Leserbrief

Irgendjemand muss die Arbeit machen

«20 Wochen sind die grosse Ausnahme», Ausgabe vom 10. Juli

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Ein interessanter Aspekt der Elternzeit respektive des Vaterschaftsurlaubes wird gerne vergessen – oder muss man sagen verschwiegen? Die alten Arbeitnehmer werden ausgemustert und durch Junge ersetzt, danach aber wird gejammert, dass diese bei Mutter- respektive Vaterschaft lange fehlen.

Warum aber wird dann nicht berücksichtigt, dass ältere Personen eher selten Kinder bekommen? Irgendjemand muss die Arbeit machen, auch wenn es für Mütter und Väter schön ist, nebst den üblichen fünf Wochen Ferien nochmals ein paar Wochen oder lieber noch Monate der Arbeit fernzubleiben, um sich um den Nachwuchs zu kümmern. Nur weil jemand Mutter oder Vater wird, erledigt sich der Job nicht von selbst. Wer reinigt das Spital, pflegt die Kranken, unterrichtet die Kin­‑ der in der Schule oder füllt die Regale im Supermarkt? Keiner will auf etwas verzichten, mit der Begründung, diese/r Mitarbeitende ist im Elternurlaub, wir erledigen ihre An‑ frage gerne in sechs Monaten.

Jedes Jahr kommen rund 60000 Kinder zur Welt, bei einer Elternzeit von sechs Monate würden damit 30000 Arbeitsjahre ausfallen, sprich wir benötigen 30000 Arbeitskräfte, die in dieser Zeit die Arbeit erledigen, natürlich nur für diese Zeit, weil ja jede und jeder wieder zum Job zurückkehren will und die Aushilfe dann wieder gehen kann.

Ob das genau die Jobs für die älteren Arbeitnehmer wären? Immerhin sind diese meist flexibel, schnell verfügbar, interessiert am Arbeiten. Wer kommt auf die Idee, die Elternzeit mit Arbeitslosen zu überbrücken? Einen Versuch wäre es wert, und es wäre eine Wertschätzung der älteren Generation für die nächste Generation.

Karl Künzle, Menzingen