarschule führen die ICT-Pädagogen regelmässig Schulungen zum Thema Umgang mit Medien durch. Aktuell entsteht ein ‹Knigge› zum gewissenhaften Umgang mit PCs», sagt Philip Fuchs, Rektor der Schulen Cham. Und Matthias Christen ergänzt: «Einen 100-prozentigen technischen Schutz gibt es nie, darum sind Aufsicht und Prävention zentral.»

Samantha Taylor