Interview
Isabelle Gerig zur Niederlage im Unihockey-WM-Final: «So zu verlieren, war schon hart»

Die Rotkreuzerin (21) zählte zu den Stützen des Schweizer Silber-Teams bei der Unihockey-Weltmeisterschaft.

Interview: Raphael Biermayr
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Isabelle Gerig (ganz rechts) weiss noch nicht, wie sie die Silbermedaille einschätzen soll.

Isabelle Gerig (ganz rechts) weiss noch nicht, wie sie die Silbermedaille einschätzen soll.

Urs Lindt/freshfocus

Die Jüngste im Team war die erfolgreichste Schweizer Skorerin an der Heim-Weltmeisterschaft in Neuenburg. Die 21-jährige Isabelle Gerig erzielte 4 Treffer und bereite 8 Tore vor. Ihre Glanzstunde hatte die Flügelstürmerin aus Rotkreuz beim magischen 7:6-Erfolg im Halbfinal gegen die Tschechinnen, als sie an sechs Toren beteiligt war. Im Final unterlagen die Schweizerinnen den Schwedinnen mit 2:3 nach Verlängerung.

Am Montag, am Tag nach dieser Niederlage, wirkte Isabelle Gerig am Telefon hin- und hergerissen zwischen Stolz und Niedergeschlagenheit. Zeit zum Verarbeiten bleibt der Betriebsökonomie-Studentin der Hochschule Luzern nicht. Am kommenden Samstag geht es mit den Kloten-Dietlikon Jets in der NLA-Meisterschaft weiter.

Betrachten Sie Ihre WM- Silbermedaille mit Freude oder mit Enttäuschung?

Isabelle Gerig: Aktuell überwiegt die Enttäuschung. So in ein, zwei Wochen werde ich mich wahrscheinlich über die Silbermedaille freuen können. Der Final war so knapp, er hätte auf beide Seiten kippen können. So zu verlieren, war schon hart.

Wie haben Sie den Abend nach der Finalniederlage verbracht?

Nach dem Spiel war die Mannschaft zunächst ein paar Minuten für sich. Wir brauchten etwas Zeit, um unseren Emotionen freien Lauf zu lassen. Danach gingen wir zu den Fans und unseren Familien, bevor wir den restlichen Abend in der Garderobe und an der Bar unseres Hotels verbrachten.

Fiel es Ihnen schwer, mit den feiernden Fans Zeit zu verbringen?

Das war natürlich nicht ganz einfach. Aber es war auch sehr schön, den kleinen Kindern Autogramme zu geben. Für sie waren wir Heldinnen.

Die insgesamt über 44000 Zuschauer bedeuten einen Rekord bei einer Frauen-WM. Wie erlebten Sie die Stimmung in Neuenburg?

Es war cool, wie die Fans uns die ganze Zeit über antrieben, vor allem am Finalwochenende. Sie haben einen Anteil an unserem zweiten Platz.

Auch für Sie persönlich war es eine erfolgreiche WM. Nehmen Sie das wahr?

Nein, das habe ich noch nicht so ganz begriffen. Aber es stimmt schon, ich zeigte im Halbfinal wohl mein bestes Spiel überhaupt. Auch mit der Leistung beim Vorrundensieg gegen Finnland und im Final war ich zufrieden. Aber das spielt für mich im Moment keine grosse Rolle.

Sie sprechen den Halbfinal an, als Ihr Team 102 Sekunden vor Ablauf des letzten Drittels mit 2:6 in Rückstand lag, daraufhin ausglich und schliesslich in der Verlängerung gewann.

Das war etwas ganz Besonderes. Jede Spielerin zeigte einen enormen Willen, diesen verdammten Final zu erreichen. Dass es aufging, war unglaublich.

Einige Spielerinnen sind nach der WM aus der Nationalmannschaft zurückgetreten, Sie hingegen stehen erst am Anfang ihrer internationalen Karriere. Wie beurteilen Sie die Perspektiven der Schweizerinnen?

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Es wird allerdings extrem schwierig, wieder ein Team mit einem solchen Spirit zu formen. So etwas wie in den letzten Tagen hatte ich zuvor nie erlebt. Auch abseits der Matches waren wir eine Einheit. Dass wir jetzt in der Meisterschaft wieder gegeneinander spielen müssen, ist eine seltsame Vorstellung.

Werden Sie sich am Dienstag Ihrem Studium widmen oder brauchen Sie noch etwas Freizeit?

Ich habe schon vor, die Vorlesungen zu besuchen. Allerdings werde ich wahrscheinlich nicht wie gewohnt bei der Sache sein.