IT-Rentner modernisieren Tixi

Zwei Pensionierte haben in Zusammenarbeit mit Studenten eine Dispositionssoftware erfunden, die die Arbeit der Tixi-Taxi-Fahrer effizienter macht. Geld war keines im Spiel – sie haben das Programm verschenkt.

Wolfgang Meyer
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Martin Jonasse und Josef Conrad in der Tixi-Zentrale in Zug. (Bild: Maria Schmid (28. August 2018))

Martin Jonasse und Josef Conrad in der Tixi-Zentrale in Zug. (Bild: Maria Schmid (28. August 2018))

Seit dem vergangenen Mai ­fahren die Zuger Tixi-Taxis mit einer neuen Dispositionssoftware. Das Programm vereinfacht die Erfassung und Planung der täglich bis zu 200 Fahrten im Kanton Zug. Ermöglicht wurde die digitale Aufrüstung durch ein grosszügiges Geschenk von zwei Rentnern: Martin Jonasse und Josef Conrad.

Beide haben bei Tixi Zug als freiwillige Fahrer angefangen. Während der vergangenen drei Jahre entwickelte er zusammen mit zwei Studenten der Hochschule Rapperswil das neue ­Dispositionsprogramm namens Tixi24 und schenkte es der AT Provider AG in Baar. Diese betreibt nun den cloudbasierten Dienst und entwickelt ihn weiter. «Unser Ziel war es, den Grundstein für die neue Anwendung zu legen», sagt Josef Conrad.

Die spezifischen Anforderungen der Tixi-Zentrale an eine ­geeignete Arbeitssoftware entsprechen einem Nischenprodukt, erklärt er. «Müsste ein Unternehmen die Entwicklungskosten übernehmen, könnte das Projekt nicht wirtschaftlich betrieben werden.» Durch die Schenkung der beiden Rentner wird das aber möglich und sichert einen langfristigen Service. Rund 6500 freiwillige Arbeitsstunden investierten die Beteiligten.

Reibungsloser Übergang

Vor ihrer Pensionierung arbeiteten Martin Jonasse und Josef Conrad in den IT-Abteilungen verschiedener Grossbanken. Nach dem Ausscheiden aus der Arbeitswelt fehle vielen das ­kollegiale Umfeld, hat Conrad festgestellt. Wer sich im Tixi-­Team einbringe, fände hier ein neues Umfeld und eine sinnvolle Aufgabe. Die Organisation sei laufend auf der Suche nach neuen freiwilligen Fahrern. Durch die neue Software können mit der 20 Fahrzeuge starken Flotte mehr Fahrten pro Tag durchgeführt werden. Denn durch die Planungsalgorithmen werden Kilometer, Benzin, Zeit und Geld gespart. «Ausserdem werden unsere Kunden am Telefon schneller bedient, weil unsere Mitarbeiter in der Zentrale entlastet werden», fügt Conrad an.

Nach einer dreimonatigen Schulungs- und Optimierungsphase stellte Tixi Zug am 4. Mai den Betrieb auf das neue System um – naht- und problemlos, berichten die beiden IT-Rentner stolz. Jetzt liege es an der AT Provider AG und den anderen Tixi-Vereinen der Schweiz, die neuen Möglichkeiten zu nutzen. Denn weil sie cloudbasiert ist, kann die Software schweizweit genutzt werden. Auch Daueraufträge liessen sich in die Planung einbinden. Ausserdem stellen Martin Jonasse und Josef Conrad eine fundierte Dokumentation zur Implementierung des Programms in den eigenen Betrieb zur Verfügung. Bisher ist der Verein Tixi-Linth an den Lösungen der beiden Zuger interessiert.