INTERNETKRIMINALITÄT: Darknet-Portal hinterlässt Spuren in Zug

Die US-Justiz will Vermögenswerte bei einem Bitcoin-Pionier in Zug einziehen. Die Firma verweist auf ihr Abwehrdispositiv gegen kriminelle Gelder. In der Schweiz wird bisher nicht ermittelt.

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Auf AlphaBay wurden unter anderem Anleitungen für Hacker verkauft. (Bild: Screenshot)

Auf AlphaBay wurden unter anderem Anleitungen für Hacker verkauft. (Bild: Screenshot)

Balz Bruppacher

Der jüngste Schlag der US-Justiz gegen die Schattenwelt des Internets hallt bis ins Zuger Krypto-Valley nach. Es geht um den Kanadier Alexandre Cazes, den Gründer des Darknet-Portals AlphaBay, das die USA zusammen mit einem weiteren illegalen Internet-Marktplatz im Juli schliessen liessen. Der 25-jährige Cazes wurde am 5. Juli in Thailand verhaftet und sieben Tage später erhängt in seiner Zelle aufgefunden. Die Behörden gehen von Selbstmord aus. AlphaBay machte mit Drogen- und Waffenhandel, Computerkriminalität und weiteren illegalen Aktivitäten mehrere hundert Millionen Dollar Umsatz im Jahr.

Am 19. Juli ordnete die US-Justiz die Einziehung des weltweiten Vermögens von Cazes und seiner thailändischen Frau an. In der 27-seitigen Klageschrift figurieren unter anderem ein Konto bei einer nicht näher bezeichneten Schweizer Bank mit 781 000 Dollar sowie Gelder, Fonds und Kredite im Zusammenhang mit den Bitcoin-Konten bei der Firma Bitcoin Suisse AG in Baar (das Unternehmen hat seinen Sitz im letzten Februar nach Zug verlegt). Cazes wollte laut der US-Anklageschrift mit seinen Bitcoin-Konten in Zug unter anderem den Kauf einer 2,4 Millionen Euro teuren Villa auf Zypern finanzieren. Er soll auch am Erwerb der zypriotischen Staatsbürgerschaft interessiert gewesen sein.

Die Bitcoin Suisse AG wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht zum Einziehungsbeschluss der US-Justiz äussern. «Wir können weder zu diesem noch zu einem anderen spezifischen Fall etwas bestätigen oder dementieren», erklärte der CEO der Firma, Niklas Nikolajsen. Denn dies stünde im Widerspruch zum Auftrag und zur Verantwortung des der Geldwäschereigesetzgebung unterstellten Finanzintermediärs. In Übereinstimmung mit diesen Verpflichtungen arbeite die Firma aber stets voll mit den Schweizer Behörden zusammen, und zwar mit der Geldwäscherei-Meldestelle, den Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden sowie mit den Gerichten.

Verfahren der Schweizer Behörden sind im Zusammenhang mit dem Schlag der US-Justiz gegen das Darknet-Portal AlphaBay zurzeit nicht im Gang. Ein Rechtshilfegesuch der USA sei bisher nicht eingegangen, heisst es beim Bundesamt für Justiz. Auch die Bundesanwaltschaft führt in diesem Zusammenhang kein Strafverfahren.

Bei Geldwäschereiverdachtsmeldungen entscheidet die Meldestelle des Bundes über eine Weiterleitung an die Bundesanwaltschaft. Die eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) überwacht die Bitcoin Suisse AG nicht direkt. Das Unternehmen muss aber die gesetzlichen Sorgfaltspflichten im Kampf gegen die Geldwäscherei einhalten. Zu diesem Zweck ist es Mitglied bei einer von der Finma anerkannten Selbstregulierungsorgani­sation (SRO), dem Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen (VQF).

Firmenchef: «Wir tun mehr als die meisten Firmen»

Nach Auskunft von CEO Nikolajsen war die Bitcoin Suisse AG vom VQF letztmals im vergan­genen Februar geprüft worden. Neben einigen allgemeinen Empfehlungen, die bereits umgesetzt seien, habe die Prüfung zu keinen Bemerkungen der Aufseher Anlass gegeben. Bei den internen Vorschriften geht das Unternehmen laut seinem Geschäftsführer in den meisten Bereichen über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. «Bitcoin Suisse hat einen ausgezeich­neten Ausweis in Sachen Com­pliance und eine sehr geringe Häufigkeit von betrügerischen Kunden im Vergleich zu den meisten anderen Finanzinstituten», erklärte Nikolajsen.

Die 2013 gegründete Bitcoin Suisse gehört zu den bekannteren Firmen der im sogenannten Krypto-Valley im Kanton Zug ansässigen Fintech-Firmen. Zu den Kunden gehören unter anderem die Stadt Zug und die Falcon Private Bank.