IRRTUM: Das Pfahlbaubrot war eigentlich gar keins

Seine Nachahmung wurde von Bäckereien lanciert. Doch das prähistorische Zuger Pfahlbaubrot war nie essbar – ganz im Gegenteil.

Christian Volken
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Die Kopie (Bild: PD)

Die Kopie (Bild: PD)

Es war ein ganz seltenes Exponat aus der Pfahlbauerzeit: Seit 15 Jahren preist das Museum für Urgeschichte(n) in Zug einige Fundstücke als «Brötchen aus der Jungsteinzeit» an. Im April schaffte es das Zuger Pfahlbaubrot, von hiesigen Bäckereien als feines Gebäck mit Dinkel und Haselnüssen nachempfunden, zum Titel «Brot des Jahrtausends».

Überraschung aus dem Labor

Doch jetzt ist der archäologische Fund aus Zug-Galgen in einem Wiener Labor auf seine Zusammensetzung hin untersucht worden. Die Hoffnung war, dadurch genauere Angaben zur Zusammensetzung des jungsteinzeitlichen Brots zu erhalten. Die Analyseergebnisse bergen eine besondere Überraschung: Die Forscher haben sich in Wien nicht über ein Stück Brot gebeugt – es handelt sich um ein Stück Dung. Für die Fachleute des Amts für Denkmalpflege und Archäologie sowie das Museum ist das eine herbe Enttäuschung. Ein schwacher Trost, dass das Stück Kot – von welchem Tier es auch immer stammt – deutlich älter ist als die Überreste der Zuger Pfahlbausiedlungen. Wie die Radiokarbon- Altersbestimmung gezeigt hat, wurde das vermeintliche Brot offenbar gut 6000 Jahre vor der Zeit der Pfahlbauer «hergestellt».

Brot bleibt in den Regalen

Die Macher der aktuellen Ausstellung «Einfach tun – Archäologie vom Experiment zum Erlebnis» waren von den «Brötchen» dazu inspiriert worden, im Museumsgarten einen Pfahlbauer-Backofen nachzubauen und in Betrieb zu nehmen. Daran will das Museum festhalten. Zusätzlich verfolgen Fachleute nun weiter, was es mit diesem mittelsteinzeitlichen Dung auf sich hat. Und das Zuger Pfahlbaubrot, die schmackhafte Nachahmung des unappetitlichen Originals, bleibt bei den Bäckereien im Sortiment.