Ist der Zoobesuch sinnvoll?

Eine Frage, die sich am heutigen Tag des Artenschutzes unsere Redaktorin Zoe Gwerder sowie Chefredaktor Harry Ziegler stellen.

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Mit Tierpärken und Zoos sind bei mir schöne Erinnerungen verbunden. Und auch heute, wenn ich mit meiner eigenen Familie in den Zoo gehe, freut es mich immer wieder, wenn wir dank solcher Institutionen die Möglichkeit haben, unserem Nachwuchs Tiere und ihr Leben näherzubringen, indem sie diese real sehen.

Redaktorin Zoe Gwerder

Redaktorin Zoe Gwerder

Zwar sind auch mir insbesondere die älteren Gehege, welche den Tieren oft alles andere als gerecht werden, ein Graus. Im Gegensatz zu Kollege Ziegler lasse ich mir den Zoobesuch jedoch nicht davon vermiesen. Das Erlebnis, wenn der Silberrückengorilla wenige Zentimeter von mir entfernt – nur durch eine Glasscheibe getrennt – sein Nickerchen hält oder das Affenweibchen neugierig das Baby eines anderen Besuchers begutachtet und dabei äusserst menschlich wirkt, möchte ich nicht missen.

Wenn ich heute als Mutter meinem Nachwuchs solche Momente näherbringen kann und dabei mitbekomme, wie dieser eine gewisse Nähe zu den Tieren spürt, empfinde ich die Gehege – auch wenn es alte sind – als sinnvoll.

Denn so sehen die Kinder, dass es sich um Wesen aus Fleisch und Blut handelt und nicht um eine gut gelungene Animation, welche sich nur vage von den computersimulierten Fabel­wesen unterscheidet.


Zugegeben, Zoos tragen sicher zur Arterhaltung bei, weil sie bedrohte Tierarten in Nachzuchtprogrammen quasi für unsere Nachfahren aufbewahren. Dennoch ist ein Zoobesuch für mich etwas Unnatür­liches. Artenschutz hin oder her. Ich mag es ganz und gar nicht, wenn Tiere hinter Gittern oder Glas zur Schau gestellt werden. Ich mag es ja auch nicht, wenn ich meinen Hund nicht frei laufen lassen kann. Mit artgerechter Haltung hat we­der das eine noch das an­dere etwas zu tun.

Chefredaktor Harry Ziegler

Chefredaktor Harry Ziegler

Dass Arten geschützt werden müssen, ist ja auch erst eine Notwendigkeit, seit sich der Mensch auf unserem Planeten derart breitmacht, dass praktisch nur noch für ihn Platz vorhanden ist. Und wo dieser Platz fehlt, wird er kurzerhand durch das Vernichten der Lebensräume anderer Krea­turen geschaffen. Diese vernichteten Lebensräume dann auf wenigen Quadratmetern nachzubilden, das ist meines Erachtens nichts als zynisch.

Ich muss im Übrigen auch nicht alle Tiere einmal in meinem Leben live gesehen haben. Mir genügt es vollauf, zu wissen, dass es sie (noch) gibt. Treffe ich ein Tier in Freiheit an, dann freue ich mich – ob das Tier dasselbe tut, bezweifle ich. Jene hinter Glas und Gittern tun das ganz bestimmt nicht.